Review

Die „Stay-at-home-Quarantäne-Zeit“ ist nach wie vor nicht ausgestanden, und wir versuchen, euch weiterhin mit großartigen Lektüretipps für das heimische Wohnzimmer zu versorgen. Besonders geeignet für gemütliche und ausgiebige Lesestunden sind die beim Cross Cult Verlag erscheinenden Sammelbände aus dem Universum von Comic-Mastermind Mike Mignola.

Erst kürzlich haben wir euch „Geschichten aus dem Hellboy-Universum: B.U.A.P. – Die Froschplage 2“ vorgestellt und nun folgt das epische Comicwerk „Hellboy Kompendium 4“. Fabeln, Mythen und Märchen des grafischen Erzählens.

Kurzgeschichten-Melange zu Beginn

Das vierte Kompendium versammelt zunächst die Kurzgeschichten-Sammelbände „Hellboy 8: Die Troll-Hexe“ sowie „Hellboy 11: Der Krumme“, die für sich genommen mittlerweile längst verlagsvergriffen sind.

Malaysia, Alaska, Afrika. Big Red hat überall auf der Welt mit Mythenwesen, Monstern und anderen übersinnlichen Kreaturen zu kämpfen. Der titelgebende Krumme konfrontiert Hellboy in einer schaurigen Episode darüber hinaus mit wahrhaftigen Teufelsmächten und bösen Hexen. Mignola hat für seine Fans und sein Werk allerhand Legenden, Mythen und Volksmärchen gewälzt, sich diese zu Eigen gemacht und wieder ganz eigene Hellboy-Märchen mit ungemein surrealer Kraft erschaffen. Meines Erachtens blüht Mike Mignola insbesondere als Urheber von derartigen Kurzgeschichten auf. Diese ziehen den Leser für kurze Zeit völlig gebannt in eine andere, fremde und fantastische Welt.

Ein besonderes Highlight für Fans des Comic-Großmeisters des Mystery-Horrors sind die jeweils einleitenden Worte Mignolas zu den einzelnen Kurzgeschichten. Inspirationen, Anekdoten, weitergehende Literatur zur jeweiligen Thematik oder schlichte Denkanstöße seitens der eigenen kleinen Tochter – Mike Mignola gewährt aufschlussreiche und unterhaltsame Einblicke in den eigenen Schaffensprozess und der Leser vermag sich den Quell der Inspirationen lebhafter und besser vorzustellen.

In Szene gesetzt werden diese glorreichen Abenteuer darüber hinaus von Größen der Comic-Industrie wie Richard Corben und P.C. Russell sowie Jason Shawn Alexander, Joshua Dysart und Duncan Fegredo. Besser gehts nicht.

Auf dem Weg zum Pandämonium

Im Anschluss an die unterhaltsamen und schaurigen Kurzgeschichten folgen die Einzelbände „Hellboy 13: Abstieg zur Hölle“ sowie „Hellboy 15: Die Todeskarte“, die die eigentliche Story und Entwicklung rund um Hellboy chronologisch weiterverfolgen.

Leseprobe aus dem vierten opulenten Kompendium um den kultigen Hellboy.
(Copyright: Cross Cult)

Zum Ende der epischen Hellboy-Artussage („Hellboy Kompendium 3“), die Brother Red nicht nur zum rechtmäßigen Besitzer des legendären Schwerts Excalibur, sondern gleichermaßen zum rechtmäßigen Thronfolger und Hochkönig von ganz Britannien machte, sahen die Leser das vorläufige Ende des beliebten grimmigen Haudraufs. Die mächtige Hexe Nimue riss dem großen Roten wortwörtlich das Herz aus der Brust und schickte ihn auf direktem Weg in die Hölle. Hellboy hat die Welt gerettet und landet zur Belohnung im Jenseits – Kacke, wie er gern zu sagen pflegt. Auch hier wartet bereits ein Thron sowie eine Armee der Finsternis auf ihn. Ein Schicksal, dem er zeit seines Lebens entfliehen wollte, und offenbar doch nicht entrinnen konnte. Außerdem wartet eine ungeliebte Familie (Brüder, Schwester und Onkel) im Höllenreich, die es auf den höllischen Thron abgesehen hat.

Hellboy durchstreift offenbar endlos die Weiten der Hölle, während ihm immer wieder auch wohlgesonnene Gefährten über den Weg laufen, wie Edward Grey, wenn auch in veränderter Gestalt. Doch das Ende des Weges ist erreicht und das letzte Kapitel in der Biografie von Hellboy geschrieben …

Unnachahmlich kunstvoll trägt Mignola sein Herzensprojekt zu Grabe. Der Band schwappt hier mit seinen künstlerischen, mythologischen und literarischen Anspielungen und Querverweisen über alle Ufer. Das epische Comicwerk um die Figur Hellboy findet ein metaphorisches, angemessenes Ende. Dabei hat der Retter der Menschheit seine größten Schlachten bereits geschlagen. Dies ist ein stiller Abgesang. Hellboy verlässt langsam sein altes Leben, während auch die Farben mehr und mehr verblassen. Das ursprünglich satte Rot weicht einem blassen Grau.

Fazit

Das „Hellboy Kompendium 4“ ist schlicht Kunst und Poesie. Die Hellboy-Legende findet ein atmosphärisch dicht inszeniertes Ende und bietet so viel zu entdecken, dass man diese große Storyline über das Ende und den Neuanfang immer wieder lesen kann. Absolute Pflichtlektüre.

Inhalt

Hellboy ist wieder schwer beschäftigt: Brutale Mythenwesen, Heldensagen … der Tod höchstselbst.

Das vierte Kompendium der Stories rund um den geliebten Boy aus der Hölle umfassen die glorreichen Kurzgeschichten-Sammelbände DIE TROLLHEXE, DER KRUMME, ABSTIEG ZUR HÖLLE und DIE TODESKARTE.

Hellboy trifft auf allerhand übersinnliche Kreaturen, die grausam und brutal ihr Unwesen in der Menschenwelt treiben. Er soll erfahren, ob er nun eigentlich Retter oder Zerstörer der Menschheit sein wird … stirbt und plagt sich dann auch noch mit anderem Ungemach in der Hölle ab.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Mike Mignola
(*16. September 1960 in Berkeley, Kalifornien, USA) ist ein Comicautor und -zeichner. Bekannt ist er vor allem durch seine Figur Hellboy.

(Quelle: Wikipedia)

Mike Mignola – Homepage | Mike Mignola – Facebook | Mike Mignola – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 04.12.2019
Seitenzahl: 656
ISBN: 978-3-959813-82-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)