Review

Ein neuer Akteur

Seit 2017 ist ein neuer Mitspieler auf dem deutschen Comic-Markt aktiv: der Dantes Verlag.

Der von Josua Dantes gegründete Verlag setzt sich dabei insbesondere zum Ziel, Independent Comics und Klassiker aus England und den USA zu veröffentlichen. Und mit seinem Portfolio macht der Neuling schnell von sich reden.

Der eine oder andere Comic-Liebhaber hat beim diesjährigen Gratis Comic Tag sicherlich die Ausgabe „Cinema Purgatorio“ ergattern können – Dantes-Heft zum GCT 2020. Hier wird mit großen Namen nicht gekleckert, sondern geklotzt. Neben „Watchmen“-Schöpfer Alan Moore, dem Mastermind hinter dieser Heftserie im Anthologieformat, tummeln sich unter diesem Banner noch Genre-Größen wie Garth Ennis („Code Pru“) oder auch Christos Gage („The Vast“). Der bunte Genre-Mix bietet gute Unterhaltung und weckt direkt Begehrlichkeiten.

A Study in Emerald

Nicht minder attraktiv, Interesse weckend und namhaft kommt die Publikation „Eine Studie in Smaragdgrün“ daher.

Aus der Feder von Kult- und Bestseller-Autor Neil Gaiman („American Gods – Band 1: Schatten Buch 1/2“), als Comic adaptiert von Rafael Albuquerque („Prodigy: Die böse Erde“) und Rafael Scavone („All-Star Batman 3: Der Verbündete“), und mit den Farben des brillanten Koloristen Dave Stewart („Gideon Falls 3: Der Kreuzweg“), präsentiert sich dem geneigten Leser eine übernatürliche Kriminalgeschichte, die Sir Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes mit H.P. Lovecrafts („H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten“) mysteriösem Cthulhu-Mythos verbindet.

Um eines vorwegzunehmen: Das klingt nicht nur gut, das ist es auch.

Ein Mordfall von nationaler Bedeutung

Wir befinden uns im London des Viktorianischen Zeitalters, die wabernden Schwaden des Nebels ziehen durch die Straßen. Wir könnten uns in der berühmt-berüchtigten Baker Street befinden. Der mysteriöse Protagonist der Geschichte, der Meisterdetektiv, hat erst kurz zuvor seinen neuen Assistenten und Wegbegleiter kennengelernt, als das Duo von Polizeiinspektor Lestrade aufgesucht wird. Es geht um Mord, ein royales Todesopfer.

Doch in dieser Welt ist alles anders. Das Blut an der Wand im tatörtlichen Zimmer ist nicht rot, sondern giftgrün. Eine Studie eben nicht in Scharlachrot, sondern in Smaragdgrün wartet. Die ermittelnden Akteure sind davon indessen nicht überrascht, denn das getötete Wesen gehörte – wie die übrige Königsfamilie – zu den „Alten“ bzw. „Großen Alten“, tintenfischartige Wesen, mit üppigen Tentakeln bestückt. Eine übernatürliche Detektivgeschichte kann beginnen.

Das fehlende Glied in der Kette

Neil Gaiman gelingt mit dieser Geschichte ein herrliches Verwirrspiel, eingebettet in ein unterhaltsames „Was-wäre-wenn“-Szenario. Geradezu beiläufig wird der Leser mit dem Umstand konfrontiert, dass in dieser Alternativwelt bizarre, tentakelhafte Geschöpfe das Sagen haben, während die Menschheit eher von untergeordneter Bedeutung ist. Der beratende Detektiv und sein Gehilfe sind hier dennoch gefragte Leute, denn schließlich wollen die Großen Alten wissen, wer für den Tod einer ihrer Angehörigen verantwortlich ist.

Leseprobe aus „Eine Studie in Smaragdgrün“. (Copyright: Dantes Verlag / Dark Horse Comics)

Zu Beginn ertappt sich der Leser noch bei dem Gedanken, warum die Namen von Sherlock Holmes und dem loyalen Kompagnon Dr. Watson nie genannt werden. Ferner meint er sich zu erinnern, dass einige Einzelheiten nicht mit den Geschichten Conan Doyles zusammenpassen. Diese kurzen Gedanken rücken jedoch zügig in den Hintergrund, wenn der Leser von einer fesselnden und spannenden Welt mehr und mehr abgelenkt wird. Umso überraschender kommt am Ende dann die Erkenntnis, dass man mit einem großen Story-Twist von Gaiman gekonnt hinters Licht geführt worden ist. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten.

Gepaart mit den detailverliebten Zeichnungen von Rafael Albuquerque und Rafael Scavone sowie den – wie immer – prächtigen Farben von Dave Stewart wird aus „Eine Studie in Smaragdgrün“ ein Comic-Buch, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Jedenfalls für Freunde des meisterlichen Privatdetektivs und/oder des Lovecraftschen Cthulhu-Mythos dürfte dies eine Pflichtlektüre sein.

Fazit

Mit diesem Buch meldet sich der Dantes Verlag allerspätestens mit einem echten Schmankerl in der heimischen Comic-Branche zu Wort.

„Eine Studie in Smaragdgrün“ ist ein wahrer Geheimtipp für Comic-Fans und Literatur-Freunde; für Holmes- und Lovecraft-Begeisterte ohne jeden Zweifel. Das ausführliche Glossar und der liebevolle Kommentar am Ende der Ausgabe ermöglichen aber auch Sherlock Holmes- und Cthulhu-Mythos-Neulingen einen sanften Einstieg in die Materie.

Inhalt

Eine übernatürliche Kriminalgeschichte, angesiedelt in der Welt von Sherlock Holmes und Lovecrafts Cthulhu-Mythos, die einen brillanten Detektiv und seinen Begleiter zeigt, wie sie einen grausamen Mord aufzuklären versuchen.

Ihre komplexe Ermittlung führt das Duo aus der Baker Street von den Slums in St. Giles bis in den Palast der Königin. Nichts ist, wie es scheint. Aus einem Mord wird kosmischer Horror.

(Quelle: Dantes Verlag)

Autor

Neil Richard Gaiman
ist ein britischer Autor zahlreicher Science-Fiction- und Fantasygeschichten, Comics und Drehbücher.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 10.03.2020
Seitenzahl: 92
ISBN: 978-3-946952-45-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Dantes Verlag

Copyright Cover: Dantes Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)