Review

Gute Absichten

Der Gangsterboss Parker Robbins alias Hood wird immer mächtiger. Daher hat sich Hawkeye Clint Barton in den Kopf gesetzt, den dämonischen Kapuzen-Verbrecher hinter schwedische Gardinen zu bringen. Das gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, denn Hood steht unter dem Schutz von Wilson „Kingpin“ Fisk, dem neuen – korrupten – Bürgermeister von New York.

Doch wenn sich Barton etwas in den Kopf gesetzt hat, dann kann ihn keiner stoppen. Dabei geht seine Obsession schon bald zulasten seiner Beziehung mit Linda Carter alias Night Nurse, mit der er gegenwärtig liiert ist. Zu allem Überfluss taucht ein weiterer Verbrecherjäger in Clints altem Ronin-Outfit auf und macht ebenfalls Jagd auf Hood und seine Bande. Ehemalige Weggefährten wie Falcon und Winter Soldier („Falcon & Winter Soldier“) oder auch Luke Cage verdächtigen ganz unverhohlen Hawkeye, wieder in die Rolle des Ronin geschlüpft zu sein (Man denke an die Comics von Brian Michael Bendis oder auch an „Avengers: Endgame“). Als sich die Vorfälle häufen, muss sich Hawk auch vor Cap, Spider-Man und Daredevil rechtfertigen, während sein Privatleben immer weiter in Schieflage gerät.

Tolles Buch!

Autor Matthew Rosenberg hat erst kürzlich seinen brachialen und bisweilen überaus blutrünstigen Run am Punisher beendet („Punisher 1: Krieg gegen alle“, „Punisher 2: Krieg in Bagalia“, „Punisher 3: Freund oder Feind?“).

Und mit „Hawkeye: Held im freien Fall“ – bzw. im US-Original „Hawkeye: Freefall“ – zeigt er, dass er auch ganz andere Töne beherrscht. Zwar ist die Miniserie durchaus auch actiongeladen, gerät aber weit überwiegend erfrischend unterhaltsam und überraschend kurzweilig.

Leseprobe aus „Hawkeye: Held im freien Fall“. (Copyright: Panini Comics)

Dabei inszeniert Rosenberg seine charismatische Hauptfigur als leicht trotteligen und immer wieder verpeilten Helden, der zwar das Herz am rechten Fleck hat, sich jedoch stets mit Bravour in Schwierigkeiten manövriert. Besonders anschaulich gelingen diese Szenen in den Dialogen mit der attraktiven Freundin Linda Carter; aber auch in den unterhaltsamen Monologen von Barton.

Dass die Handlung an der einen oder anderen Stelle dann unnötig konstruiert wirkt, fällt gegenüber den erheblichen Vorteilen der Serie kaum ins Gewicht. Matthew Rosenberg wandelt hier im bestmöglichen Sinne auf den Spuren der ausgezeichneten „Hawkeye: Megaband“-Reihe von Matt Fraction und Jeff Lemire, die hierzulande in jüngerer Vergangenheit erschienen ist und durchaus visuelle und erzählerische Maßstäbe gesetzt hat.

Zeichner Otto Schmidt trägt zu diesem positiven Gesamteindruck maßgeblich bei, denn er beherrscht sowohl die rasante Highspeed-Action als auch die sympathische und witzige Art und schafft immer wieder eine lockere und typische Hawkeye-Atmosphäre. Das macht in Text und Bild schlicht und ergreifend jede Menge Spaß.

Fazit

Matthew Rosenberg empfiehlt sich hier nachhaltig und zeigt mit dieser tollen und abwechslungsreichen Miniserie, dass er über ein großes Repertoire verfügt. „Hawkeye: Held im freien Fall“ ist jedenfalls überraschend stark gelungen und sollte von den Marvel-Fans nicht links liegen gelassen werden.


Hawkeye: Held in freiem Fall: Bd. 1

Inhalt

Hawkeye Clint Barton erträgt es nicht mehr, dass der Gangsterboss Hood mit jedem Verbrechen davonkommt. Als jemand in Clints altem Ronin-Kostüm das Schwert schwingt und auf Hoods Organisation losgeht, fürchten Falcon und Winter Soldier, dass Hawkeye die Gerechtigkeit selbst in die Hand nimmt. Also mischen sie sich ebenso ein wie Spider-Man und Daredevil.

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 12.01.2021
Originalausgaben: Hawkeye: Freefall 1-6
Seitenzahl: 140
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)