Review

Mike Mignola wagt sich an ein neues Werk. In „Frankenstein Underground“ erzählt er die Geschichte eines weiteren unverstandenen Monsters, welches durch Menschenhand geschaffen wurde.

Die Geschichte hinter Frankenstein werden die meisten kennen. Viktor Frankenstein erschuf in seinem unüberlegten Eifer das Monster, welches im Roman als „Unhold“ beschrieben wurde. Mike Mignola hat sich diesem missverstandenen Wesen angenommen und baut es gekonnt in das „Hellboy“-Universum ein.
Ob die Zeitsprünge und der Anspruch Mignolas auch beim Leser fruchten, klären wir an dieser Stelle.

Nachdem das Monster Frankenstein zusammengeklöppelt wurde, musste es mit dem Spott und der Verachtung der Menschheit leben. Überall, wo das Monster hinkam, wurde es gejagt und niemals in Ruhe gelassen.
„Nun weiss ich, wie es ist, Gott zu sein“ mag ein grandioser Spruch und ein noch viel schöneres Gefühl sein, doch was dieser Kreatur damit angetan wurde, ist grauenvoll. Ein liebes Wesen, völlig falsch verstanden und somit verachtet. Selbst ein Sammler merkwürdiger Wesen ist hinter ihm her. So kämpft es sich unter anderem aus der Schweiz nach Mazedonien, über Frankreich nach Österreich. Dort kann es mit Gewaltanwendung aus seiner Gefangenschaft fliehen und lernt etwas über alte Götter, Priester und deren Volk aus einer anderen Zeit. Sein Weg führt es in die Untiefen der Welt, in der es einer unterirdischen Sekte hilft, endlich Frieden zu finden.

Mike Mignola spielt extrem mit parallel verlaufenden Events, die oftmals ineinander münden. Den Überblick darüber muss man jedoch erst einmal behalten. Daher ist der Einstieg für Neulinge ziemlich knifflig, wenngleich Story und Erzählweise packend ausfallen, denn Mignola ist ein Meister der Erzählung. Man sympathisiert sofort mit dem aus Leichenteilen zusammengebauten Monster.
Storytechnisch hat Mike Mignola wirklich gute Arbeit geleistet; so will man den Band in einem Ruck verschlingen.

Leseprobe aus "Frankenstein Underground" (Copyright: Cross Cult)

Leseprobe aus „Frankenstein Underground“ (Copyright: Cross Cult)

Dabei unterstützt der einzigartige Comicstil, den Mike Mignola verfolgt.
Ben Stenbeck, der auch schon bei anderen Projekten mit Mignola zusammengearbeitet hat, leistete auch in „Frankenstein Underground“ wieder ganze Arbeit. Auf den letzten Seiten sind viele Konzepte enthalten und verschiedene Varianten von bestimmten Personen und Orten zu sehen.
Zusätzlich vorhanden ist stets eine kleine Erklärung, wie Mignola und Stenbeck zusammengearbeitet haben. Wirklich klasse, so etwas dürfte gerne immer anzutreffen sein.
Es gibt sogar Figuren, die ihren Weg gar nicht in die Reihe geschafft haben, weil man sie nicht sinnvoll einsetzen konnte. Mehr Mut, um auch mal so etwas zu zeigen, denn es steckt noch viel mehr Arbeit hinter dem, was wir sehen.
Immer wieder werden außerdem ereignisreiche Momente durch nachdenkliche Szenen mit viel Tiefgang unterbrochen.

Die farbliche Gestaltung durch Dave Stewart ist subtil und dennoch extrem aussagekräftig. Zum Beispiel werden Wunden mit einem kleinen roten Touch versehen, sodass man erahnen kann, welche Schmerzen der Unhold gerade erleiden muss. Gerade durch den generellen Einsatz vieler dunkler Farben werden die kleinen wichtigen Elemente auf einer Seite mit einer entsprechend starken Farbgebung viel deutlicher in den Vordergrund gerückt.

Fazit: Muss man nun Angst haben vor dem neuen Werk von Mike Mignola? Natürlich nicht. Die Geschichte und die Charaktere sind super. Zwischenmenschliche Beziehungen und Abgründe werden offengelegt wie in einem guten Krimi. Als einzige Anmerkung kann man nur sagen, dass dieser Comic hoffentlich das Interesse an den anderen Werken von Mike Mignola weckt, denn da ist für jeden Comic-Fan noch sehr viel zu holen. Nicht umsonst ist Mignola aktuell einer der ganz Großen.

Inhalt

„Hellboy“-Schöpfer Mike Mignola entfesselt das Kultmonster von Frankenstein!

Völlig auf sich allein gestellt zieht Franksteins Monster durch die Untiefen der Welt und entdeckt nicht nur andere Monster, sondern auch die dunkelsten Geheimnisse des Universums.
Mike Mignola führt Mary Shelleys monströse Schöpfung in das Hellboy-Universum ein. Gleich zu Beginn stehen sich Frankensteins Monster und Hellboy in einem Kampf gegenüber, nach dem das Monster aus dem furchtbaren Labor in Mexiko entkommt, in dem es gefangen gehalten wurde. Es flüchtet sich in die Wüste. Doch unterhalb des Erdbodens entdeckt es merkwürdige Kreaturen …

(Quelle: Cross-Cult)

Autor

Mike Mignola (Autor, Zeichner):

Mike Mignola (* 16. September 1960 in Berkeley, Kalifornien, USA) ist ein US-amerikanischer Comicautor und -zeichner. Bekannt ist er vor allem durch seine Figur Hellboy.

(Quelle: Wikipedia)

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Ben Stenbeck (Zeichner):

Ben Stenbeck entdeckte seine Leidenschaft für Comics, als er mit sechs Jahren erstmals eine Ausgabe von 2000 AD in Händen hielt. Er war über die Jahre als Illustrator und Designer für alles Mögliche, von Film über Comics hin zu Spielen und Werbung, tätig. Unter anderem war er für Weta Workshop am Design von Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“-Trilogie beteiligt Für Dark Horse Comics arbeitete er an Titeln wie „Living with the Dead“, „Witchfinder: In the Service of Angels“ und zusammen mit Hellboy-Legende Mike Mignola am B.U.A.P.-Prequel „Der ektoplasmische Mann“. Derzeit lebt Stenbeck mit seiner Frau, seinem Sohn und drei Pferden in Auckland, Neuseeland.

(Quelle: Cross Cult)

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Details

Format: A4, Hardcover
Vö-Datum: 07.12.2015
Seitenzahl: 160
ISBN: 978-3-86425-689-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Marcus