Review

Neuer Name, gleiches Genre

Unter dem Pseudonym Hazel Frost veröffentlicht Autorin Katja Bohnet, vor allem bekannt für ihre Romane um das Ermittlerduo Rosa Lopez und Viktor Saizew vom LKA Berlin („Messertanz“, „Kerkerkind“ und „Krähentod“), nun den Thriller „Lost Shot“.

Der Name ist ein anderer, das Genre ist gleichgeblieben und mit ihm auch der gewohnte Schreibstil der Autorin. In kurz gehaltenen Kapiteln, zusammengesetzt aus angenehm kurz gefassten Sätzen, bringt Bohnet alias Hazel Frost auf 368 Seiten eine Familientragödie mit Rache-Motiv und Roadtrip-Flair zusammen, um daraus einen Thriller zu kreieren, der auch vor derben Szenen keinen Halt macht. Anschaulich serviert sie ihren Lesern Grausamkeiten und damit einhergehend (stets nachvollziehbare) Abgründe der menschlichen Seele.

Kurze Kapitel, kurze Sätze, kurze Lesezeit

Die Knappheit der Kapitel und Sätze verursacht eine ebenso kurze Lesezeit.
In ebenjener bekommen die Leser ausreichend Möglichkeiten, die einzelnen Figuren gut kennenzulernen. Gelungen ist dies sowohl durch eine solide Figurenausarbeitung als auch durch die den einzelnen Charakteren zugeschriebenen Abschnitte innerhalb eines Kapitels, in denen sie steckbriefartig beschrieben werden. Besagte Stellen integrieren sich hervorragend und ohne störend zu wirken in den Fluss der sonstigen Handlung.

Diese wiederum entwickelt sich spannend. Es gelingt Hazel Frost, die losen Enden eines jeden Gedankengangs und Handlungsstrangs letztendlich schlüssig miteinander zu verbinden und den Thriller mehr und mehr plausibel aufzulösen.

Potenzial genutzt

Auf Seite 349 äußert eine Figur: „Diese Geschichte besaß ungeahntes Potenzial“. Das beschreibt nicht nur die Situation, aus dessen Kontext der Satz hier als Zitat entrissen wurde, sondern trifft zudem auf den Roman „Lost Shot“ als solchen zu. Der Autorin gelingt es, ihre Ideen derart zu verschriftlichen, dass der Leser permanent am Ball bleiben möchte. Denn dem Sog der (oftmals subtilen) Spannung kann sich nur schwer entzogen werden. Das Potenzial ihrer damit ausgelebten Kreativität und der daraus resultierenden Geschichte hat Hazel Frost somit gut ausgeschöpft.

Hazel Frost (Copyright: Benedikt Ernst)

Finale: oho?!

„Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt erwartete niemand mehr, dass irgendetwas an dieser Geschichte glaubwürdig erschien.“. Ebenfalls eine auf Seite 353 geäußerte Bemerkung einer Figur. Und auch hier muss man dem Charakter (leider) recht geben, besieht man sich das Ende des Romans. Was vorher sehr authentisch und nachvollziehbar aufgebaut wurde, reißt der Abschluss wieder ein. Eher übertrieben und fadenscheinig wird das vormals aufgebaute Plot-Konstrukt in seiner Wirkweise teilweise ad absurdum geführt, zumindest aber in eine Art Happy End verpackt, das nicht so recht zum restlichen Verlauf passen möchte. An dieser Stelle treten mehr Fragen auf, als eigentlich bereits gelöst waren. Sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks, dennoch ein Abschluss, der geglückter bzw. „realistischer“ hätte ausfallen können.

Fazit

Sieht man vom Finale als kleinen Störfaktor einmal ab, beweist Katja Bohnet mit „Last Shot“, dass sie auch fern vom Team des LKA Berlin spannende Szenarien auszudenken vermag. Mit deutlicher Sprache, plastischem Detailreichtum und allerlei blutigen Sequenzen entfaltet sich ein Thriller, der Fans des Genres kurzweiligen Lesespaß bereiten wird.

Handlung

Der smarte Russe Dima war nur mal kurz für kleine Jungs. Als er zum Wagen seiner Familie zurückkehrt, sind sein Vater und seine Zwillingsschwestern tot – durch Kopfschüsse aus nächster Nähe eiskalt hingerichtet. Vom jüngsten Familienmitglied, der sechsjährigen Mathilda, fehlt jede Spur. Dima hat nicht die leiseste Ahnung, in welche illegalen Machenschaften seine Familie verwickelt war. Er weiß nur, dass er Mathilda finden muss – und den Mörder.
Eine gnadenlose wie halsbrecherische Verfolgungsjagd durchs bayrische Voralpenland beginnt, an deren Ende alles, was Dima noch geblieben ist, auf dem Spiel steht …

(Quelle: Droemer Knaur)

Autorin

Hazel Frost, Jahrgang 1971, studierte Anglistik und Philosophie, sortierte Wühltische in Kaufhäusern, verkaufte Paketreisen und Versicherungen. In Frankreich führte sie Meinungsumfragen durch, in den Vereinigten Staaten verschrieb sie sich dem Clogging, und in Deutschland moderierte sie eine Live-Sendung im Fernsehen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der hessischen Provinz.

(Quelle: Droemer Knaur)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.07.2019
Seitenzahl: 368
ISBN: 978-3-426-30642-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Droemer Knaur Verlag

Copyright Cover: Droemer Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde