Review

Ein Science-Fiction-Klassiker

Bis heute gilt „Dune“ bzw. „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert als eines der herausragenden Werke der Science-Fiction.

Bereits im Jahre 1984 wurde der – als unverfilmbar geltende – Stoff vom Surrealisten David Lynch auf dessen typisch eigenwillige Art und Weise interpretiert und für die Leinwand adaptiert. Selbstredend mit der filmischen Ästhetik eines Lynch und mit seinem „Twin Peaks“-Liebling Kyle MacLachlan in der Hauptrolle des Paul Atreides.

In den Startlöchern wartet nunmehr die Neuverfilmung der Romanreihe des virtuosen Regisseurs Denis Villeneuve, der für seine Inszenierung ein unglaubliches Starensemble versammeln konnte: Timothée Chalamet, Oscar Isaac, Josh Brolin, Dave Bautista, Jason Momoa und tatsächlich noch einige mehr. Der deutsche Kinostart soll nach gegenwärtigem Stand der Dinge am 30. September 2021 erfolgen. Ob und wann wir Pandemie-bedingt tatsächlich mit einer Auswertung in den Lichtspielhäusern rechnen dürfen, ist hingegen gänzlich ungewiss.

Derweil dürfen sich Comic- und Science-Fiction-Fans über „Dune 1“, und damit über den Auftakt der in drei Bänden geplanten Comic-Version des genredefinierenden Klassikers freuen.
Frank Herberts Werk wird dabei von seinem Sohn Brian Herbert und Co-Autor Kevin J. Anderson adaptiert und erscheint hierzulande im Splitter Verlag. Das Autoren-Duo hat sich in der Literatur bereits der Vorgeschichte sowie den Geschehnissen nach dem letzten Roman des legendären Dune-Zyklus gewidmet.

Visuell in Szene gesetzt wird das Ganze von Raúl Allén und Patricia Martín.

Der Wüstenplanet

Wir befinden uns in einer weit entfernten Zukunft. Der Herzog Leto Atreides ist der Herr eines der großen Häuser der Galaxie. Auf Befehl des Imperators soll das Oberhaupt der Atreides bald der Herzog Arrakis werden – auch „Dune“ genannt, der Wüstenplanet.

Arrakis ist eine lebensfeindliche, sandige und karge Welt – und dennoch eine begehrte, denn sie beherbergt das Spice. Eine Substanz, die es ermöglicht, die Zukunft vorherzusehen. Sie bildet die Grundlage der interstellaren Raumfahrt.
Auf Arrakis angekommen, sieht sich das Haus Atreides mit Intrigen konfrontiert, denn das Haus Harkonnen, das Arrakis über Jahrzehnte zum Lehen hatte, will sich nicht kampflos zurückziehen. Paul Atreides ist gezwungen, mit seiner Mutter in die Wüste zu fliehen, wo die Ureinwohner von Dune, die Fremen, leben und auf den lange vorhergesagten Messias warten …

Das Konzept der Adaption in Kürze

Als wir uns an die Arbeit machten, das Skript zu schreiben, wussten wir von Anfang an – mit voller Unterstützung unseres Verlags (…) -, dass dies die ultimative Graphic-Novel-Umsetzung werden sollte, eine originalgetreue Adaption von Frank Herberts Klassiker aus dem Jahr 1965. Wir hatten kein Interesse daran, unsere Interpretation von Dune abzuliefern oder die Geschichte zu verändern, um ihr unseren Stempel aufzudrücken. Es sollte das pure Dune werden – Kapitel für Kapitel, Szene für Szene.“

Aus dem Vorwort zur Comic-Adaption von „Dune“ von Kevin J. Anderson und Brian Herbert,
„Dune 1“, Splitter Verlag

Frank Herberts „Dune“ ist ohne Zweifel eine Weltraumoper, die einen ganz besonderen Platz im Kanon der Science-Fiction-Literatur verdient. Eine gesellschaftskritische Reihe über diverse Themen, wie den Kampf um und die Ausbeutung der Rohstoffe, menschliche Evolution, Technologie, die Rolle der Frau und noch vieles mehr. Das Ursprungswerk soll hier jedoch nicht Thema sein, sondern die Adaption.

Leseprobe aus „Dune 1“. (Copyright: Splitter Verlag)

Meines Erachtens krankt der Auftakt gerade am oben genannten eigenen Vorhaben, die bekannte Buchvorlage möglichst originalgetreu wiedergeben zu wollen. Der bleibende Eindruck kann als hölzern, schleppend, dialoglastig und wenig spannend auf den Punkt gebracht werden.

Zu selten gelingt es Kevin J. Anderson und Brian Herbert die Stärken des gewählten Mediums mit vorbildlicher Gestaltung und Umsetzung auszuspielen. Zwar gibt es auch hier mal den imposanten Auftritt eines riesigen Sandwurms, der auf einer schönen Splash-Page daherkommt; Derartiges gibt es jedoch schlicht zu wenig.

Da hilft auch das Artwork im Allgemeinen nicht wirklich weiter. Die Zeichnungen sind zwar durchaus nett anzusehen, doch die Figuren, die Welt, schlicht die gesamte graphische Umsetzung, vornehmlich von Raúl Allén, kommt viel zu glatt, ohne Ecken und Kanten, daher. Gerade im Gegensatz zu der Lynchen Umsetzung gerät die Optik sehr klinisch und steril und weniger lebensfeindlich und abstoßend.

Fazit

Meines Erachtens dürfte das Werk von Kevin J. Anderson und Brian Herbert überwiegend „Dune“-Puristen abholen.

Ob es mit dieser Version indessen – wie gewünscht – gelingt, eine neue Generation von Lesern zu begeistern, darf angesichts der „Innovationsfeindlichkeit“ sowie der entschleunigten und zurückhaltenden Gestaltung durchaus bezweifelt werden.


Dune (Graphic Novel). Band 1

Trailer (1984)

Trailer (2021)

Inhalt

Die Graphic Novel Adaption von »Dune«, dem genredefinierenden Science-Fiction-Klassiker von Frank Herbert.

»Dune« erzählt die Geschichte von Paul Atreides und seiner Familie, die auf dem Wüstenplaneten Arrakis die Vorherrschaft über die Förderung des Spice übernehmen, der mystischen Droge, die das Reisen zwischen den Sternen ermöglicht.

Frank Herbert revolutionierte mit »Dune« und seiner einzigartigen Mischung aus Abenteuer, Mystizismus, Ökologie und politischem Ränkespiel das Science-Fiction-Genre. Gemeinsam mit Bestseller-Autor Kevin J. Anderson adaptiert sein Sohn Brian Herbert das Meisterwerk in drei Bänden als Graphic Novel, um eine neue Generation von Lesern zu begeistern. Mit Raúl Allén zeichnet einer der profiliertesten Künstler der Comic-Szene für die graphische Umsetzung der Vision Herbert Verantwortung, und die Cover-Illustrationen von Legende Bill Sienkiewicz heben das Projekt endgültig auf ein Niveau, das Exzellenz verspricht.

(Quelle: Splitter Verlag)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 18.12.2020
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-95839-449-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)