Review

Sie ist hübsch. Sie ist sarkastisch. Sie ist tot. Nun ja, fast. „iZombie – Tote leben länger“, nicht etwa Apples erster Versuch im Comic-Geschäft, erzählt die Geschichte von der Protagonistin Gwen. Erdacht von Chris Roberson, der schon bei der Serie „Fables“ mitwirkte und visuell zum „Leben“ erweckt von Michael Allred (u.a. Silver Surfer, Daredevil).

Wie man es sich schon denken kann, geht Gwen alles andere als dem normalen Leben einer jungen Frau nach. Auch wenn es äußerlich nicht den Anschein macht, ist sie gezwungen, das Dasein eines Zombies zu führen. Um zu vermeiden, dass ihr wahres Ich in Form einer verwesenden Leiche optisch zum Vorschein kommt, muss Gwen sich ein Mal im Monat ein Gehirn mitsamt darin enthaltenen Erinnerungen einverleiben.

Praktisch also, dass sie tagsüber ihrem Job als Totengräberin nachgeht, da kann man sein Mittagessen praktisch gleich auf der Arbeit lassen. Dennoch ist „iZombie – Tote leben länger“ alles andere als ein konventioneller Zombie-Horror-Schocker. Gwen pflegt Kontakt zu ihren Freunden (auch wenn diese alles andere als normal sind), verfällt hübschen Männern und geht allgemein einem einigermaßen normalen Alltag nach. Quasi die perfekte Vorlage für eine Zombie-Soap.

So wie sie vor kurzem sogar in Deutschland im TV anlief. Der Comic bietet nämlich die Vorlage für die gleichnamige Serie, allerdings mit einem etwas stärker abweichenden Plot, jedoch mit der gleichen Kernaussage.

Dieser Comic ist wirklich weichgespült, mit allerlei Kitsch, der einem hier geboten wird. Sei es nun mit modernen Jugendkulturen oder sogar den üblichen Monster-Klischees.

Das alles verstärkt durch die Zeichnungen. Allreds Stil in Anlehnung an Pop Art passt umso mehr zu den kontrastreichen Themen, die hier aufeinandertreffen. Bei so manchen Bildern mag man sich fragen, ob hier kleine Anlehnungen an Roy Lichtenstein aufkommen. Das Spielen mit vielerlei Klischees füllt allerdings den Charakter von „iZombie – Tote leben länger“.

Immerhin geht es dann auch mal raus aus der bunten Welt, denn schließlich gibt es Hirnrinden, die gespalten werden wollen. Aber auch wenn Blitze und Regen nur weitere gegebene Stilmittel sind, bringt ihr Einsatz Abwechslung mit sich. Leider machen nette Bilder allein längst nicht einen guten Comic aus und so muss man sich auf viele abrupte Wechsel der Szenerien gefasst machen. Nicht mal ein kurzes Artwork trennt die Handlungsstränge und so wird der Lesefluss oft unterbrochen. Dazu wirkt die Panel-Aufteilung manchmal sehr verwirrend.

Obwohl dieser Band mit klischeebehafteten Situationen und Figuren daherkommt, muss man sagen, dass sich die Reihe selbst nicht wirklich ernst nimmt. Trotzdem distanziert sie sich von dem mittlerweile abgedroschenen Ablauf einer Story mit verfaulenden Schlurfern. Sogar soweit, dass sie eine ganz andere Herangehensweise auftischt, sowohl für Zombies als auch für andere Fabelwesen. Es muss also nicht immer gleich ein Biss sein, der einem jegliche Menschlichkeit raubt.

„iZombie – Tote leben länger“ hinterlässt am Ende einen durchaus positiven Eindruck. Der Comic bietet das genaue Gegenteil einer mit Gore überlaufenden Horror-Story. Vor allem werden hier mal nette Ideen geboten, während dennoch auf altbewährte Mittel zurückgegriffen wird. Ein Machwerk, bei dem man mal nicht immer auf die Feinheiten achten muss, sondern das Ganze einfach auf sich wirken lässt. Infizierungsgefahr herrscht trotzdem.

Inhalt

Gwen Dylan ist ein Zombie, und wenn sie nicht einmal monatlich eine Leiche ausgräbt und ihr Gehirn verzehrt, verwandelt sie sich in ein Monster. Doch durch die Gehirnmahlzeit überschwemmen fremde Erinnerungen ihren Geist, und als sie Mord wittert, geht sie mit ihren Freunden auf die Suche nach dem Täter.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Chris Roberson
ist ein 1970 geborener Science-Fiction Autor und Verleger aus Portland, Oregon.

(Quelle: Wikipedia)

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Mike Allred
ist ein US-amerikanischer Comic-Zeichner, der besondere Popularität durch seine Independent-Comic Arbeit an „Madman“ erlangte. Sein Stil definiert sich speziell durch Anlehnungen an Pop-Art sowie Comic-Stile der 50er und 60er Jahre.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 13.10.2015
Originalausgaben: House of Mystery Halloween Special 1, iZombie 1-5
Seitenzahl: 148
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics / Vertigo



Über den Autor

Christopher