Review

Mehrbändige Liebesromane mit einem gewissen Grad an prickelnder Erotik liegen momentan im Trend. Entsprechend gesättigt und unübersichtlich ist der Buchmarkt, entsprechend überfordert manch eine Leserin/ein Leser bei der Auswahl.

Auch die Autorin Gail McHugh, die sich mit ihrem erotischen Romanzen-Zweiteiler, bestehend aus „Collide – Unwiderstehlich“ und „Pulse – Unzertrennlich“, Erfolg und vielleicht sogar den internationalen Durchbruch verspricht, springt also auf diesen Zug auf.
Ob sie die Fahrt übersteht und eine Reise voller Überraschungen und Unterhaltung bietet, oder ob ihr Vorhaben eine Leerfahrt geworden ist, das klären wir, indem wir uns hier den ersten Band „Collide – Unwiderstehlich“ einmal genauer ansehen.

Zunächst fällt das genretypische Cover natürlich ins Auge, welches bereits visuell verheißt, wo das Lese- und Liebesabenteuer hingehen wird.
Ebenso verrät der Klappentext schon die Rahmenbedingung der zu lesenden Geschichte um die Protagonistin Emily Cooper.

Frisch nach New York gezogen steht dem trauten Glück und einer gemeinsamen Zukunft mit Freund Dillon nichts im Wege, bis der (selbstverständlich) gut aussehende und betuchte Gavin in ihr Leben tritt. Eine Frau zwischen zwei Männern also. Dabei ist anfangs noch der Hauch eines „Shades of Grey“-Romans spürbar, denn das Zusammentreffen von Emily und Gavin wird ähnlich dargestellt wie die Begegnung der Hauptfiguren des Bestsellerwerks. Dieser „magische Moment“ ist somit nicht neu, kommt dafür aber bei der Leserschaft an.

Die damit verbundene bzw. daraus hervorgehende emotionale Achterbahnfahrt ist fortan Grundlage des Romans, der sich im Prinzip auch genau darauf beschränken lässt. Bleibt also die Frage, wie Gail McHugh es schafft, diese Art Dreiecksbeziehung und das hollywoodtaugliche Liebes-Hin-und-Her derart in die Länge zu ziehen, dass nicht nur 464 Seiten, sondern sogar noch ein zweiter Band davon berichten. Diese Frage stellt man sich im Laufe des Buches immer wieder, kann jedoch seinen Unmut darüber mit der Zeit nicht ganz verbergen, denn an vielen Stellen ist „Collide“ zu sehr und unnötig in die Länge gezogen. Natürlich braucht die im Allgemeinen recht banale Liebesgeschichte, die sich hinter „Collide“ verbirgt, keine Highlights und dramaturgischen Höhepunkte, um den Leser bei der Stange zu halten, dehnt man die Geschichte aber über zwei Bände aus, sieht die Sache schon anders aus. Daher wären mehr inhaltliches Fundament, spannende Wendungen oder dramaturgische Einsprengsel vonnöten gewesen, um den Umfang des Buches zu rechtfertigen. So aber bleibt „Collide“ über weite Strecken sehr oberflächlich und verschenkt viel Potenzial.
Die zum weiteren Umfang des Buches beitragenden Missverständnisse zwischen den Hauptfiguren, für die gerne eine Eifersucht anstachelnde Ex-Freundin hergenommen wird, können als Versuch, die Spannungskurve des Romans anzuheben, gewertet werden und sind von der Idee her auch gut, werden aber nur nach Schema F ausgearbeitet, sodass man sie so oder besser bereits in anderen Büchern gelesen hat.

Hinzu kommt, dass die Ausarbeitung der weiblichen Hauptfigur im Nachhinein betrachtet ein wenig verunglückt erscheint. Weil sie nicht als Antiheldin auftritt, erwartet man alles, nicht aber, dass sie dem Leser zunehmend unsympathisch wird. Leider ist dies jedoch der Fall.
Auch ihre Entscheidungen sind für den Leser durch die schwache Zeichnung der Figur nicht immer nachvollziehbar, im Gegenteil, gestalten sie sich so abwegig, dass Emily bald schon sehr nervig und naiv erscheint.

