Review

Seit 1996 der erste Band „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin erschien, folgten nicht nur insgesamt 5216 Seiten Lesestoff, Comicbücher, Computerspiele, fünf Novellen und seit 2011 eine an die Bücher angelehnte Serie mit mittlerweile 40 auf Deutsch erschienenen Episoden, es folgte auch eine wachsende Fanschar, die im Laufe der Zeit mehr als 1000 Charaktere und Orte besuchte.
Über den langen Zeitraum (und schließlich werden wir auf die letzten zwei Bände auch noch einige Zeit warten müssen!) und wegen der Detailverliebtheit Martins, die man entweder liebt oder hasst, kann man durchaus im Namenswirrwarr mal den Überblick verlieren …
Doch der Großmeister der epochalen Erzählung greift uns endlich ein wenig unter die Arme!

Zusammen mit Elio M. García Jr., Linda Antonsson und 27 talentierten Künstlern hat er auf über 300 großformatigen Seiten eine Art Kompendium, einen Schlüssel zur Welt von Eis und Feuer erstellt.

„Westeros. Die Welt von Eis und Feuer“ präsentiert sich dabei zunächst als Bildband: Stilistisch bewegt sich die Darstellung dabei weg von den Graphic Novels hin zu einem realistischeren Stil, der an die Epoche der Romantik im 18. Jahrhundert erinnert. Einige Bilder könnten von Caspar David Friedrich persönlich gemalt sein!

Soweit Charaktere oder Orte bereits in der HBO-Serie „Game of Thrones“ dargestellt wurden, orientiert sich die Darstellung an dieser Interpretation (die, wie Fans wissen, zum Teil von den Buchbeschreibungen abweichen kann). Sollten Orte so noch nicht vorgekommen sein, finden die Künstler eine eigene Variante, die sich atmosphärisch und organisch einfügt. Gar nicht so leicht, wenn man bedenkt, dass es auf der einen Seite bereits durch die Serie einen vorgeprägten Stil gibt und zudem hier mehr als zwei Dutzend Illustratoren zusammenarbeiten mussten. Trotz dieser Vielfalt ist der Band jedoch optisch wie aus einem Guss.
Schon als Bildband macht „Westeros“ also eine Menge her.

Nun, Bilder kann man sich ansehen, aber man muss auch nicht. Warum gehört dieser Band trotzdem in jede Fansammlung – egal ob Serienjunkie, Buchfreund oder auch Zocker?
Ganz einfach: Umfangreiches Kartenmaterial, Stammbäume, ein Personenregister, Erklärungen zu den 7 Königslanden und zugehörigen Häusern sowie eine Chronik der Besiedlung von Westeros bieten dem Fanherz Hintergrundwissen deluxe.

Ein Blick ins Buch. (Copyright: Penhaligon)

Ein Blick ins Buch. (Copyright: Penhaligon)

Nicht als trockene Aneinanderreihung von Fakten zeigt sich diese Sammlung dabei, sondern als „Buch im Buch“: Der bisher noch nicht in Erscheinung getretene Maester Yandel (noch ein neuer Charakter …) beginnt die Arbeit an dieser Sammlung, unter König Robert Baratheons Herrschaft, ihm und seinen Erben ist die Übersicht gewidmet. Gleichzeitig soll irgendwann auch das einfache Volk von seiner Arbeit profitieren, daher begrenzt Yandel seine Geschichte auf Westeros auf die wesentlichen historischen Begebenheiten. Als Start dient „Die Geschichte des Altertums“ bis er dann über „Die Herrschaft der Drachen“ hin zu „Die glorreiche Herrschaft“ den Bogen zur Gegenwart schlägt.
So erklären sich zum Beispiel aus diesem gut ein Drittel des Buches umfassenden historischen Abriss die Titel, die der Herrscher des Eisernen Thrones trägt. Aber nicht nur die Geschichte von Westeros wird in Detailreichtum wiedergegeben, daneben verstecken sich kleine nette Hinweise: So erfährt der Leser beispielsweise endlich etwas über das Leben der Heldin Nymeria, nach der Arya Stark ihren Schattenwolf benannt hat. Oder welche Taten zu König Roberts Rebellion führen sollten. Oder wie jeder einzelne bekannte Targaryen Drache heißt. Wer welche unehelichen Kinder zeugte … und so weiter und so fort.

Natürlich können auf etwas mehr als 300 Seiten nicht alle Details aufgerollt werden, dennoch werden hier einige Lücken geschlossen und Hintergründe deutlich. Dabei ist das Gesamtwerk so unterhaltsam geschrieben, dass es sich nicht nur als Nachschlagewerk nutzen, sondern wie ein Roman lesen lässt.

Nur wer absolut und in jedem Fall Spoiler vermeiden möchte, sollte hier einen Bogen schlagen. Alle anderen „Game of Thrones“-Fans: Unbedingt zuschlagen!

Inhalt

Um eine fantastische Welt lebendig erscheinen zu lassen, benötigt sie eine Vergangenheit. Daher erschuf Bestsellerautor George R.R. Martin den fiktiven Kontinent Westeros, auf dem sein Meisterwerk „Das Lied von Eis und Feuer“ / „Game of Thrones“ spielt, in jahrelanger Detailarbeit.
Dieser prachtvoll ausgestattete Bildband präsentiert erstmals die Geschichte von Westeros – beginnend in der Zeit, in der die ersten Menschen den Kontinent betraten, über die Ankunft von Aegon dem Eroberer und seinen Drachen bis zu Robert Baratheons Rebellion gegen den wahnsinnigen König Aerys II. Targaryen. Damit ist „Westeros – Die Welt von Eis und Feuer“ der wahre Prolog der erfolgreichsten Fantasyserie unserer Zeit.

(Quelle: Penhaligon)

Autor

George Raymond Richard Martin wurde 1948 in New Jersey geboren. Sein Bestseller-Epos Das Lied von Eis und Feuer wurde als die vielfach ausgezeichnete Fernsehserie Game of Thrones verfilmt. George R.R. Martin wurde u. a. sechsmal der Hugo Award, zweimal der Nebula Award, dreimal der World Fantasy Award (u.a. für sein Lebenswerk und besondere Verdienste um die Fantasy) und dreimal der Locus Poll Award verliehen. 2013 errang er den ersten Platz beim Deutschen Phantastik Preis für den Besten Internationalen Roman. Er lebt heute mit seiner Frau in New Mexico.

(Quelle: Penhaligon)

George R. R. Martin – Homepage
George R. R. Martin – Facebook

Details

Format: Gebundenes Buch, Pappband
Vö-Datum: 16.03.2015
Seitenzahl: 336
ISBN: 978-3-7645-3136-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Penhaligon

Copyright Cover: Penhaligon



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer