Review

Als der Industrielle Friedrich Lautenschläger eines Morgens tot aufgefunden wird, ahnt die Polizei noch nicht, in welch einem drastischen und hochpolitischen Fall sie zu ermitteln hat …

Ilja Albrechts Debütroman „Sibirischer Wind“ startet als „handelsüblicher“ Thriller, gewinnt aber im Verlauf sehr schnell an Komplexität und erstreckt sich später sogar über mehrere Ebenen.
So wird man als Leser schnell von der Story gefesselt und immer wieder von gut platzierten Wendungen überrascht.
Den Inhalt betreffend hat Ilja Albrecht definitiv vieles richtig gemacht, allerdings handelt es sich gleichzeitig auch nicht unbedingt um eine „noch nie dagewesene“ Geschichte.

Dies trifft ebenfalls auf die Charaktere zu. Sie sind gut ausgearbeitet, insbesondere bei den Protagonisten hat sich Albrecht eine Menge Mühe gegeben, sie weichen jedoch kaum von den aus vielen Büchern des Genres bekannten Klischeefiguren ab. Man findet das Good Cop/Bad Cop-Duo genauso wie die strenge Chefin. Ausrastende Politiker und schmierige Mafiabosse. Das zeugt nicht unbedingt von enormer Kreativität. Zudem hat der Autor offensichtlich ein Faible für möglichst ungewöhnliche Namen, die in diesem Buch zuhauf verwendet werden. Es dauert daher eine gewisse Zeit, bis man mit den verwendeten Namen klarkommt, ohne sich über diese zu wundern.

Ilja Albrecht (Copyright: Ilja Albrecht)

Ilja Albrecht (Copyright: Ilja Albrecht)

Ein weiterer Punkt, der ein wenig sauer aufstößt, sind die beschriebenen Methoden der Ermittler. Sicherlich handelt es sich bei „Sibirischer Wind“ um eine fiktive Geschichte, dennoch hat es sich im Genre der Thriller etabliert, dass die Polizeiarbeit zumindest grob nachvollziehbar und realistisch wirkt.
In „Sibirischer Wind“ hingegen wird fleißig mit der Mafia kooperiert und auch mal ein Doppelmord übersehen, in den sogar zwei Polizisten direkt involviert sind. Leichen weggeräumt? Kein Problem, dann ist hier nichts passiert! Das andere Extrem kommt allerdings auch vor, da die Behörden in vielen Fällen schlicht zu vorsichtig vorgehen.
Insbesondere der „übersehene“ Doppelmord stört hier, da er die Authentizität des gesamten Ermittlerteams komplett infrage stellt.

Man kann also sagen, dass es sich bei „Sibirischer Wind“ um ein durchaus gelungenes Debüt handelt, welches aber an einigen Kinderkrankheiten leidet.
Allein die gelungene Geschichte reißt es leider nicht heraus, denn auch diese könnte in der Tat ein wenig innovativer sein.

„Sibirischer Wind“ versteht es, oberflächlich sehr gut zu unterhalten, man sollte jedoch vermeiden, zu tief unter die Oberfläche zu schauen, denn Fans des Genres werden viele kleine und größere Problemchen finden, die dieses Buch ein wenig abwerten.

Inhalt

Der Mörder, der aus der Kälte kam …

Bei seinem Morgenspaziergang am Wannsee wird der 72-jährige Industriemagnat Friedrich Lautenschläger brutal zusammengeschlagen und erschossen. Für Kiran Mendelsohn, der gemeinsam mit dem eigenwilligen Kommissar Bolko Blohm die Ermittlungen leitet, tut sich ein Abgrund aus illegalen Machenschaften, Waffen- und Menschenhandel auf. Doch nichts kann ihn vorbereiten auf die Skrupellosigkeit des wahren Killers, der eine Seite in Kiran weckt, die der junge Ermittler eigentlich für immer vergessen wollte.

(Copyright: Blanvalet Verlag)

Autor

Ilja Albrecht, 1967 in Frankfurt am Main geboren, zog 1988 für sein Studium nach Berlin und erlebte dort den Mauerfall. Als Diplom-Kommunikationswirt ist er seit 2000 im Bereich eMarketing für internationale Unternehmen tätig. Nach einer Station in den USA lebt Ilja Albrecht heute gemeinsam mit seiner Frau im südlichen Mittelmeer auf Malta. Sibirischer Wind ist sein erster Roman.

(Copyright: Blanvalet Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 17.06.2014
Seitenzahl: 320
ISBN: 978-3-442-38227-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Blanvalet Verlag

Copyright Cover: Blanvalet Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.