Review

Bereits der erste Teil von „Die Zeitmaschine“ erwies sich als gelungene Hörspieladaption des H. G. Wells Klassikers. Sci-Fi-Fans konnten sich von der genreprägenden Erzählung gefangen nehmen lassen. Regisseur Oliver Döring zeigte dabei vor allem ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Stimmbesetzung.

Größtes Manko des ersten Teils war vermutlich der Schnitt. Aufgrund der umfangreichen Vorlage gab es nur zwei Möglichkeiten: Kürzen oder Doppelfolge. Teil 2 setzt nun unmittelbar an den vorhergehenden Geschehnissen an und beweist, warum Döring sich richtig für eine Langfassung entschieden hat.

Dem Wissenschaftler und Tüftler Jack sitzt nach wie vor die Universitätsverwaltung im Nacken. Um beweisen zu können, dass sich seine Forschung lohnt, lud er drei Kollegen zu sich nach Hause ein; sie sollten Zeugen seiner bahnbrechenden Entwicklung werden. Am Ende der ersten Hörspielfolge wusste der Zuhörer zumindest, dass Jack der Ansicht war, sein Experiment wäre ein Erfolg gewesen. Nun berichtet er seinen Gästen, was er alles erlebt hat.

Über verschiedene Zeitepochen und kleinere Geschehnisse landet Jack im Jahr 802.701. Dort findet er zunächst vor allem Wälder und Ruinen vor ‑ und verliert prompt erst mal seine Zeitmaschine. Aufgeschmissen und verzweifelt beginnt er, die Epoche zu erkunden. Schnell stößt er auf die unbeschwerten und verspielten Eloi. Zwar leben sie in größeren Gruppen zusammen, einen wirklichen Zusammenhalt scheint es aber nicht zu geben. So bleibt es an Jack, eine junge Frau vor dem Ertrinken zu retten.

Nach dieser Heldentat weicht sie nicht mehr von seiner Seite. Hier erfährt er endlich etwas mehr über die Gesellschaft. Vor allem zeigt sie ihm, wo die Kinder aufgezogen werden. Jack entdeckt, dass sich die Menschheit zweigeteilt entwickelt hat. Neben den Eloi existieren noch die Morlocks, die als lichtscheue Kreaturen unter der Erde leben.

Mutig ‑ und mit der Hoffnung, dort seine Zeitmaschine zurück zu bekommen ‑ macht er sich allein an den Abstieg. Was ihn in der Dunkelheit erwartet, wird ihm (und dem Zuhörer) das Blut in den Adern gefrieren lassen. Hier endlich spielt Döring seine Hörspielkarten voll aus. Hintergrundgeräusche und Beschreibungen von Jack liefern genug Anhaltspunkte, um sich kurz, bis zur Rückkehr ans Tageslicht, zu gruseln.

Oliver Döring (Copyright: Oliver Döring)

Damit beweist Döring nicht nur wieder sein Talent für gelungene Hörspieladaptionen, sondern auch, dass Wells‘ Geschichten wirklich gut in dieses Format passen. Sowohl die Handlung als auch der Umfang der Story wird durch die Doppelfolge optimal ausgeschöpft. Im Gegensatz zu Comic-Adaptionen (wie hier im Splitter-Verlag), liefert das Hörspiel noch Hintergrundstory. Damit wird das gesellschaftskritische Potenzial, das Wells in seiner ursprünglichen Erzählung angelegt hat, stärker herausgearbeitet.

Dass die akustische Gestaltung des Hörspiels ebenfalls erste Sahne ist, wurde bereits angedeutet. Die Kirsche auf der Sahne sind immer noch die hochkarätigen Sprecher, die das Hören zum Erlebnis machen. Vor allem die skeptischen Einwürfe von Cabbs, gesprochen von Bernd Rumpf (der deutschen Stimme von Alan Rickmann), sind mehr als gelungen.

Wer sich den ersten Teil von „Die Zeitmaschine“ bereits angehört hat, wird natürlich auch beim zweiten Teil zuschlagen müssen. Allen anderen Sci-Fi-Fans sei dieses Hörspiel erneut ans Herz gelegt: Das ist Unterhaltung pur.

Inhalt

Die Zeitmaschine – Ein Klassiker der Science Fiction-Literatur. Neu und modern erzählt – und doch ganz dicht am Original.

Die folgenreiche Hörspieladaption von H.G. WELLS Die Zeitmaschine ist ein zweiteiliges Hörspielerlebnis der besonderen Art. Nie wurde die packende Geschichte um einen Mann, der in eine ferne Zukunft reist und dort das Grauen erlebt, aufwendiger inszeniert. Mit herausragenden „Hollywood-Stimmen“, einem phantastischen Sounddesign und filmreifer Musik wird Wells visionäres Werk zum Kopfkino.

Die Zeitmaschine bildet den Auftakt zu einer neuen Hörspielreihe von Folgenreich – basierend auf den erfolgreichen Romanen von H.G. Wells – die mit Das Imperium der Ameisen und dem Dreiteiler Krieg der Welten fortgeführt wird. Für die Produktion konnte der mehrfach ausgezeichnete Hörspielproduzent Oliver Döring (u.a. Star Wars, John Sinclair, End Of Time) gewonnen werden.

(Quelle: Folgenreich)

Autor

Oliver Döring
(* 09.01.1969) ist ein deutscher Regisseur kommerzieller Hörspielserien.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Hörspiel
Veröffentlichung: 29.09.2017
Spielzeit: ca. 59 Minuten
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Folgenreich (Universal Music Family Entertainment)

Copyright Cover: Folgenreich / Universal Music Family Entertainment



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer