Review

Wie man vielleicht bereits an der Aufmachung des Covers zum ersten Band von „Gotham Academy“ erkennen kann, handelt es sich hier nicht unbedingt um einen Vertreter der düsteren Seite der berühmt berüchtigten Stadt. Becky Coonan (u.a. Batman, Swamp Thing) und Brenden Fletcher (Batgirl) schicken die Leser in ihrer Serie auf einen – im Gegensatz zu vielen anderen Storys aus dem Bereich des dunklen Ritters – unbeschwerteren und bunteren Weg.

Bruce Wayne hat mit seinem Vermögen schon so einige Einrichtungen in Gotham City finanziell unterstützt und so auch die Gotham Academy. Aus seinen eigenen Worten erschließt sich, dass er selbst diese Akademie für einige Zeit besucht hat und deshalb Wert darauf legt, dass sie auch in Zukunft junge Menschen weiter prägt. Unter jenen befindet sich auch die Protagonistin Olive Silverlock – umnachtet von einem dunklen Geheimnis, einer etwas widerwilligen Art, aber gesegnet mit einem Feingespür für Geheimnisse. Und selbst die Gotham Academy scheint einige davon schon seit Jahren in sich zu tragen. Olives größter Dorn im Auge ist jedoch Batman selbst, dem sie ihren Hass von ganzem Herzen entgegen wirft.

Bei vielen Serien dient der erste Band zum Kennenlernen der Charaktere, damit der Leser schon mal einen kleinen Überblick über ihre Eigenschaften und Eigenarten erhält oder vielleicht sogar schon die tieferen Schichten einer Figur erkunden kann. So auch bei „Gotham Academy“, wobei hier fast alle möglichen Klischees eines Teenie-Daseins in einer Bildungseinrichtung abgegrast werden, die es gibt. Man muss nicht viel des aktuellen Videospiels „Life Is Strange“ gespielt haben, um eine Menge der Rollen zu erahnen, in die Olive und Co. hineingedrückt werden. Sie selbst ist die Zurückhaltende mit einer mal mehr und mal weniger prägnanten Außenseiter-Attitüde, an ihren Fersen hängt die hyperaktive Maps und dazu kommt noch eine „Rivalin“, mit der sie (oh Überraschung) dann doch noch freundschaftliche Bande knüpft. Lediglich ihre Abneigung Batman gegenüber eröffnet dem Plot ein paar interessante Türen.

Das alles kombiniert man mit ein paar „hippen“ und „coolen“ Sprüchen sowie einer Romanze, die durch Olives Sommer ins Kippen geraten ist, wovon sie die ersten Kapitel ständig – mit den obligatorisch abbrechenden Monologen, bevor sie sich die Ereignisse zu dieser Zeit in den Kopf ruft – erzählt. Ein Glück, dass wir in Deutschland einen Sammelband der Reihe haben, sonst müssten wir wie in Amerika erst drei Ausgaben warten, bis wir erfahren, was Olive so beeinflusst hat, dass sie an allen Ecken ein Drama öffnen muss. Kurzum, „Gotham Academy“ kommt auf den ersten Seiten wie eine zweitklassige Teenager-Komödie/Tragödie rüber.

Natürlich gehen Fletcher und Cloonan bewusst in diese Richtung, denn an sich soll die Story nichts von dem düsteren Flair mit sich bringen, sondern in erster Linie frisch und jung wirken. Dabei kann man nicht bestreiten, dass man zu vielen der Charaktere etwas Sympathie empfindet oder auch mal über die eine oder andere Szene lacht. Ab einem bestimmten Punkt fühlt sich „Gotham Academy“ außerdem wie ein typischer Detective Comic an, wozu die einzelnen Cover der Ausgaben eins bis sechs übrigens passende Vorlagen geben.

Für Olive läuft es dieses Jahr auf der Gotham Academy alles andere als rund (Copyright: Panini Verlag)

Für Olive läuft es dieses Jahr auf der Gotham Academy alles andere als rund (Copyright: Panini Verlag)

Trotzdem kann man sagen, dass der Comic ab der zweiten Hälfte die Stimmung deutlich umschwappen lässt und etwas von dem Gotham-Feeling freilässt. Spätestens dann wirft man den Schulalltag von sich ab und schlägt ernstere Töne an.

Den jugendlichen Touch bekommt „Gotham Academy“ auch durch seine Zeichnungen, mit denen man immer stets bemüht ist, etwas Farbe in den Kontext zu bringen. Wenn es darum geht, Gefühle im Leser aufkommen zu lassen, wird zudem mit der entsprechenden Farbpalette gearbeitet. Auch ist in den Zeichnungen von Mingjue Helen Chen ein Hauch Asiatisches erkennbar, was den Intentionen der Zeichnungen zu keinem Zeitpunkt schadet. Immerhin hat die Akademie etwas Gotisches an sich, was sich trotzdem dem traditionell bewussten und gleichzeitig industriellen Gotham City anpasst. Es mag weit hergeholt klingen, aber entfernt erinnert der Comic von der ganzen Aufmachung her an die Serie „The Batman“, welche hierzulande um 2005 ausgestrahlt wurde. Zudem gibt es ein paar Referenzen und Parallelen zum Batman-Universum.

Ob man nun auf die Ansätze von „Gotham Academy“ anspringt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen und soll an dieser Stelle nicht allzu stark in die Bewertung einfließen, immerhin bekommt man in dieser neuen Serie zu Beginn nichts, was nicht schon in zig anderen Storys oder Filmen bereits thematisiert wurde. Die zweite Hälfte und die ansprechenden Zeichnungen zeugen jedoch von einem gewissen Potenzial. Auch von der gesamten Umsetzung her lässt sich der erste Band flüssig lesen. Man macht also hiermit nichts falsch, sollte man vielleicht doch mal einen Blick riskieren wollen.

Inhalt

Start der neuen Serie, die mit dem Batman-Mythos und der Historie Gothams spielt.

An der von Bruce Wayne finanzierten Privatschule Gotham Academy warten nicht nur romantische Verstrickungen, sondern auch gefährliche Geheimnisse! Sogar der eine oder andere Superschurke schleicht auf dem Schulgelände herum, und das ruft den Dunklen Ritter auf den Plan …

Gotham Citys geheimnisvolle Schule – die etwas andere Serie aus Batmans Welt.

(Quelle: Panini Comics)

Autoren

Becky Cloonan ist eine amerikanische Comic Autorin, deren Arbeiten bereits bei Tokyopop und Vertigo veröffentlicht wurden.

(Quelle: Wikipedia)

Becky Cloonan – Blog

Brenden Fletcher
Brenden Fletcher – Homepage
Brenden Fletcher – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 10.05.2016
Originalausgaben: Gotham Academy 1-6
Seitenzahl: 132
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics / DC Comics

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Christopher