Review

Mit seinem Roman „Trainspotting“, der auch sehr erfolgreich verfilmt wurde, hat Irvine Welsh ein Meisterwerk geschaffen, das seine Leser aufgerüttelt hat. In „Skagboys“ greift er die Geschichte von Mark Renton, Spud Murphy, Franco Begbie und Sick Boy erneut auf und erzählt die Vorgeschichte der Gruppe.

Prequels sind oft genug Werke, die vor allem Gewinne erzielen sollen, indem ein erfolgreiches Projekt gänzlich ausgeschlachtet wird. Irvine Welsh ist dies mit „Skagboys“ zum Glück nicht anzumerken. Liebevoll und gewohnt drastisch breitet er die Vorgeschichten der Jungs aus „Trainspotting“ aus und zeigt dabei endlich, wer sie waren, bevor sie dem Heroin verfallen sind. Er lässt uns aber auch an den Anfängen der Sucht und dem ersten Reha-Versuch der Gruppe teilhaben.

„Skagboys“ ist ein Buch, welches mannigfaltige Gefühle beim Leser auslösen kann. Teilweise ist man irritiert, oftmals muss man lachen, in der Regel ist man aber schockiert, denn Welsh veranschaulicht schonungslos, wie einfach es ist, dem Heroin zu verfallen, wie schnell man abhängig wird und vor allem welche Folgen ein Konsum dieser Droge nach sich ziehen kann.

Dabei schreibt er derart authentisch, dass man meinen könnte, dass er das Ganze selbst erlebt hat.

Irvine Welsh (Copyright: Jeffrey Delannoy)

Irvine Welsh (Copyright: Jeffrey Delannoy)

Interessant ist auch der Aufbau des Buches. Die einzelnen Kapitel beschreiben Ereignisse aus der Perspektive der jeweiligen Figuren der Clique, ohne den Leser jedoch zu informieren, aus welcher Sicht das Erzählte erlebt wird. Trotzdem erkennt man aus dem Kontext binnen kürzester Zeit, um wen es sich handelt. Ein ganz starkes Indiz dafür, dass Welsh seine Figuren sehr liebevoll und vor allem mit einer unglaublichen Tiefe erschaffen hat, denn nur so funktioniert ein solches Prinzip.

Das zweite Kernelement des Buches sind die Tagebücher von Mark Renton, die in einer auffälligen, an Handgeschriebenes erinnernden Schrift verfasst wurden. Insbesondere diese sind es, die das wahre Ausmaß der Sucht aufzeigen, denn hier schreibt die Figur ihre innersten Gedanken auf, die sich eigentlich ausschließlich um Heroin, dessen Konsum und vor allem die Beschaffung drehen.

Mit „Skagboys“ hat Irvine Welsh ein intensives und sehr umfangreiches Buch geschrieben, welches zu keinem Zeitpunkt langweilig wird, sondern den Leser berührt und gelegentlich auch trifft. Man leidet mit den Figuren des Buches mit und entwickelt ganz eigene Sympathien sowie Antipathien den einzelnen Charakteren gegenüber. Es ist trotz des intensiven Themas eine Freude dieses Buch zu lesen und vor allem schreckt es sehr gut ab, denn der Konsum von Drogen im Allgemeinen und Heroin im Speziellen kann ziemlich gravierende Folgen haben, die in „Skagboys“ eindrucksvoll dargestellt werden.

Inhalt

Mark Renton sollte glücklich sein. Er ist jung, smart, hat eine hübsche Freundin und Spaß am Studium. Doch im Großbritannien der Achtziger ist kein Platz für ihn und seine Freunde. Man hat ihnen Arbeit, Bildung und Wohlstand versprochen, aber nun ist niemand da, um diese Versprechen auch einzulösen. Als Marks Familie auf tragische Weise zerbricht, gerät sein Leben außer Kontrolle.

Dies ist die Geschichte der jugendlichen Außenseiter Mark Renton, Spud Murphy, Franco Begbie und Sick Boy. Eine Geschichte über Drogen, Armut und das Scheitern – aber auch über das Leben, die Freundschaft und vielleicht ein bisschen Liebe.

(Copyright: Heyne Hardcore)

Autor

Irvine Welsh, geboren 1958 in Leith bei Edinburgh, schreibt Romane und Kurzgeschichten, und gilt als einer der wichtigsten Autoren Großbritanniens. Sein Debütroman Trainspotting machte ihn international bekannt und wurde mit Ewan McGregor in der Hauptrolle verfilmt. Welsh lebt in Chicago.

(Copyright: Heyne Hardcore)

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Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 28.10.2013
Seitenzahl: 832
ISBN: 978-3-453-26887-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne Hardcore

Copyright Cover: Heyne Hardcore



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.