Review

Es war einmal ein Mädchen namens Gertrude, das sich sehnlichst wünschte, in einer Welt voller Wunder, Magie, Lachen und Freude zu leben. Klein Gertrude hatte Glück, denn manche Wünsche werden wahr. Ein großes Abenteuer wartete auf sie.

Nach etwa drei Dekaden im wundersamen Fairyland hat sich aus dem niedlichen kleinen Mädchen jedoch eine fluchende, hasserfüllte Göre entwickelt, die nichts anderes, als zurück nach Hause will. Dies gestaltet sich jedoch äußerst schwierig, denn um in ihre Welt zurückkehren zu können, benötigt Gert einen Schlüssel. Eigentlich sollte das nicht viel länger als einen Tag dauern, doch Gertrude stellt sich bei der Suche alles andere als geschickt an. Gemeinsam mit ihrem winzigen Begleiter Larry – welcher an eine gewisse Grille namens Jiminy erinnertzieht sie durch die märchenhafte Welt, wobei sie niedermetzelt, massakriert, abschlachtet und niederbrennt, was ihr in die Quere kommt. Nach einer gefühlten Ewigkeit hält sie den Schlüssel für ihre Heimkehr in den Händen, doch Gert entschließt sich, kurz vor ihrer Rückkehr, Königin Cloudia zu töten, die ihr das Leben zusätzlich schwer gemacht hat. Bei ihrem letzten Streich hat Gertrude allerdings die Rechnung ohne die Gesetzmäßigkeiten von Fairyland gemacht, denn: 

Auf den Tod des Königs oder der Königin wird jener, der den Todesstoß ausführte, die Krone aufnehmen und somit … zum König oder zur Königin von …

Schleck mich, Fairyland!

So endet der fantastische und äußerst komische Auftaktband „I Hate Fairyland, Band 01: Verrückt bis an ihr seliges Ende“ und katapultiert uns direkt in die Handlung des vorliegenden zweiten Teils „I Hate Fairyland, Band 02: Zwick mein Leben“.

Gert ist inzwischen die Herrscherin dieses „verlutschten Schlecklochs“. Allerdings empfindet sie ihre royalen Pflichten schon bald als sterbenslangweilig und beginnt wieder mit ihrem gewohnten „Ringelpiez mit Abschlachten“. Dies ruft geschwind Harriet Winter, die Leiterin der Personalstelle, auf den Plan, die Gertrude mitteilt, dass sie ihres Amtes enthoben ist, da der Rat sie für eine heillose Versagerin hält. Damit mag die gute Frau nicht ganz Unrecht haben. Schließlich sieht sich die bekloppte Ex-Monarchin wieder mit ihrer altbekannten, unleidigen Aufgabe konfrontiert: Fairyland verlassen und nach Hause zurückkehren! Auf ihrem Weg bekommt sie es etwa mit einem Sammler zu tun, der über eine Art Weltenspringer verfügen soll oder auch mit dem Turm des Kampfes, einem übergroßen Spielautomaten… 

Inzwischen dürfte Skottie Young auch hierzulande nicht mehr nur noch wegen seiner grandiosen Baby-Variant-Cover von Superhelden im Cartoon-Stil bekannt sein. Seine Arbeit an den Solo-Abenteuern von Marvels durchgedrehtem Waschbär Rocket Raccoon“ war einfach genial und erst kürzlich sind wir im Rahmen unserer Besprechung zu „Der Zauberer von Oz“ regelrecht ins Schwärmen geraten. Dass es aber Mister Youngs ganz persönlicher Traum war, einmal ein Werk bei dem US-amerikanischen Comicverlag Image Comics, gegründet u.a. von Todd McFarlane, zu veröffentlichen, ist hier überall spürbar. „I hate Fairyland“ ist schlicht brüllend komisch, makaber, knallhart und auf wunderbare Weise nicht jugendfrei. Insofern ist der Comic, der bei uns bei POPCOM erscheint, so ziemlich das genaue Gegenteil der aufrichtig liebevollen, verträumten Fabel um den Zauberer von Oz.

Was die genannten Werke aber gemeinsam haben, ist, dass sie von der künstlerischen Kooperation von Zeichner Skottie Young und Kolorist Jean-Francois Beaulieu profitieren, die regelmäßig zusammenarbeiten. Das einmalige und atemberaubende Artwork kann mit verrückten Figuren und fantastischen Welten aufwarten. Die Story ist dabei durchgehend urkomisch und noch mit diversen popkulturellen Anspielungen versehen, wie z.B. in der Episode, in der Gert ein Einsiedlerleben als verzweifelte Königin führt und – à la „Aviator“ – in Flaschen pinkelt, die Leiterin der Personalstelle Harriet Winter mit der Ankündigung „Winter is Coming“ auftritt („Game of Thrones“-Fans wissen Bescheid) oder auch wenn auf einer Rolle Toilettenpapier „Drachendränieren leicht gemacht“ prangt; einfach herrlich!

Was bleibt also noch zu sagen? Comic-Fans, die hier nicht zuschlagen, sind eindeutig selber schuld, und wer hier nicht zumindest ins Schmunzeln gerät, der geht wohl auch zum Lachen in den Keller. 

Auf dass uns die fabelhaft-verrückte Gertrude und ihre prächtige Boshaftigkeit noch lange erhalten bleiben mögen!

Inhalt

Um Gertrudes Konzentrationsfähigkeit ist es nicht gut bestellt und sie wird das Königinnensein schnell leid: hier eine Eröffnung mit dusseligen Toten, die im Weg rumliegen, dort eine Zeremonie mit falsch ausgesprochenem Zauberspruch und einem Massaker …

Das alles kann Gert nicht bei Laune halten und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als sich endlich wieder etwas anderem widmen zu dürfen. Nichts einfacher als das! Oder?

(Quelle: POPCOM)

Autor

Skottie Young
(*03. April 1978) ist ein amerikanischer Comickünstler, Kinderbuch-Illustrator und Autor.

Skottie Young – Homepage
Skottie Young – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 20.07.2017
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-8420-3383-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Popcom

Copyright Cover: Popcom



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)