Review

Mit „H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten“ haben wir uns eine weitere der Manga-Adaptionen von Lovecraft-Erzählungen aus der Feder von Mangaka Gou Tanabe angeschaut. Im Gegensatz zum erst kürzlich gelesenen und rezensierten Band „H.P. Lovecrafts Die Farbe aus dem All“ handelt es sich vorliegend nicht um eine zusammenhängende Geschichte, sondern um einen Kurzgeschichten-Band. Umfasst ist die 1920 entstandene Horrorerzählung „Der Tempel“, wobei Tanabe die Geschichte vom Ersten in den Zweiten Weltkrieg verlagert; ferner die Geschichte „Der Hund“; und das Buch schließt schließlich mit der Horrorgeschichte „Stadt ohne Namen“.

Dabei gilt – wie zuletzt – das übergeordnete Thema:

Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst. Die älteste und stärkste Form der Angst ist die Angst vor dem Unbekannten.“

Howard Phillips Lovecraft

Grusel im Manga-Format

Zunächst lesen wir eine Geschichte über ein deutsches U-Boot zu Kriegszeiten. Nachdem eine Leiche angespült worden ist, erleichtert der deutsche Leutnant diese um eine Elfenbeinskulptur – das hätte er besser nicht getan. Nach und nach verfällt die Mannschaft dem Wahnsinn, bis der U-Bootkommandant dazu übergeht, Besatzungsmitglieder zu töten. Schließlich entdeckt der Korvettenkapitän auf dem Meeresgrund eine antike, versunkene Stadt: Die Quelle der Furcht seiner Mannschaft.

Es folgt eine Erzählung über zwei Studenten, die den Freuden des Lebens überdrüssig geworden sind. Freudige Erregung verschafft diesen morbiden Gesellen lediglich dämonische Philosophie sowie ihre große Leidenschaft: die Grabräuberei. Nach einem weiteren Beutezug werden die jungen Männer jedoch aus dem Grab heraus verfolgt, von einem unheimlichen und mysteriösen Hund.

Zuletzt folgt die Erzählung über einen jungen Archäologen, der in der heißen Wüste einen kühlen Wind feststellt. Dieser nähert sich von einem verfluchten Ort aus, der Stadt ohne Namen. Der junge Mann wagt sich dennoch in die Höhle vor, wo er insbesondere mumifizierte Kreaturen sowie Fresken und Reliefs aufspürt. Diese stammen offenkundig von einer nicht menschlichen Hochkultur. Sein Fund lässt ihn vor Ehrfurcht erzittern.

Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.“

Howard Phillips Lovecraft

Schaurig-schön

So geht es auch in „H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten“ wieder zu.

Leseprobe aus „H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten“, atmosphärisch in Szene gesetzt von Gou Tanabe. (Copyright: Carlsen)

Mangaka Gou Tanabe nimmt sich die klassischen Lovecraft-Erzählungen, macht sich diese zu eigen, sieht von deren bloßer Wiedergabe und Zitation ab und bringt – auch und insbesondere in visueller Hinsicht – besondere Grusel-Schmankerl hervor. Auch die hiesigen Kurzgeschichten verhandeln vor allem die Angst des Menschen vor dem Unbekannten und dem Mysteriösen.

Wo „Der Hund“ beispielsweise eine sehr klassische Gruselgeschichte ist, die weniger durch eine bahnbrechend originelle Handlung, als vielmehr durch eine stimmungsvolle Atmosphäre punktet, da ist vor allem „Stadt ohne Namen“ eine zeitlose Lovecraft-Erzählung, die noch etliche Genre-Künstler inspirieren sollte. Auch Lovecrafts eigener Kurzroman „Berge des Wahnsinns“, den Tanabe bereits adaptiert hat, ist von dieser Kurzgeschichte geprägt.

Die Schwarzweiß-Zeichnungen des Künstlers überzeugen wieder auf ganzer Linie und sorgen in Zusammenschau mit den Erzählungen für ein kurzweiliges und empfehlenswertes Lesevergnügen. Selbst wer mit dem Lovecraft-Werk in keiner Weise vertraut ist, wird hier feststellen, wie oft dieses in Literatur, Film und Fernsehen aufgegriffen und zitiert worden ist.

Fazit

Nach den ersten hervorragenden Manga-Adaptionen von Mangaka Gou Tanabe freuen wir uns ganz besonders auf „H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns“ und die nächste Gruseleinheit.

Inhalt

Ein deutsches U-Boot, das im II. Weltkrieg mitten im Atlantik einen Motorschaden erleidet, und dessen Besatzung seltsame Entdeckungen macht… Studenten, die sich für die Inhalte von Gräbern interessieren… Fans von H.P. Lovecraft kennen und lieben es, sich als Leser schleichend dem Unbehagen und dem Mysteriösen zu nähern, bis man sich dem Horror nicht mehr entziehen kann. Wie keinem zweiten gelingt es dem japanischen Mangaka Gou Tanabe, diesen in unglaublich detaillierten Schwarzweiß-Zeichnungen festzuhalten. Das vorliegende Buch enthält drei fesselnde Manga-Adaptionen von Lovecraft-Erzählungen und wurde 2018 für einen Eisner Award nominiert.

(Quelle: Carlsen)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 30.07.2019
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-551-72174-7
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)