Review

Die Dalton-Brüder sind gerade Comic-Lesern als Figuren aus den frankobelgischen Lucky Luke-Comics bekannt. Dort sind die Gebrüder Dalton vor allem eins: Witzfiguren, die sich auf tollpatschige und unbeholfene Art und Weise der Lächerlichkeit preisgeben und besonders für humoristische Einlagen verantwortlich sind. Spitzfindige werden jetzt natürlich anmerken, dass die Daltons in den Lucky Luke-Comics bloß Vettern der historischen Dalton-Bande sind, aber ihr Ruf prägt natürlich.

Autor Olivier Visonneau wählt hier mit seiner ersten Serie einen gänzlich anderen Ansatz, und zwar ausgehend und inspiriert von der wahren Geschichte der historischen Daltons, die zu den legendären Charakteren des Wilden Westens gehören.

Die Handlung des Comics ist Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Die Dalton-Brüder haben einen Verlust zu betrauern, denn ihr Bruder Frank Dalton wurde kürzlich Marshal und starb 1887 im Dienst. Auch Bob Dalton ist Marshal und so überrascht es nicht, dass sein jüngerer Bruder Emmett die Ranch verlassen und ebenfalls eine solche Laufbahn einschlagen möchte.

Ich will Marshal werden. Wie Frank, Grattan und du. Ich könnte dein Deputy sein.

Dabei weist der junge Emmett zunächst sowohl ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein als auch einen großen Gerechtigkeitssinn auf und sein Bruder Bob nimmt ihn daher mit auf die Reise. Die seinerzeitigen Umstände sollen jedoch bewirken, dass die Dalton-Brüder mehr und mehr auf die schiefe Bahn geraten. Banken und Eisenbahngesellschaften nehmen stetig mehr Land in Besitz und werden immer reicher, der Alkoholschmuggel grassiert und damit einhergehend die Korruption und mangelnder Respekt vor den Gesetzeshütern.

So bringt es denn auch Grattan Dalton treffend auf den Punkt, wenn er sagt:

Da riskiert man sein Leben, um dem Gesetz Respekt zu verschaffen, und ist ärmer als ein chinesischer Wäscher (…) Ehrliche Menschen werden niemals reich.

Die Lage spitzt sich weiter zu als die Brüder Bob und Emmett eine Mission zwar erfolgreich beenden, nur um dann erfahren zu müssen, dass man sie nicht bezahlen kann, weil die Regierung sich mit der Überweisung der Gelder Zeit lässt. Im weiteren Verlauf geraten die Brüder an den Gangster Charley Bryant, auch Black Face genannt …
Mehr soll an dieser Stelle nicht resümiert werden.

Leseprobe aus „Die Daltons: Der erste Tote (Band 1)“ | Copyright: Splitter Verlag

Mit „Die Daltons: Der erste Tote (Band 1)“ möchte Autor Olivier Visonneau den Daltons offensichtlich ein realitätsnahes Bild in der Comic-Landschaft stiften, womöglich auch als eine Art späte Rehabilitation. Dabei liefert die Story insbesondere menschlich nachvollziehbare Gründe für den Werdegang der legendären Gebrüder Dalton, wie z.B. einen Alkoholiker-Vater, den Mangel an Anerkennung der Gesellschaft, die Dürftigkeit der Besoldung und so entwickelt sich ein stetiger Abstieg von Gesetzeshütern zu Gesetzesbrechern. 

Obwohl das alles durchaus gefällig ist, vermisst man hier dennoch einige weitere typische Motive des Westerngenres, um vollends zufrieden und glücklich zu sein; etwa einen Bank- oder Postkutschenraub oder einen ausgeprägten Shootout. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn es wird auch noch einen zweiten Band geben.

Für Zeichnungen und Farben zeigt sich Jesús Alonso verantwortlich. Während seine groben Striche nicht durchgehend formvollendet sind und gefallen, sorgt seine Farbpalette im gesamten Band für eine stilechte und klassische Western-Stimmung. 

„Die Daltons: Der erste Tote (Band 1)“ kann man nicht nur knallharten Western-Fans empfehlen, sondern auch Lesern, die dem Genre nur offen gegenüberstehen. Ein Action-Feuerwerk sollte man aber nicht erwarten.

Inhalt

Die Brüder Dalton – Bob, Grat, Bill und Emmett – zählen zur Outlaw-Prominenz des Wilden Westens. Und trotzdem beruht ihre Bekanntheit heute größtenteils auf einem karikaturistischen Zerrbild, für das ein gewisser einsamer Comic-Cowboy verantwortlich zeichnet. Der Comic hat also den echten Daltons gegenüber noch etwas gutzumachen.

Deren Ende ist vielleicht geläufig: Zwei von ihnen starben bei einer wilden Schießerei, als sie in Coffeyville, Kansas, versuchten, zwei Banken auf einmal auszurauben, der dritte wurde zwei Jahre danach erschossen. Nur Emmett, der Jüngste, überlebte. In einer langen Rückblende entwickelt sich eine Geschichte von Unglück und Elend, unerfüllten Hoffnungen, falschen Entscheidungen – anschaulich erzählt als Spätwestern-Ballade mit nachhaltigem Eindruck. Beinahe eine späte Ehrenrettung für die vier Desperados.

(Quelle: Splitter Verlag)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 01.05.2017
Seitenzahl: 56
ISBN: 978-3-95839-493-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)