Review

Tausendsassa Jeff Lemire

Der kanadische Comic-Spezialist Jeff Lemire hat in jüngster Vergangenheit vor allem mit seinen hervorragenden Beiträgen zum Genre der Superhelden-Comics von sich Reden gemacht. Ob nun seine Episoden über Marvels Kino-Bösewicht aus den MCU-Filmen, den machthungrigen, wahnsinnigen Titan Thanos („Thanos Megaband 1: Tödlicher Titan“) oder sein rasant wachsendes „Hammerverse“ („Black Hammer 1: Vergessene Helden“, „Black Hammer 3: Age of Doom Buch 1“, „Black Hammer: Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels“, „Black Hammer: Doctor Star & das Reich der verlorenen Hoffnung“, „Black Hammer: Quantum Age“), Lemire liefert einen Hit nach dem anderen ab.

Nun präsentiert der Splitter Verlag den Comic-Liebhabern hierzulande mit „Gideon Falls 1: Die Schwarze Scheune“ („The Black Barn“) das nächste Machwerk aus der Gedankenwelt des Könners. Abseits vom Superhelden-Geschehen wagt sich Jeff Lemire vorliegend an einen spannenden Mystery-Horror-Thriller-Genremix.

Visuell in Szene gesetzt wird das Ganze vom begnadeten Zeichner Andrea Sorrentino, der mit dem Autor bereits die neuen Abenteuer rund um „Old Man Logan“ verwirklicht hat, sowie dem großartigen Koloristen Dave Stewart („The Magic Order 1“, „Geschichten aus dem Hellboy-Universum: B.U.A.P. – Die Froschplage 1“).

Mysteriöse Todesfälle und der Mythos der Schwarzen Scheune

Wie ein manisch Getriebener sucht der junge Sonderling Norton die städtischen Müllkippen nach schwarzen Holzsplittern oder auch Schrauben ab. Diese katalogisiert und archiviert er anschließend sorgfältig in seinem beengten Apartment. Wegen seiner Obsession befindet sich der junge Mann in psychologischer Betreuung und an der Schwelle zur Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Doch Norton ist sich sicher, dass seine Suche nicht beliebig oder belanglos ist. Der Abfall der Großstadt zeige ihm Dinge, die zu einem großen Ganzen gehören. Allerdings scheint auch die Finsternis immer näher zu kommen, je mehr Gegenstände der Eigenbrötler auftut.

Parallel wird Pater Wilfred, ein alternder Priester, in die Kleinstadt Gideon Falls versetzt, nachdem sein Vorgänger, der 30 Jahre vor Ort im Amt war, kürzlich verstorben ist. Father Fred ist nicht begeistert von seiner neuen Aufgabe. Alles wird jedoch erst richtig schlimm, als ihm sein – vermeintlich – toter Vorgänger erscheint und er im Feld eine unheimliche Schwarze Scheune entdeckt.

Die Legende der Schwarzen Scheune ist im Dorf nicht unbekannt. Ganz im Gegenteil, um diese hat sich vielmehr ein ganzer Kult gebildet. Die schlimmsten Momente in der Geschichte von Gideon Falls stünden immer im Zusammenhang mit dieser mysteriösen, dunklen Baracke.

Der Mythos der Schwarzen Scheune könnte die Schicksale von Norton und Vater Fred noch unerwartet zusammenführen …

Exzellente Genre-Unterhaltung

Mit dem Auftakt zu „Gideon Falls“ serviert Autor Jeff Lemire den nächsten Hit und einen schmackhaften Genre-Leckerbissen.

Einzelgänger Norton durchwühlt den Müll der Großstadt und droht, den Verstand zu verlieren.
(Copyright: Splitter Verlag)

Die Geschichte um die mysteriöse Schwarze Scheune ist bislang eine gekonnte Mischung aus Mystery, Horror und Thriller und zieht den Leser mit seinem Grenzgang zwischen Wahn und Wirklichkeit in seinen Bann.

Von Anfang an baut Lemire eine bedrohliche Stimmung auf und lässt den Leser zunächst im Ungewissen, wem und vor allem was er hier glauben soll.
Längen wollen keine aufkommen, stattdessen entfaltet die Story eine regelrechte Sogwirkung, die einen packt und fesselt.

Liebhabern des Horror-Genres gegenüber sei der Hinweis erlaubt, dass Lemire einem behutsam aufgebauten Spannungsbogen den Vorzug vor expliziten Gewaltszenen oder Schockeffekten einräumt, die lediglich vereinzelt eingestreut werden.

Die atmosphärisch dichte Inszenierung wird akzentuiert durch die atmosphärische Bildsprache der Künstler Andrea Sorrentino und Dave Stewart, die das Gefühl der Unsicherheit, der Finsternis und des Grusels in ihrem tadellosen Artwork aufgreifen.

Fazit

Jeff Lemire scheint gegenwärtig unfehlbar zu sein. Auch „Gideon Falls“ weiß nach Band 1 auf ganzer Linie zu überzeugen und bietet dem geneigten Horror-/Mystery-Freund stimmungsvolle, düstere Erwachsenenunterhaltung, die noch dazu künstlerisch perfekt in Szene gesetzt ist. Gerne mehr davon!

 

Inhalt

Ausgezeichnet mit dem Eisner-Award 2019 als „beste neue Serie“!

Eine unheilvolle Legende verknüpft das Schicksal zweier Männer: der Einzelgänger Norton, der den Müll der Großstadt durchwühlt auf der Suche nach Spuren einer Verschwörung, die er sich vielleicht nur einbildet, und Vater Fred, ein alternder Priester, dem sich in der ländlichen Gemeinde, die er gerade übernommen hat, schreckliche Geheimnisse offenbaren. Es ist der Mythos der Schwarzen Scheune, einem Ort des Grauens, der in der Vergangenheit sowohl in der Metropole als auch in der Kleinstadt erschienen ist. Und wo die Scheune auftaucht, da sät sie Tod und Wahnsinn …

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jeff Lemire
(*21. März 1976) ist ein kanadischer Comicautor und Autor.
Lemire ist bekannt für seine launischen, humanistischen Geschichten und seinen skizzenhaften, filmischen Schwarzweiß-Zeichenstil.

(Quelle: Wikipedia)

Jeff Lemire – Homepage | Jeff Lemire – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 22.05.2019
Seitenzahl: 160 inkl. Bonusmaterial
ISBN: 978-3-96219-284-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)