Review

Eine Novelle scheint das optimale Stück Literatur zu sein, um seinen Inhalt in Panel-Form zwischen zwei Buchdeckeln zu pressen. Stammt besagte Novelle auch noch von einem Starautor (und Comic-Fan himself) wie George R. R. Martin, scheint der Erfolg beinah vorprogrammiert. Doch bevor jetzt alle „Game of Thrones“-Fans aufjubeln ‑ „Im Haus des Wurms“, adaptiert von John Jos. Miller, stammt aus der Schaffenszeit vor der großen Fantasy-Saga.

Wer also bei der vorliegenden Story nun an komplexe Handlungen, dutzende Charaktere und Drachen denkt, wird enttäuscht feststellen, dass das „Haus des Wurms“ kein vergessenes Königsgeschlecht aus Westeros ist, sondern ein religiöser Kult auf einem sterbenden Planeten.

Vor dem Angesicht einer sterbenden Sonne zog sich die Menschheit unter die Erde zurück. Fortan leben zwei Völker ‑ die Kinder des Wurms und die missgestalteten Grouns ‑ gegen- und voneinander, denn weil reine Pilz- und Insektenmahlzeiten wohl nicht genug sind, verspeisen sich beide Völker gegenseitig.

Während sich die Menschheit in einem wirren, brutalen Überlebenskampf langsam zugrunde feiert, prahlt Protagonist und Schönling Annelyn vor seinen Kumpanen mit seiner neusten Eroberung, der Pilzbauerntochter Caralee. Diese will er zur „Sonn-Masque“ ausführen, bei der die sterbende Sonne enthüllt und der Menschwurm gepriesen wird. Als sein Verführungsplan jedoch von dem grobschlächtigen Fleischbringer durchkreuzt wird und seine Angebetete lieber mit ihm die Nacht verbringt, sinnt er auf Rache.

Auch wenn hier Riesenwürmer, Kannibalismus und Mutationen geschickt verwoben werden, lässt sich die Richtung der Erzählung sicherlich auf diesen (etwas fehlgeleiteten) Rachegedanken zurückführen. Dabei spart Martin nicht an kreativen Ideen, die genug Potenzial für einige Fortsetzungen böten.

Allerdings lassen sich auch so knappe Texte wie Novellen nicht eins zu eins in einem Comic umsetzen. Für die Adaption erwies sich Miller sicher als gute Wahl, denn beide Autoren arbeiteten bereits an anderen Projekten zusammen. Die Qualität der Umsetzung sollte also stimmen, wobei diese Beurteilung natürlich denen vorbehalten ist, die das Original gelesen haben.

Insgesamt muss sich der Leser mit knappen Informationen begnügen. Diese sind am Ende jedoch auf eine faszinierende, beängstigende und manchmal auch eklige Weise verbunden, dass bis zur letzten Seite Lesevergnügen herrscht ‑ zumindest, wenn man sich auf diese Art der Erzählung einlassen kann.

Während sich die Story hier noch erfolgreich schlägt, enttäuscht der Comic bei der Optik. Obwohl Ivan Rodriguez einige Erfahrungen mitbringt, schwankt die Qualität zwischen den einzelnen Panels doch ganz schön. Manchmal sind die Menschen sehr realistisch dargestellt, an anderer Stelle hingegen maximal skizzenhaft. Augenweiden sehen definitiv anders aus. Einzig die Hintergründe bleiben auf konstant schönem Niveau ‑ wer hätte gedacht, dass dunkle Höhlen so hübsch sein können?

Unter dem Strich bleibt hier eine tolle literarische Vorlage, die Elemente von Fantasy mit Horror und Dystopie gekonnt vermischt und auch in der Adaption weitgehend überzeugen kann. Nur die Optik bleibt dahinter zurück. Hier werden die George R. R. Martin-Fans sicherlich auf ihre Kosten kommen, wer aber nur wegen „Game of Thrones“ zugreifen würde, lässt hier lieber die Finger davon.

Handlung

Im Untergrund eines vergessenen Planeten hat sich eine fremdartige, dekadente Kultur entwickelt. In den Höhlen und Tunneln, die von schrecklichen Kreaturen bewohnt werden, gerät Annelyn mit dem brutalen Jäger Fleischbringer aneinander und entdeckt die tödliche Wahrheit über eine Legende.

Nach einer außergewöhnlichen Novelle von George R. R. Martin!
Finstere Fantasy vom Autor von „Game of Thrones“!

(Quelle: Panini Comics)

Autor

George R. R. Martin

George Raymond Richard Martin wurde 1948 in New Jersey geboren. Sein Bestseller-Epos Das Lied von Eis und Feuer wurde als die vielfach ausgezeichnete Fernsehserie Game of Thrones verfilmt. George R.R. Martin wurde u. a. sechsmal der Hugo Award, zweimal der Nebula Award, dreimal der World Fantasy Award (u.a. für sein Lebenswerk und besondere Verdienste um die Fantasy) und dreimal der Locus Poll Award verliehen. 2013 errang er den ersten Platz beim Deutschen Phantastik Preis für den Besten Internationalen Roman. Er lebt heute mit seiner Frau in New Mexico.

(Quelle: Penhaligon)

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John Jos. Miller
ist ein Science Fiction-Autor, der durch seine Arbeit am „Wild Cards“-Universum bekannt wurde.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 22.09.2015
Seitenzahl: 108
ISBN: 978-3-95798-518-7
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer