Review

Der Mythos der Schwarzen Scheune

Mit seiner neuen Horror-Mysteryserie „Gideon Falls“ hat der begnadete Autor Jeff Lemire das nächste heiße Eisen im Feuer.

Im Gegensatz zu seiner mit Referenzen gespickten Hommage an die großen Superhelden der Comic-Geschichte, „Black Hammer“, geht es in dieser mysteriösen Gruselgeschichte erheblich düsterer und beklemmender zu.
Als verbindendes Element beider Serien kann allerdings das Setting der geheimnisumwobenen Kleinstadt herausgestellt werden. Schauplatz der rätselhaften Geschehnisse ist vorliegend das Städtchen Gideon Falls, in dem kürzlich der alternde Priester Fred seinen Dienst angetreten hat. Noch mitten in der Eingewöhnungszeit wird der Prediger mit der düsteren Vergangenheit des Provinznests und insbesondere dem Mythos der Schwarzen Scheune konfrontiert. In der Großstadt ist hingegen auch der Einzelgänger Norton Sinclair mit der Suche nach diesem Ort des Grauens befasst.

In „Gideon Falls 2: Erbsünden“ sollen sich die Wege der beiden Männer nunmehr kreuzen, während Jeff Lemire daran arbeitet, den Leser immer tiefer in den Kaninchenbau zu führen und bereits etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Der lachende Mann und ein Mörder 

Im Auftakt-Band haben wir Norton als einen getriebenen jungen Mann kennengelernt, der geradezu besessen den Müll der Großstadt auf der Suche nach Spuren einer ominösen Schwarzen Scheune durchwühlt. Diese soll das Tor in eine düstere Welt sein. Trotz der Abstrusität seiner Geschichte ist schon bald auch seine Therapeutin von der Existenz dieses surrealen Ortes überzeugt, und gewillt, ihren Patienten in seiner Obsession zu unterstützen. Ihre Rolle als Skeptikerin konnte sie nur so lange halten, bis sie selbst mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert wurde. Ihre Unterstützung geht mittlerweile so weit, dass sie Norton aus einer geschlossenen Anstalt befreit.

Übernatürliche Ereignisse und schreckliche Geheimnisse haben sich auch Priester Wilfred und Polizistin Clara in Gideon Falls offenbart. Das Vergangene erscheint dem Mann des Glaubens wie ein düsterer Traum, dessen Einzelheiten mehr und mehr verblassen. Im Zuge ihrer Untersuchungen stößt Vater Fred auf einen Namen, der in der Geschichte der Kleinstadt tiefe Spuren hinterlassen hat: Norton Sinclair. Der Mann dieses Namens war nicht nur ein gesuchter Mörder, sondern der erste Mörder der Stadt. Nach dessen Ableben tauchte die Schwarze Scheune das erste Mal auf.

Kann es ein Zufall sein, dass dieser berüchtigte Verbrecher der Namensvetter des uns bekannten Einzelgängers und Wiedererbauers der Scheune ist? Und was hat es mit dem mysteriösen lachenden Mann auf sich, der Norton immer wieder heimsucht? Die kommenden Ausgaben werden über diese und noch weitere Fragen sicherlich noch Aufschluss bieten.

Würdigung

Autor Jeff Lemire lüftet in der zweiten Ausgabe erste Geheimnisse, die im Zusammenhang mit der unheilvollen Legende der Schwarzen Scheune stehen. Dabei hält er sich bedeckt genug, um die Kleinstadt-Geschichte nicht ihrer Mystik und Faszination zu berauben. Im Fokus steht weiterhin – als eindeutige Handschrift – die sorgfältig aufgebaute Spannung. Gewaltdarstellungen oder Schockeffekte interessieren Lemire dagegen weniger.

Leseprobe aus „Gideon Falls 2: Erbsünden“ von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino. (Copyright: Splitter Verlag)

Über die fesselnde Atmosphäre und die tiefgründige, geheimnisvolle Story hinaus kann „Gideon Falls“ mit starken und greifbaren Figuren aufwarten. Insbesondere die Beziehung zwischen dem ramponierten Ex-Alkoholiker und Wander-Priester Fred und der Kleinstadt-Polizistin Clara vermag durch natürlich geschriebene Dialoge und eine gelungene Beziehungsdynamik zu überzeugen.

Über Rückblenden generiert Lemire zudem zusätzliche Spannung im Hinblick auf Einzelgänger Norton, dessen Vergangenheit offenbar im Zusammenhang mit dem Kaff Gideon Falls steht.

Die beklemmende Atmosphäre wird abermals grandios von Zeichner Andrea Sorrentino und seiner düster-atmosphärischen Bildsprache eingefangen.

Fazit

„Gideon Falls“ bietet auch nach nunmehr 11 gesammelten US-Ausgaben packende Mystery-/Horror-Unterhaltung. Lemire und Sorrentino bauen behutsam Spannung und eine eigene, düstere Atmosphäre auf und nehmen sich vor allem ausreichend Zeit, ihre Charaktere angemessen zu etablieren.

Es bleibt spannend zu erfahren, wie sich der Mythos der Schwarzen Scheune noch weiterentwickelt und wie das Aufeinandertreffen der Großstadt- und Kleinstadt-Helden der Geschichte verlaufen wird.

Comictrailer

Inhalt

Eine unheilvolle Legende verknüpft das Schicksal zweier Männer: der Einzelgänger Norton, der den Müll der Großstadt durchwühlt auf der Suche nach Spuren einer Verschwörung, die er sich vielleicht nur einbildet, und Vater Fred, ein alternder Priester, dem sich in der ländlichen Gemeinde, die er gerade übernommen hat, schreckliche Geheimnisse offenbaren. Es ist der Mythos der Schwarzen Scheune, einem Ort des Grauens, der in der Vergangenheit sowohl in der Metropole als auch in der Kleinstadt erschienen ist. Und wo die Scheune auftaucht, da sät sie Tod und Wahnsinn …

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage | Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 23.08.2019
Seitenzahl: 136
ISBN: 978-3-96219-285-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)