Review

„Wenn der Horror ins Möbelhaus einzieht“ … dann führt sich der Leser wohl gerade das Debüt „Horrorstör“ von Autor Grady Hendrix zu Gemüte, denn genau darum geht es in seinem als Thriller (nur unzureichend) deklarierten Roman.

Dieser erregt zunächst in Sachen Optik und Haptik die Aufmerksamkeit der Leser. Im Stile eines waschechten IKEA-Katalogs – und bis ins kleinste Detail an dessen Design angelehnt – weisen dezente Hinweise auf dem Cover und explizitere auf dem Buchrücken schon darauf hin, dass es sich bei „Horrorstör“ nicht um eine reine Werbemaßnahme einer Möbelkette handelt; vielmehr verspricht das Artwork Grusel und Spannung, gepaart mit satirisch-parodistischen Elementen, die sowohl den großen multinationalen Einrichtungskonzern als auch allzu genormte Arbeits- und Betriebsstrukturen auf die Schippe nehmen bzw. subtil kritisch hinterfragen.

Insbesondere in den integrierten Produktbeschreibungen, Lageplänen, Bestellscheinen und Firmenleitfäden – alles unumstrittene Hingucker – hätte diese Portion Parodie jedoch noch offensichtlicher und intensiver ihre Anwendung finden können. Denn einer der größten Kritikpunkte an „Horrorstör“ ist jener, dass Autor Grady Hendrix die Genres Thriller, Horror und Parodie zu vermischen versucht, die einzelnen Elemente ebenjener jedoch nur unzureichend ausreizt. So brodeln Witz, Schauer und Thrill zwar beim Lesen stetig vor sich hin, kommen aber nur selten zum Ausbruch.

Da helfen auch beispielsweise an Ekel grenzende Beschreibungen und Darstellungen von Verletzungen nichts, bleiben diese und die weiteren Stellen, die an den Genres auffälliger kratzen, doch lediglich Momentaufnahmen, bei denen versäumt wird, das gesamte Potenzial auszureizen.

Ein Grund für die fehlende stilistische „Tiefe“ kann die Kürze des Buches sein. Auf nur 276 Seiten bringt Grady Hendrix u.a. sowohl humorvolle Beschreibungen eines klischierten Arbeitsalltags als auch ausgeklügelte Charakterentwicklungen sowie eine Prise Spukhaus, „Ghostbusters“ und „Paranormal Activity“ unter. Viel Stoff, dem der Autor gerecht werden will und auch müsste, was letztlich allerdings nur mäßig gelingt.

Grady Hendrix (Copyright: privat / Grady Hendrix)

Grady Hendrix (Copyright: privat / Grady Hendrix)

Während Hendrix in der Figurenausarbeitung plausibel und glaubwürdig bleibt, hemmen häufige Wiederholungen der Gegebenheiten den Spannungsaufbau. Das Konzept von „Horrorstör“ ist eigentlich prädestiniert dafür, den Leser in den Sog der gruseligen Atmosphäre hineinzuziehen und ihn die Schrecken der beschriebenen Nacht mit den Charakteren mitfühlen zu lassen. Stattdessen liest man „Horrorstör“ recht unbeteiligt und blättert das Buch genau so durch, wie man es mit einem IKEA-Katalog wohl auch tun würde.

Wie so einige Möbelstücke diverser Großkonzerne sieht „Horrorstör“ oberflächlich betrachtet sehr gut aus, fällt aber nach „Gebrauch“ schnell in sich zusammen. Volle Punktzahl somit für die gesamte Aufmachung und die Idee hinter „Horrorstör“, aber eine nur durchschnittliche Wertung für die schriftstellerische Ausführung, die vor allem genretechnisch fokussierter hätte ausfallen können.

Inhalt

Im stilechten Look eines Möbelkatalogs führt „Horrorstör“ in die Untiefen eines ganz besonderen Spukhauses: des Möbelladens ORSK in Cleveland, wo die Angestellten Morgen für Morgen auf zerstörte Ware und Schmierereien an den Wänden treffen. In Ermangelung brauchbaren Materials von den Überwachungskameras werden drei Mitarbeiter dazu verdonnert, eine Nacht im ORSK-Store zu verbringen. Während sie einsam ihre Runden drehen, entwickelt der Laden mehr und mehr ein Eigenleben …

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Grady Hendrix ist ein Autor und Journalist, der für Variety, The New York Post und den Playboy geschrieben hat. Außerdem hat er einige Jahre an der Telefonhotline einer parapsychologischen Forschungsorganisation gearbeitet. „Horrorstör“ ist sein erster Roman.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Quality Paperback
Veröffentlichung: 01.09.2015
Seitenzahl: 276
ISBN: 978-3-426-51722-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde