Review

Neben Edgar Allan Poe ist Howard Phillips Lovecraft – oder schlicht H. P. Lovecraft – einer der bekanntesten Vertreter der modernen Horrorliteratur. Dessen gruselige, mysteriöse und faszinierende Erzählungen prägen Genre-Künstler wie Mike Mignola oder auch Alan Moore bis heute. Folglich gibt es auch unzählige Adaptionen und Darstellungen des Lovecraft’schen Werks.

Erst kürzlich erschien wieder eine Neuverfilmung von „Die Farbe aus dem All – Color Out of Space“ inszeniert von Richard Stanley, prominent besetzt mit Nicolas Cage – leider mehr ein bloßes Farbenspiel in pink denn ein neuer Klassiker des Horror-Genres.

Mit „H.P. Lovecrafts Die Farbe aus dem All“ wagt sich allerdings auch Mangaka Gou Tanabe an eine eigene Darstellung der phantastischen Erzählung. Ob sich die Manga-Ausgabe eher lohnt als die filmische Variante, verraten wir euch hier.

Die Angst vor dem Unbekannten

„Bevor ich meinen Fuß in dieses Tal setzte, um es für den Bau eines Staudamms zu vermessen, hatte ich gehört, dass es sich um verwunschene Erde handle. Ein Aberglaube, dachte ich, der sich noch aus der Zeit der Hexenverfolgung gehalten hatte.“

Auszug aus „H.P. Lovecrafts Die Farbe aus dem All“, Carlsen

Ein Vermessungsingenieur bekommt in einem kleinen Dorf eine unglaubliche Geschichte aus einer Zeit zu hören, die die Einheimischen lediglich die seltsamen Tage nennen.

Dereinst schlug ein Meteorit auf dem Grund und Boden des Farmers Nahum Gardner ein. Nachdem zunächst Forscher das Land, die Einschlagstelle und insbesondere das bisher unbekannte Mineral untersucht hatten, häuften sich auf dem abgelegenen Bauernhof mysteriöse und unerklärliche Ereignisse. Die Ernte wurde ungenießbar, das Vieh verendete und auch die Familie Gardner wurde krank. Seit dem Einschlag des seltsamen Meteorits suchte das Unglück das Haus des Farmers heim, und zusehends erschöpfte es auch seinen Geist. Eines Tages verschwand die geheimnisvolle Farbe aus dem All wieder in die Weiten des Universums und hinterließ nichts als Elend und Zerstörung – eine verfluchte Heide.

Gou Tanabe zeigt, wie es geht

Anders als die filmische Interpretation weiß der Manga zu „H.P. Lovecrafts Die Farbe aus dem All“ durchweg zu überzeugen.

Gou Tanabe gelingt es eindrucksvoll, die mysteriöse Erzählung mit treffsicherer Sprache und in packenden Bildern einzufangen. Gerade die für Lovecraft so typische Angst vor dem Unbekannten, Unkontrollierbaren und Bedrohlichen kommt hier hervorragend zur Geltung und gewährleistet den vom Leser erhofften wohligen Schauer. Der Meteorit und die mitgebrachte Farbe aus dem All sind eine existenzielle Bedrohung, die nicht greifbar ist und deren Ursache sich für die Figuren nicht ausmachen lässt. Der Mensch kann nicht alles steuern und beherrschen, insbesondere nicht, wenn eine Naturgewalt willkürlich zuschlägt. Diese Stimmungen und Gefühle transportiert die Manga-Ausgabe von Tanabe, der es noch dazu schafft, dass seine Farbe aus dem All – trotz Schwarzweiß-Zeichnungen – geradezu mysteriös durch das Buch wabert.

Fazit

Gou Tanabe präsentiert eine gekonnte Adaption der Erzählung des Meisters der Horrorliteratur. Wir sind schon jetzt ganz in Vorfreude auf die weiteren Lovecraft-Manga-Ausgaben, die in der Reihe von Tanabe noch erscheinen werden.

Inhalt

Der Bann des H.P. Lovecraft nimmt weiter seinen Lauf. Wie schon in der ersten Manga-Ausgabe „Der Hund und andere Geschichten“ werden die Leser durch Gou Tanabes klare Schwarzweiß-Zeichnungen in eine geheimnisvolle Story nah dem Horror gezogen: Als ein Landvermesser beim Bau eines Stausees ein mysteriöses Stück Land entdeckt, nimmt das Unheil seinen Lauf …

(Quelle: Carlsen)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 02.03.2020
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3-551-72294-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)