Protagonist Gavin hingegen macht das Buch figurentechnisch dann doch noch lesenswert. Sein Charakter ist, obwohl seine groben Züge stereotyp sind, gut ausgearbeitet, sein Verhalten bleibt stets plausibel (lässt man die vereinzelt auftretenden Logikfehler – wie z.B. das Tragen eines Smokinghemds, welches wenige Zeilen später dann doch ein T-Shirt ist, oder das Zerreißen der Bluse seines Gegenübers im Eifer des erotischen Gefechts, die anschließend jedoch wie von Zauberhand wieder ganz normal getragen wird – einmal außer Acht). Ihm jedoch eine so unausgereifte Partnerin wie Emily Cooper an die Seite zu stellen, erzeugt Mitleid mit ihm.

Gail McHugh (Copyright: Gail McHugh)

Gail McHugh (Copyright: Gail McHugh)

Mitleid ist allerdings nicht das einzige Gefühl, welches „Collide – Unwiderstehlich“ beim Leser auslöst. Generell beschreibt McHugh die Emotionen der Charaktere sehr eindringlich und der jeweiligen Situation angemessen, dass der Leser davon nicht unberührt bleibt. Die Gänsehautmomente, die „Collide“ anfangs noch erzeugt, flachen aber mit der Zeit ab. Kürzungen und Straffungen, vielleicht auch ein „auf den Punkt bringen“ und nicht wieder von vorne anfangen wären diesbezüglich die Lösung gewesen.

Rein sprachlich gibt es an „Collide“ nichts auszusetzen, aber es ist trotzdem deutlich zu erkennen, dass die Autorin mit ihrem Buch scheinbar ihr Debüt feiert. Insbesondere die erotisch-sexuellen Szenen beschränken sich auf Bewährtes. McHughs „romantische Sprache“ lässt dafür aber viele Leser an ihrer dargestellten Erotik teilhaben, denn direkte, plumpe oder anstößige Passagen findet man nicht vor, sodass die Mehrheit der Leser Gefallen an derartigen Sequenzen finden wird.

Für Vielleser, die aus diesem Genre alle Veröffentlichungen besitzen möchten, ist „Collide – Unwiderstehlich“ trotzdem zu empfehlen. Auch diejenigen, die bei einer Liebesgeschichte und den daraus resultierenden erotischen Sexszenen keinen nennenswerten Anspruch suchen, sondern sich nur für eine gewisse Dauer unterhalten lassen wollen, dürfen zugreifen. Allen anderen sei jedoch gesagt, dass es bereits bessere Veröffentlichungen in diesem Bereich gibt.
Doch Vorsicht, hat man „Collide – Unwiderstehlich“ erst einmal zu Ende gelesen, möchte man – trotz der Kritikpunkte, und obwohl das Ende vorhersehbar ist – wissen, wie McHugh die Umsetzung des Finales gelungen ist. Dazu hat man dann ab Februar 2015 die Gelegenheit, wenn „Pulse“ im Untertitel von „Unzertrennlichkeit“ kündet.

Handlung

Wenn du willst, was du nicht haben darfst

Nach dem College zieht Emily Cooper endlich zu ihrer großen Liebe Dillon nach New York. Doch dann schlägt Gavin Blake eines Tages wie aus heiterem Himmel in ihr Leben ein. Emily versucht, die knisternde Spannung zwischen ihr und dem verführerischen, millionenschweren Playboy zu ignorieren, aber Gavin hat nicht vor, sie einfach so gehen zu lassen. Nicht nur, weil sie etwas Eigenartiges mit seinem Herz anstellt, sondern auch, weil Dillon nicht der ist, für den Emily ihn hält …

(Quelle: Piper Verlag)

Autorin

Gail McHugh wuchs in San Antonio (Texas) und Long Island (New York) auf. Sie ist nicht nur Mutter von drei bezaubernden Kindern und seit über fünfzehn Jahren mit ihrem Mann verheiratet, sondern auch die erfolgreiche Autorin der beiden „New York Times“-Bestseller „Collide“ und „Pulse“.

(Quelle: Piper Verlag)

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Reihe

Collide„-Reihe:

Collide – Unwiderstehlich (Band 01)
Pulse – Unzertrennlich (Band 02) (erscheint am 16.02.2015)

sonstige:
Amber to Ashes – Ungebändigt (erscheint am 13.07.2015)

Details

Format: Taschenbuch, Kartoniert
Vö-Datum: 10.11.2014
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-492-30574-7
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Piper Verlag

Copyright Cover: Piper Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde