Review

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich Jules Verne mit seinen Reise- und Abenteuerromanen, die einen erstaunlichen technischen Ideenreichtum bewiesen, einen Namen. Diese in der Rubrik „Voyages extraordinaires“ veröffentlichten Geschichten eint, was heute als „Steampunk“-Genre bekannt ist. Vor diesem Hintergrund bewegt sich auch der französische Comic „Eine außergewöhnliche Reise“.

Die Story um die Cousins Noémie und Emilien stammt dabei nicht aus der Feder des Großmeisters Verne (zumindest sind uns keine Parallelen zu seinen Geschichten aufgefallen), sondern von Denis-Pierre Filippi, der im Splitter-Verlag bereits „Träume“ veröffentlichte. In „Eine außergewöhnliche Reise“ geht es aber etwas züchtiger zu:

Während 1927 in Europa und Amerika der Erste Weltkrieg tobt, in den die mysteriöse „dritte Achse“ mittels moderner Roboter immer wieder eingreift, ohne sich eindeutig auf eine Seite der Kriegsbeteiligten zu schlagen, betrachten Noémie und Emilien die Geschehnisse eher mit mildem Interesse.
Aus ihrem behüteten Baumhaus, das auf dem Gelände des Internates steht, das beide seit sieben Jahren nicht verlassen haben, interessiert beide wohl eher die technische Seite der Kriegsmaschinen, als das wirkliche politische Geschehen. Cousin und Cousine verbringen die meiste Zeit im Internat mit ihren eigenen Basteleien und Erfindungen anscheinend ohne größere Rücksichtnahme auf ihre Mitmenschen. Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich der Internatsleiter Mister Altridge über wenige Tage Freizeit freut, als die beiden überraschend von Noémies Eltern abgeholt werden sollen. Das Wiedersehen zwischen Noémie und ihren Eltern fällt eher hölzern aus und von Emiliens Vater fehlt jede Spur.
Ihre neue (und ausnehmend hübsche) Gouvernante Amelia bestätigt die beiden in ihrem Verdacht, dass Noémies Eltern Informationen vor ihnen geheim halten. So beschließen sie, selbst auf die Suche nach dem Verschollenen zu gehen. Dafür wollen sie die Erfindung von Emiliens Vater fertigstellen und damit am Jules-Verne-Wettbewerb teilnehmen. So beginnt die aufregende Reise vom britischen Landsitz nach London und dann über Paris nach New York.

Tüfteln im Baumhaus.  (Copyright: Toonfish Verlag)

Tüfteln im Baumhaus. (Copyright: Toonfish Verlag)

Dieser Road Trip wäre aber nicht typisch Steampunk, wenn da nicht die großartigen Fortbewegungsmittel wären. Von fliegenden U-Booten über humanoide Roboter hin zu Turbinenluftschiffen ist alles dabei, was das dampfbetriebene Herz begehrt.

Opulent und extravagant in Szene gesetzt wird das Ganze durch den italienischen Zeichner Silvio Camboni. Wer bei diesem Namen an „Das lustige Taschenbuch“ denkt, ist zwar auf dem richtigen Dampfer, wird der Optik dieses Comics aber nicht gerecht. Camboni löst sich ganz selbstbewusst von diesen Wurzeln und zeigt eigenständige, detailverliebte Arbeiten, die vor allem durch Jugendstilelemente geprägt sind. Dazu gesellt sich noch eine Prise Niedlichkeit, die vor allem durch die großen Augen ein bisschen an Mangas (oder eben Donald Duck und Co.) erinnert.

Optisch eine Mischung, die sicherlich auch Jules Verne überzeugt hätte. Nur bei der Story hätte es ein bisschen Nachholbedarf gegeben: Zwar hat der Plot großes Potenzial, die Erzählweise ist aber etwas unbalanciert. Durch viele rein atmosphärische Elemente kommt die Fortentwicklung der Story an einigen Enden etwas zu kurz, sodass am Schluss mehr Fragen offen als beantwortet sind.
Nichtsdestotrotz ein Comic, der Abenteuer- und Steampunk-Fans sicherlich begeistern wird!

Handlung

Ein betörendes Abenteuer im Geiste Jules Vernes!

