Review

Mit seinem letzten Roman, der Utopie „Die Zukunft ist schön„, beschritt Autor Dirk Bernemann neue literarische Wege; in seinem aktuellen Werk „Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ nähert er sich wieder mehr seinen schriftstellerischen Ursprüngen an.

Wortgewandt manövriert Bernemann seinen Protagonisten durch episodenhafte Höhen und Tiefen des Lebens, lässt ihn innehalten bei alltäglichen Situationen, stellt ihn aber zudem vor philosophisch-moralische Fragestellungen und arbeitet so eine wild arrangierte, da mit Rückblicken und Zeitsprüngen versehene Charakterentwicklung heraus, die von Fehlern, Scheitern, Einsicht und Wiederaufstehen gekennzeichnet ist.

Diese individuelle Suche nach dem Sinn des Lebens und seinen Möglichkeiten (sowie Unmöglichkeiten) präsentiert Bernemann seinen Lesern in Ich-Erzählperspektive. Hoffnungslosigkeit und Zuversicht geben sich dabei die Hand und diese Gefühle werden auch gelungen an den Leser transportiert. Entfernt bieten die damit einhergehenden Ausführungen, in kurzen Kapiteln dargebotene Ausschnitte aus dem Leben und Erfahrungshorizont der Hauptfigur, Identifikationsmöglichkeiten. Herauszulesen sind diese jedoch vor allem zwischen den Zeilen oder in der gewollt überspitzten Darstellungsweise Bernemanns.

Dafür ist der Autor bekannt und diesbezüglich enttäuscht er nicht; schonungslos und (im positiven Sinne) unbequem für Leser wie Figuren.
In „Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ lässt Dirk Bernemann jedoch gleichzeitig viel „Freiraum“. Einzelne Episoden fallen sehr plastisch, andere hingegen vage aus, sodass noch mehr Platz für die eigenen Gedanken des Lesers bleiben.

„Man kann nicht über das Leben schreiben, ohne Erwähnung des Glücks. Geht nicht. Was wäre das für ein trister Text? Wir sind ja hier nicht in einem Dirk Bernemann Text aus dem Jahr 2005 oder so.“, äußerte sich Dirk Bernemann einst in seinem Text „Irgendeine Option ist immer Glück“, zu finden auf seinem Blog. Entsprechend hält das Glück, eng verbunden mit der Liebe facettenreich Einzug in „Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“, jedoch nicht, ohne dessen Fragilität zu verdeutlichen.

Dirk Bernemann (Copyright: Carsten Thesing Photography)

Dirk Bernemann (Copyright: Carsten Thesing Photography)

Ein pessimistischer Optimist oder ein optimistischer Pessimist? Ganz egal, denn wie auch immer man Bernemann und seine literarischen Ergüsse bewerten oder betrachten möchte, Fakt ist, er weiß mit Worten umzugehen und seine Texte nachhaltig wirken zu lassen.
Kurz, aber komplett ausgefüllt mit Kontrasten, Metaphern, Wortakrobatik und Humor spiegelt „Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ zudem des Lesers Selbst, denn trotz (oder für einige gerade wegen) toter Kaninchen, Xavier Naidoo und der ewigen Suche nach Liebe, an der man genau so zerbrechen wie wachsen kann, findet man sich stellenweise sehr gut in der Hauptfigur wieder oder kann Beschriebenes zumindest glaubhaft nachvollziehen.

Dirk Bernemann tummelt sich mit seinen Werken eher noch im literarischen „Underground“ herum, ein Geheimtipp sind seine Veröffentlichungen aber schon lange nicht mehr – oder sollten dies zumindest nicht sein, denn abermals zeugt auch sein neues Werk von seinen schriftstellerischen Qualitäten. Dringend lesenswert!

Trailer

Inhalt

Leute bewegen sich durch Dörfer und Städte, essen Dosenravioli, trinken Spezi und gehen auf subversive Popkonzerte. Irgendwo beginnt ein Krieg, der nie sein Gesicht zeigt, obwohl er immer da ist.
Ob Liebe Fragen beantwortet oder eher welche stelle, weiß man erst, wenn man sich traut, die Fragezeichen in seinem Leben zuzulassen.

Ein Buch irgendwo zwischen Liebe, Krieg, Jugend, Dorf und Metropole. Eine Geschichte, die zu Herzen gehen soll, aber meistens irgendwo anders im Körper landet, wo es aber auch schön ist.

Dirk Bernemann beackert die großen Themen der Literatur: Liebe, Krieg und avantgardistische Popmusik.

(Quelle: Unsichtbar Verlag)

Autor

Herr Bernemann wurde vor wenigen Jahren zwischen dem Ruhrgebiet und den Niederlanden geboren.
Er wollte schon immer Bücher schreiben, denn malen war gar nicht seins. Also schrieb er, seit er es konnte, beginnend mit ungefähr 7 Jahren. Oh, ja, er hasste malen.
Der Herr Bernemann ist beliebt in seiner Nachbarschaft, weil er nie mit seinen Nachbarn spricht.
Worüber auch? Kunst vielleicht oder Wetter?
Er war schon als Kind fasziniert von Musik und schönen, aber auch nicht so attraktiven Worten.
Herr Bernemann ist in seinem Leben schon einige Male umgezogen, hat aber nie im Ausland gewohnt, obwohl er Deutschland als Institution kacke findet.
Er mag Himbeeren und Ananas lieber als Kartoffeln und Rotkohl.
Herr Bernemann schreibt Bücher voller Geschichten und Gedichte. Nicht alle Gedanken, die er hat, findet er selber gut, einige hasst er sogar.
Die deutsche Sprache ist für den Herr Bernemann ein Fahrzeug mit dem er in alle Regionen menschlichen Empfindens einfahren kann. Seine Texte sind wie alte Bekannte mit neuen Gesichtern, wie alte Drogen mit neuen Wirkstoffen, wie bekannte Plätze mit neuen Häusern.
Er findet es im Moment nicht doof bekannt zu sein (Stand Sept. 2007), findet es aber doof mit Idioten bekannt zu sein, um mit denen Bratwurst oder so zu speisen.
Der Herr Bernemann hat keine ansteckenden Krankheiten.
Er ist außerdem untalentiert an folgenden Instrumenten: Alphorn, Oboe und Akkordeon, dafür spielt er ein wenig Gitarre und kann mit seinem Computer Musik machen, was er auch macht und zusammen mit Benedikt Ator die Band HORQUE gegründet hat.
Nein, der Herr Bernemann ist weder essgestört noch depressiv noch hat er irgendwelche abgefahrenen Neurosen. Er hat normalen Appetit und lacht über Witze wie: Wo wohnen Katzen am liebsten? Im Miezhaus.
Er hat noch nie versucht, sich oder andere umzubringen.
Herr Bernemann inszeniert nicht sich, sondern seine Ironie. Dekadenz ist für Arschlöcher, call him Arschloch.
Er liebt Kultur, seinen Wortschatz und manchmal sogar sich selbst.
Er ist nicht elegant, sieht aber immerhin noch gut aus, wenn er auf die Fresse fällt.

(Quelle: Unsichtbar Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Veröffentlichung: 14.02.2015
Seitenzahl: 208
ISBN: 978-3-95791-027-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Unsichtbar Verlag

Copyright Cover: Unsichtbar Verlag



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde