Review

Mit Hochdruck versorgt uns der begnadete Jeff Lemire („Berserker Unbound“, „Black Hammer ’45“) weiterhin mit großartigen Lesestöffchen. Der neueste Streich ist nunmehr „Gideon Falls 3: Der Kreuzweg“ (zuvor: „Gideon Falls 1: Die Schwarze Scheune“ & „Gideon Falls 2: Erbsünden“).

Gemeinsam mit den brillanten Künstlern Andrea Sorrentino und Dave Stewart präsentiert Lemire eine ebenso düstere wie fesselnde Mystery-Horror-Geschichte, die es dem Leser geradezu unerträglich macht, auf das jeweils nächste Buch warten zu müssen.

Es wird noch verrückter

Nach den durchaus komplexen Vorgängern dachte der eine oder andere womöglich, es käme langsam Licht ins Dunkel von Gideon Falls – doch weit gefehlt! Zunächst tappen wir wohl noch etwas im Dunkeln.

Wir lernen Pater Jeremiah Burke kennen. Dieser trifft im Jahre 1886 in einer Scheune auf einen blutrünstigen Killer, der offenbar auf den Namen Norton Sinclair hört. Ein Namensvetter unseres schrulligen Großstadt-Einzelgängers Norton?

Wie dem auch sei, Pater Burke verfolgt den Mörder anschließend durch Raum und Zeit. Um nicht komplett die Orientierung zu verlieren, legt der Geistliche eine Karte an. In einer dieser Zeitebenen lernt er eine Art Sekte kennen, die ihm mitteilt, dass es wohl verschiedene Versionen von Gideon Falls gibt. Die Schwarze Scheune dient in diesem Zusammenhang scheinbar als eine Art Dimensionstor und auch Vater Fred nimmt anscheinend eine besondere Bedeutung in diesem Spiel ein.

Wenn Gideon Falls-Polizistin Clara zum Ende der Ausgabe hin unserem Protagonisten-Norton offenbart, er sei ihr dereinst verschollener Bruder Daniel Sutton, dann, ja dann ist die Verwirrung perfekt.

Bewertung

Auch die dritte Auskopplung, die die US-Hefte #12-16 umfasst, hält spielerisch das hohe Niveau der Reihe.

„Gideon Falls 3: Der Kreuzweg“ bietet immer wieder auch finstere Schauwerte. (Copyright: Splitter Verlag)

„Gideon Falls“ besticht durch eine atmosphärisch dichte Inszenierung, düstere, bisweilen kunstvoll komponierte Bilder und wohldosierte blutige Schauermomente.

Dabei brilliert der Comic nicht nur durch seine starken optischen Schauwerte, sondern auch durch die Komplexität seiner Handlung. Der komplexe Plot fordert indessen auch einen aufmerksamen Leser, der auch nach ein paar Ausgaben noch weiß, was bislang geschehen ist.

Andererseits muss man bedenken, dass wir hier von einer verständlichen Auflösung der Geschichte noch ein gutes Stück entfernt sind. Dieser Aspekt steht zumindest noch der Vergabe der Höchstpunktzahl im Wege. TV-Serien wie „Lost“ oder „Game of Thrones“ haben uns gelehrt, dass nicht immer (nur) der Weg das Ziel ist, sondern dass auch das Ziel ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist.

Bislang ist die Geschichte in erzählerischer und visueller Hinsicht jedoch eine Meisterleistung, und so hoffen wir natürlich auch auf ein entsprechendes Ende.

Fazit

Eine Geschichte von Wahn und Wirklichkeit, die Mystery und Horror zu einem wunderbaren Genre-Leckerbissen verbindet.

Inhalt

Eine unheilvolle Legende verknüpft das Schicksal zweier Männer: der Einzelgänger Norton, der den Müll der Großstadt durchwühlt auf der Suche nach Spuren einer Verschwörung, die er sich vielleicht nur einbildet, und Vater Fred, ein alternder Priester, dem sich in der ländlichen Gemeinde, die er gerade übernommen hat, schreckliche Geheimnisse offenbaren. Es ist der Mythos der Schwarzen Scheune, einem Ort des Grauens, der in der Vergangenheit sowohl in der Metropole als auch in der Kleinstadt erschienen ist. Und wo die Scheune auftaucht, da sät sie Tod und Wahnsinn …

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage | Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 30.04.2020
Seitenzahl: 136
ISBN: 978-3-96219-288-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)