Review

Mit „H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns 1“ liegt nunmehr die dritte Lovecraft’sche Manga-Adaption, in Szene gesetzt von Mangaka Gou Tanabe, vor. Zuvor haben wir uns bereits das eingängige und eindringliche Werk „Die Farbe aus dem All“ sowie unlängst den gruseligen und vielseitigen Kurzgeschichten-Band „Der Hund und andere Geschichten“ angeschaut, wobei in Letzterem bereits eine Antizipation auf Lovecrafts Steckenpferd, den Cthulhu-Mythos („Eine Studie in Smaragdgrün“), zu lesen war.

Eben dieser Mythos ist besonders prominent inszeniert in dem geheimnisvollen Kurzroman „Berge des Wahnsinns“, welchen sich Gou Tanabe für seine nächste Hommage und Liebeserklärung an einen der prägenden Autoren der Horror- und Schauerliteratur zur Brust genommen hat. Das Setting ist dabei die Antarktis, das ewige Eis.

Aufgrund der unerbittlichen Natur ist es bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Tabu, sich der Antarktis auch nur zu nähern.

Neue Transport- und Kommunikationsmittel erlauben es dem Menschen jedoch bald, in unerforschte Gebiete vorzudringen.

Nachrichten über Expeditionen werden zur spannenden Unterhaltung für das Volk, das jeder neuen Entdeckung entgegenfiebert.

Der unermüdliche Forscherdrang zieht die Pioniere stetig weiter gen Süden, bis sie schließlich in seine eisigen und ewig weißen Gefilde gelangen.“

(Quelle: „H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns 1“, Carlsen Manga)

Expedition in eine unbekannte Welt

Ein amerikanisches Forschungsteam der fiktiven Miskatonic-Universität bricht in die Antarktis auf, um diese unbekannte, lebensfeindliche und unerschlossene Welt zu erkunden. Bei der Ankunft sind die Teilnehmer der Mission voller Tatendrang und Enthusiasmus. Und schon bald wird der Forschungseifer auch belohnt. Mit einer Bohrvorrichtung stoßen die Wissenschaftler auf etwas, das zunächst Schiefergestein oder fossiles Gestein zu sein scheint, sich jedoch als organisches Material unbekannter Herkunft entpuppt. Einzelne Forscher brechen alleine auf, um die Ursprünge dieser – offenbar – hochentwickelten Lebensform weiter zu ergründen; unwissend, dass sie einem finsteren Schicksal entgegengehen.

Und am Horizont warten schwarze Berge inmitten der Antarktis, Berge des Wahnsinns.

At the Mountains of Madness

Lovecrafts Faszination vom Unbekannten, von fremdartigen Welten und Wesen strömt aus jeder Pore der Geschichte „Berge des Wahnsinns“. Dabei erschließt sich dem Leser die literarische, kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des Werks unmittelbar; ein Vorbild und Wegbereiter für unzählige Genre-Nachahmer aus den Bereichen Fantasy, Horror und Science-Fiction gleichermaßen.

Leseprobe aus „H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns 1“ von Gou Tanabe. (Copyright: Carlsen)

Man denke nur an den teuren Trash „Alien vs. Predator“, an den 80er-Klassiker „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder aus jüngster Vergangenheit an „Underwater – Es ist erwacht“. Allesamt nachdrücklich geprägt von einer Geschichte, die mit H. P. Lovecraft ein leidenschaftlicher Schriftsteller bereits im Jahre 1931 erdacht hat, und die erstmals im Jahre 1936 im Magazin Astounding Stories veröffentlicht worden ist. Nach wie vor eindrucksvolle Horrorliteratur, die dazu geeignet ist, den Leser in urtümliche Angst und in Schrecken zu versetzen.

Und alle Manga-Leser dürfen sich freuen, dass Zeichner Gou Tanabe nicht nur großer Bewunderer des bedeutenden Vertreters der Literatur der Angst, sondern seines Zeichens ein Virtuose seines Fachs ist. Der Künstler kleidet dieses wichtige Werk aus dem Cthulhu-Mythos rund um die „Alten“ bzw. die „Großen Alten“ in wahnsinnig detailbesessene und atmosphärische Bilder ein. Hier übertrifft Gou Tanabe sicherlich auch noch die beiden ohnehin schon großartigen Vorgänger.

Fazit

Wer sich für klassische Horrorliteratur interessiert, darf sich die Adaptionen aus der Feder von Gou Tanabe nicht entgehen lassen.

Wir blicken jedenfalls auch „Berge des Wahnsinns 2“ mit großer Erwartungshaltung und Vorfreude entgegen.

Inhalt

Auf dem Höhepunkt seiner Schaffensphase verfasste H. P. Lovecraft den Kurzroman „Berge des Wahnsinns“. Die Geschichte um eine Polarexpedition in die Antarktis ist von nahezu epischem Ausmaß und fesselt mit einer spielfilmartigen Dynamik: Als der Geologe William Dyer und seine Crew die Forschungen an Fossilien im ewigen Eis aufnehmen, geraten sie in eine bis dato unbekannte und ebenso unbeschreibliche Welt aus Bergen ungeahnter Höhe und Bewohnern nie entdeckter Spezies. Ein Lovecraft’sches Meisterwerk, atmosphärisch in Szene gesetzt von Gou Tanabe.

(Quelle: Carlsen)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 28.07.2020
Seitenzahl: 296
ISBN: 978-3-551-72456-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)