Review

Sympathien für die Bösen weckt Howard Linskey auch mit seinem dritten Gangster-Thriller.
Nach dem Debüt „Crime Machine“ und dem Folgeband „Gangland“ legt der britische Autor nun mit einer weiteren Geschichte rund um Gangster David Blake im „Der Pate“-Stil nach.
„Killer Instinct“ lautet der Name des aktuellen Romans, der vor allem durch ausdrucksstarke Figuren und der Fülle an unterschiedlichen Handlungssträngen überzeugt, die Linskey gelungen und an Komplexität gewinnend zu verbinden versteht.

Es gilt zwar, viele Personen und Namen im Hinterkopf zu behalten, um den Faden bei all den Verstrickungen, Machenschaften, Korruptionen und Komplotten hier nicht zu verlieren, dann aber lernt man ein organisiertes Verbrechen im nordenglischen Newcastle kennen, das nicht nur skrupellos, brutal und auf Profit ausgerichtet agiert, sondern den Lesern zudem eine sehr menschliche, nachvollziehbare und – wie eingangs erwähnt – sympathische Seite offenbart. Unterstützt wird dies durch die schon bald einsetzende Ich-Erzählperspektive aus Sicht der Hauptfigur.

Schnell fiebert man daher mit den bösen Jungs, allen voran David Blake, mit und nimmt teil an ihren wachsenden Problemen. Denn Linskey schont die Verbrecherbande in „Killer Instinct“ keineswegs. Nicht nur, dass Blake selbst unter Mordverdacht steht, zusätzlich machen ihm russische und serbische Syndikate das Territorium streitig und auch die Suche nach seinen Wurzeln, genauer gesagt nach seinem Vater sorgt für einige Ungereimtheiten. Dabei will Blake eigentlich nur eins: Aussteigen, um mit seiner Frau und Tochter ein ruhiges Leben zu führen. Nicht so einfach, denn Blake weiß: „Es gibt nur einen Ausweg: Früher oder später bin ich ein toter Mann!“

Obwohl „Killer Instinct“ mit dem Auffinden einer Leiche, der Tochter des DI Carlton, welcher seine ganze Energie in die Zerschlagung des organisierten Verbrechens und in die Überführung dessen Kopfes David Blake steckt, beginnt, rückt Howard Linskey in seinem Buch nicht den Mord in den Mittelpunkt des Geschehens, sondern gewährt vielmehr tiefe Einblicke in das Gangsterleben, eng verbunden mit den darin verwickelten Figuren. Dies jedoch nicht auf langweilig-trockene Art und Weise, sondern gespickt mit Zynismus, Witz und vor allem einer Menge Charme.

Howard Linskey (Copyright: privat / Howard Linskey)

Howard Linskey (Copyright: privat / Howard Linskey)

Die Grenzen von Gut und Böse weiß der Autor hervorragend zu verwischen. Aus diesem Grund ist sich der Leser zwar stets bewusst, dass seine „Helden“ nicht gesetzeskonform zu Werke gehen, indem sie selbst aber nach moralischen Prinzipien handeln, regt Linskey gleichsam mit seinen Romanen zum Nachdenken an. Rechtfertigt der Zweck also manchmal die drastischen Mittel? Steckt in dem bösen Gangsterboss nicht auch eine gute und sensible Seele? Mit derartigen Antagonismen spielt Linskey immer wieder und schafft nicht zuletzt dadurch eine enorme Nähe zwischen Leser und Figuren.

Howard Linskeys Schreibstil trägt dazu bei, dass man sich gut in „Killer Instinct“ einfinden und das Buch rasend schnell beenden kann. Wer die vorherigen Bände des Autors noch nicht kennt, kommt mit dem aktuellen Thriller auf den Geschmack und wird sich auch „Crime Machine“ und „Gangland“ widmen wollen. Notwendig, jene Werke zu kennen, um sich in „Killer Instinct“ mit Handlung und Charaktere zurechtzufinden, ist es allerdings nicht. Wen aber einmal das Linskey Fieber gepackt hat, der kann sich schwer von Blake und Co. losreißen.

Inhalt

David Blake leitet die Geschicke des organisierten Verbrechens im nordenglischen Newcastle, und er weiß genau, dass er diesen Job nicht kündigen kann. Denn aufhören kann man nur als Toter. Und langsam wird es eng für David. Die Polizei sitzt ihm im Nacken, russische und serbische Syndikate, die vor keiner Brutalität zurückschrecken, machen ihm sein Territorium streitig. Es geht ums Ganze – und vor allem ums Überleben …

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Howard Linskey, geboren 1967, hat u.a. als Barmann, bei einem Catering Service und im Marketing gearbeitet, bevor er schließlich freier Journalist wurde. Er schreibt für verschiedene britische Tageszeitungen, Zeitschriften und Websites. „Crime Machine“ ist sein Debütroman, der in Großbritannien und den USA viel beachtet und von der Kritik hoch gelobt wurde.

(Copyright: Knaur Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 03.08.2015
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3-426-51618-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde