Review

Neuer Einstand für Iron Man

Dass Dan Slott ein guter und bisweilen sogar herausragender Autor ist, hat er ein ums andere Mal unter Beweis gestellt („Silver Surfer Megaband: Was Surfer wollen“, „Spider-Man: Spider-Verse“, „Fantastic Four 1: Die Rückkehr“).

So war natürlich auch die Erwartungshaltung gegenüber dessen Iron Man-Serie keine geringe. Dies wurde noch durch den Umstand befeuert, dass die letzten Abenteuer des Netzschwingers aus der Feder von Dan Slott (u.a. mit der Hightech-Firma Parker Industries) so wirkten, als würde Slott sich lieber dem Eisernen widmen. Und Dan Slott war durchaus sehr bemüht, Iron Man Tony Stark seinen Stempel aufzudrücken („Tony Stark – Iron Man 1: Die Rückkehr einer Legende“, „Tony Stark – Iron Man 2: Identitätskrise“, „Tony Stark – Iron Man 3: Auf Drachenjagd“). Allein, es gelang ihm zu keiner Zeit. Und so endete mit „Tony Stark – Iron Man 5: Iron Man 2020“ schließlich eine wahnsinnig unbefriedigende und verschwurbelte Iron Man-Saga.

Die Hoffnungen für Fans von Mr. Stark ruhen nunmehr auf dem künstlerischen Team bestehend aus Autor Christopher Cantwell und Zeichner CAFU („Valkyrie – Jane Foster 2: Kampf um Asgard“), die mit dem ersten Paperback „Iron Man – Der Eiserne 1: Neue Wege, alte Fehler“ den Neuanfang für den beliebten Helden in Szene setzen.

Back to basics

Tony Stark will den Stress rund um sein virtuelles Wunderland eScape, den Aufstand der Roboter, aber auch die Verantwortung für seine Firma Stark Unlimited schlicht hinter sich lassen. „Back to basics“ soll es für den eisernen Helden heißen. Und so veräußert Tony den Löwenanteil seiner Aktien und trennt sich darüber hinaus von weiterem Ballast – wie dem Großteil seiner hochtechnisierten Iron Man-Rüstungen. Mit einer klassischen Rüstung am Leib will sich Tony als Superheld Iron Man wieder darauf beschränken, Gutes zu tun. An seiner Seite kämpft außerdem die Superheldin Hellcat Patsy Walker.

In den sozialen Medien begegnet man dem Milliardär, Playboy, Futuristen, Visionär und Helden hingegen mit Anfeindungen und massiver Kritik. Dies löst bei Tony (erneut) ausgeprägte Selbstzweifel aus.

Doch Zeit bleibt dafür kaum, denn der Schurke Korvac hat es auf ihn abgesehen.

Auch nur ein laues Lüftchen

Mit dem Titel „Neue Wege, alte Fehler“ ließe sich jetzt böse Schindluder treiben. Das wollen wir Autor Christopher Cantwell und seinem Einstieg in die Welt des Eisernen allerdings ersparen.

Leseprobe aus „Iron Man – Der Eiserne 1: Neue Wege, alte Fehler“. (Copyright: Panini Comics)

Nach den Strapazen mit Dan Slotts Iron Man-Saga war die Vorfreude auf einen frischen, aber dennoch klassischen Iron Man naturgemäß recht hoch. Und auch der Ansatz eines „back to basics“- bzw. „back to the roots“-„Reboots“ wusste im Vorfeld, Lust auf mehr zu machen. Und Cantwell trennt sich auch tatsächlich von etlichen Mitstreitern (z.B. Jocasta, Andy Bhang, Janet „Wasp“ van Dyne), Verkrustungen und Altlasten der Slott-Saga. Allerdings ist auch der Cantwell-Iron Man kein klassischer Superheld; vielmehr sind zentrale Themen auch hier wieder Selbstzweifel und Identitätskrise des Tony Stark. Diese Facette des Charakters wurde in jüngerer Vergangenheit (gefühlt) mehr als jede andere beleuchtet – alles andere als ein wirklicher Neuanfang für Tony Stark also.

Es stößt auch sauer auf, wenn Cantwell die Trennung von Tony und Avengers-Veteranin Janet van Dyne alias Wasp auf einer einzigen Seite inszeniert. Das wirkt gegenüber der Arbeit von Dan Slott und diesem Aspekt der Saga geradezu respektlos. So hätte man diese Liebesbeziehung besser komplett außen vor lassen können. In diesem Zusammenhang wirkt dann auch die neuerliche Liaison mit Hellcat Patsy Walker übereilt und unausgereift.

Lichtblicke der Ausgabe sind die Reduzierung der Vielzahl von Mitstreitern, die die Serie zuletzt erdrückten, ein visuell klassisch daherkommender Iron Man und ein bislang stark inszenierter Korvac mit erheblichen Kräften.

Darüber hinaus ist das Artwork von CAFU ein echter Hingucker.

Fazit

Der Neuanfang von Autor Christopher Cantwell und Zeichner CAFU ist ein durchschnittlicher bis solider, der noch einige Luft nach oben offenlässt. Den erhofften „beeindruckenden Einstand für Iron Man“ haben wir hiermit jedenfalls nicht erhalten.


Iron Man: Der Eiserne: Bd. 1: Neue Wege, alte Fehler

Inhalt

Perfekter Einstiegspunkt in Tony Starks Comic-Welt

Autor Christopher Cantwell führt Iron Man zurück zu seinen Wurzeln. Keine Riesenfirma, keine Tech-Innovationen am laufenden Band mehr. Tony will wieder fühlen, was es heißt, ein Mensch zu sein – und ein klassischer Superheld. Aber ist das heute, in dieser volldigitalisierten und allsehenden Welt, überhaupt noch möglich? Vom gewaltigen Ego des Avengers in Rüstung gar nicht erst zu reden.

Die neue IRON MAN-Serie behandelt Fragen, Probleme, Gedanken und Sehnsüchte unserer modernen Welt in bester Marvel-Manier. Ein Neuanfang für Tony Stark, dem eine neue Verbündete zur Seite steht und der alten wie neuen Schurken begegnet.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Christopher Cantwell
ist ein US-amerikanischer Autor, Produzent und Regisseur, der in den Bereichen Fernsehen, Film und Comics gearbeitet hat. Bekannt wurde er als einer der beiden Mitschöpfer der TV-Serien Halt und Catch Fire, für die er auch als Produzent, Showrunner, Drehbuchautor und Regisseur tätig war.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 15.06.2021
Originalausgaben: Iron Man (2020) 1-5
Seitenzahl: 132
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)