Review

„Schlafende Hunde“ von Ian Rankin ist ein Buch, welches seinem Titel eher auf unrühmliche Art und Weise gerecht wird. Besonders in der ersten Hälfte schnarcht der Plot mehr vor sich hin, als dass er seine Leser fesselt. Dabei ist der Fall, welcher die zentrale Rolle in diesem Buch übernimmt, durchaus spannend und kann guten Gewissens als innovativ bezeichnet werden.

Ian Rankin lässt auch immer wieder einen Spannungsbogen entstehen, den er aber stets abrupt abbricht. Dies geschieht entweder durch Schauplatzwechsel oder durch Cliffhanger, welche in der Regel funktionieren, aber viel zu spät wieder aufgenommen werden.

Ein weiteres Problem des Buches ist die Tatsache, dass es sich bei „Schlafende Hunde“ um einen Teil der „John Rebus“-Reihe von Ian Rankin handelt und der Autor offenbar voraussetzt, dass man die bisherigen Bände zumindest zum Großteil gelesen hat. Er verzichtet daher nahezu gänzlich darauf, den Leser über vergangene Ereignisse ins Bild zu setzen und konfrontiert immer wieder mit Tatsachen, die nicht oder nur schwer nachzuvollziehen oder – was viel schlimmer ist – zunächst mühsam den richtigen Figuren zuzuordnen sind. Viele Autoren lassen in ihren Serien subtile Rückblenden oder gekonnte Charakterdarstellungen einfließen, ohne Stammleser zu langweilen; auf solche Inhalte verzichtet Rankin aber leider ganz.

Aber der zweiten Hälfte – sobald man sich insbesondere mit den Figuren und den vergangenen Ereignissen, die eine zentrale Rolle in „Schlafende Hunde“ spielen, ausreichend auseinandergesetzt hat – nimmt die Story endlich an Fahrt auf und schafft es durchaus, den Leser zu fesseln und immer wieder zu überraschen. Der Fall erreicht eine unglaubliche Komplexität, die den Leser jedoch nicht überfordert, da die einzelnen Verstrickungen nachvollziehbar und in angemessener Geschwindigkeit aufgedeckt werden. So schafft „Schlafende Hunde“ es also doch noch, wenn nicht zu begeistern, dann zumindest zu unterhalten.

Ian Rankin (Copyright: Ian Rankin)

Ian Rankin (Copyright: Ian Rankin)

Stilistisch liefert Rankin klassischen Thrillerstoff und verzichtet dabei fast gänzlich auf Fachbegriffe oder regionale Formulierungen, sodass sowohl Thrillerneulinge als auch jene, die mit der schottischen Kultur, welche hier thematisiert wird, nicht viel zu tun haben, dem Erzählten ohne Probleme folgen können.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass die Geschichte trotz der bereits angesprochenen Komplexität stets authentisch wirkt und für den Leser nachvollziehbar ist. Dieser Umstand erleichtert es, der Handlung zu folgen.

Mit „Schlafende Hunde“ hat Ian Rankin also ein Buch geschrieben, welches Fans der „John Rebus“-Reihe mit Sicherheit begeistern wird, jene, welche noch nichts aus dieser Serie gelesen haben, jedoch vor einige Herausforderungen stellt. Gerade Letztere werden sich durch die erste Hälfte ziemlich quälen müssen, damit sie in den Genuss des wirklich gut inszenierten Finales kommen.

Inhalt

Schlafende Hunde soll man nicht wecken. Denn dann töten sie.

John Rebus ist zurück im aktiven Polizeidienst. Einziger Wermutstropfen: degradiert zum Detective Sergeant muss er nun seinem ehemaligen Schützling Siobhan Clarke zuarbeiten. Die beiden untersuchen gerade einen Autounfall, als bekannt wird, dass die Staatsanwaltschaft einen 30 Jahre zurückliegenden Fall aus Rebus’ Vergangenheit neu aufrollen will, der ungeheure Sprengkraft entfalten könnte. Damals war Rebus’ Team beschuldigt worden, Beweise in einem Mordfall manipuliert zu haben. Der mutmaßliche Mörder, ein Polizeispitzel, kam ungestraft davon. Mit den internen Ermittlungen beauftragt ist ausgerechnet der hyperkorrekte Malcolm Fox, der Rebus nicht über den Weg traut und doch auf seine Hilfe angewiesen ist. Rebus hat viel zu verlieren. Und er muss sich entscheiden – zwischen den Freunden von damals, die langsam nervös werden, und dem Gesetz.

(Quelle: Manhattan Verlag)

Autor

Ian Rankin, geboren 1960, ist Großbritanniens führender Krimiautor, seine Romane sind aus den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken.
Ian Rankin wurde unter anderem mit dem Gold Dagger für „Das Souvenir des Mörders“, dem Edgar Allan Poe Award für „Tore der Finsternis“ und dem Deutschen Krimipreis für „Die Kinder des Todes“ ausgezeichnet. „So soll er sterben“ und „Im Namen der Toten“ erhielten jeweils als bester Spannungsroman des Jahres den renommierten British Book Award. Für seine Verdienste um die Literatur wurde Ian Rankin mit dem „Order of the British Empire“ ausgezeichnet.

Mit „Ein Rest von Schuld“ hatte Ian Rankin seinen Ermittler John Rebus nach 17 Fällen in den Ruhestand geschickt und ließ Inspector Malcolm Fox die Bühne betreten. Doch in „Mädchengrab“ meldet sich Rebus wieder zurück.

Ian Rankin lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Edinburgh.

(Quelle: Manhattan Verlag)

Ian Rankin – Homepage
Ian Rankin – Twitter

Reihe

Die „John Rebus“-Reihe:

Verborgene Muster
Das zweite Zeichen
Wolfsmale
Ehrensache
Verschlüsselte Wahrheit
Blutschuld
Ein eisiger Tod
Das Souvenir des Mörders
Die Sünden der Väter
Die Seelen der Toten
Der kalte Hauch der Nacht
Puppenspiel
Die Tore der Finsternis
Die Kinder des Todes
So soll er sterben
Im Namen der Toten
Ein Rest von Schuld
Mädchengrab
Schlafende Hunde

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 08.09.2014
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-442-54723-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Manhattan Verlag

Copyright Cover: Manhattan Verlag



Über den Autor

Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.