Großbritannien 1927. Noémie und Emilien sind keine Kinder wie alle anderen. Die Cousins aus einer reichen Familie haben ihre gesamte Kindheit im Internat verbracht und ihre Eltern kaum gesehen! Als die beiden kleinen Genies wieder ins elterliche Gutshaus geholt werden, sind sie zunächst gar nicht begeistert über den vermeintlichen Verlust ihrer Unabhängigkeit. Schnell jedoch werden sie in den Bann des alten, riesigen Familiengemäuers gezogen, dessen Räume, angefüllt mit den Erfindungen von Emiliens Vater, zu so einigen Entdeckungstouren einladen. Als Letzterer plötzlich spurlos verschwindet, ist die Aufregung groß. Wäre es möglich, dass die mysteriöse Maschine, die er für den Jules-Verne-Wettbewerb gebaut hat, mit seinem Verschwinden zusammenhängt?

(Quelle: Toonfish Verlag)

Autor

Denis-Pierre Filippi (Autor)
1972: geboren in Bergerac. Der Sohn eines Comicbegeisterten entdeckt die Neunte Kunst bereits in jungen Jahren mit Spirou. Später liest er Bilal, Loisel, Schuiten, Gimenez und Ptiluc. Tolkiens Geschichten (und Märchen im Allgemeinen) gehören ebenfalls zu den Werken, die ihn beeinflussen. Nach einem naturwissenschaftlich orientierten Abitur schließt Filippi erfolgreich sein Philosophiestudium ab. 1995: Anlässlich der Buchmesse in Bordeaux stellt Filippi einen seiner Texte Tiburce Oger, dem Autor von „Gorn“, vor, dessen Arbeit er sehr schätzt.
1998: Oger und Filippi unterschreiben einen Vertrag für „Orull, le faiseur de nuages“ bei Delcourt.
1999: Für die Kollektion „Jeunesse“ von Delcourt zeichnet Sandrine Revel „Un Drôle d’ange gardien“, für dessen Szenario Filippi verantwortlich ist. Im Jahr darauf bringt das Duo „Un Zoo à New York“ heraus. Die Serie wird bis 2004 weitergeführt.
2000: Für „Das Buch von Jack“ (dt. bei Ehapa), die fantastische Geschichte um einen neugierigen Junge, arbeitet Filippi mit Boiscommun zusammen. Der zweite Band mit dem Titel „Das Buch von Sam“ (dt. bei Ehapa) erscheint 2002. Gleichzeitig beginnt Filippi die Serie „Théo“, ebenfalls bei Delcourt Jeunesse.
2002: Mittlerweile zum Starszenaristen beim Verlag Les Humanoïdes Associés avanciert, für die er nicht weniger als sieben Serien getextet hat, betritt er mit der Serie „Marshall“ das Terrain der Science Fiction.
2003: Filippi weiht mit dem Album „Garbouilles“ (Zeichnungen von J. Etienne) die neue Humano-Kollektion „Les 3 Masques“ ein. Im selben Jahr erscheint seine neue Serie „John Lord“, ein im New York der 20er Jahre angesiedelter Mystery-Thriller, der von Patrick Laumond gezeichnet wird.
2004: Zusammen mit Cécil bringt Filippi ein weiteres fantastisches Abenteuer heraus: „Les contes et récits de maître Spazi“, das bei den Humanoïdes Associés erscheint. Überdies beginnt er drei neue und derzeit noch laufende Serien bei Dupuis heraus: „Les Corsaires d’Alcibiade“, „Le Croquemitaine“, und „Ethan Ringler – Agent Fédéral“.
2006: Fortsetzung des fantastischen Thrillers „John Lord“. Indes erscheint bei Dupuis eine neue Serie, „Nefesis“. Im Dezember erscheint bei den Humanos „Coraline“, das erste Album der Serie „Träume“, die er zusammen mit Starzeichner Terry Dodson realisiert.

(Quelle: Splitter Verlag)

Silvio Camboni (Zeichner)
geboren am 04. September 1967 in Santadi / Sardinien. Camboni ist ein italienischer Comiczeichner.
Er erhielt seine künstlerische Ausbildung am Liceo Artistico Statale in Cagliari, die er 1985 erfolgreich abschloss. Danach begann er 1988 ein Architekturstudium, zeichnete aber schon im selben Jahr erste Disney-Geschichten für das Magazin Topolino.
1998 gründete Camboni auf Sizilien eine Schule für Comiczeichner sowie im selben Jahr die Sportzeitschrift La Caggetta. Seit 1999 schuf er Zeichnungen für die Serien Baby Legs, Le Vin Illustré en Bande Dessinée und Le Foot Illustré en Bande Dessinée für das Magazin La Sirène.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 01.03.2015
Seitenzahl: 152
ISBN: 978-3-95839-900-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Toonfish Verlag / Splitter Verlag

Copyright Cover: Toonfish Verlag / Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer