Review

Mit der Romanserie „Highland Saga“ begeisterte Autorin Diana Gabaldon viele historisch-romantisch veranlagte Fans. Jene konnten kürzlich auch visuell am Leben der Protagonisten Claire Randall und Jamie Fraser partizipieren, als die auf Gabaldons Saga basierende Fernsehserie „Outlander“ startete. Passend dazu veröffentlicht der Knaur Verlag nun die Bände der Reihe als ungekürzte Neuübersetzung. Der Startschuss fällt mit „Outlander. Feuer und Stein“.

Diana Gabaldon entführt ihre Leser zunächst nach Schottland ins Jahr 1946. Nach einigen zähen Momenten, welche die Protagonistin allerdings näher kennenlernen lassen, fiebert der „Highland-Saga“-Kenner jedoch vielmehr dem Augenblick entgegen, der die Figur in die Zeit von 1743 und schließlich in die Arme des Highlanders Jamie Fraser treibt.
Dann nämlich setzt Gabaldons pure Romantik ein, die ein bisschen Kitsch hier und überraschend viel Sex an anderen Stellen umfasst. Dazu gesellen sich einige heikle Verwicklungen, eingebettet in einen solide recherchierten und dargelegten historischen Kontext, der Natur, Kultur und die Geschichte Schottlands ausreichend gründlich darstellt. Diese mit Details ausgeschmückten Darstellungen wirken zu keinem Zeitpunkt so, als wolle Gabaldon aufdringlich ihr Wissen preisgeben, sondern integrieren sich ganz harmonisch in die Handlung von „Outlander. Feuer und Stein“.

Diana Gabaldon ist zudem um historische Korrektheit und Authentizität bemüht. Trotzdem sollte man es vermeiden, tiefer als unter die hier präsentierte Oberfläche zu blicken. „Outlander. Feuer und Stein“ ist und bleibt nun einmal Trivialliteratur, die der Unterhaltung dient. Das schafft der erste Band der „Highland-Saga“ auch auf ganzer Linie, denn der Leser – allen voran wohl die Leserinnen – bleiben am Ball.

Um noch offene Fragen zu klären, etwaige letzte Zweifel an der Saga auszuräumen und natürlich, um den weiteren Handlungsverlauf verfolgen zu können, sind die „Feuer und Stein“-Leser gezwungen, weitere Bände der Autorin zu lesen. Das wundert bei einer mit acht Bänden angelegten Reihen-Veröffentlichung wenig, stellt aber vor allem bei Gabaldons Werk eine Besonderheit dar, denn trotz des stolzen Umfangs von 1136 Seiten schneidet Band 1 lediglich bruchstückhaft die Geschichte um Claire und Jamie an.

Da es sich im vorliegenden Fall um eine ungekürzte Neuübersetzung handelt, stellt sich für Fans, die bereits im Besitz der älteren Ausgaben sind, die Frage, ob eine Anschaffung dieser Fassung sinnvoll wäre.
Abgesehen davon, dass ein Übersetzungsstil immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks ist (Leseproben vermitteln diesbezüglich einen guten ersten Eindruck), fällt bei Barbara Schnells Übersetzung von „Outlander. Feuer und Stein“ ein fehlendes Gespür, ironische Momente für den Leser deutlicher erkennbar darzustellen, auf. Dieses von Gabaldon gerne benutzte Stilmittel wirkt in Schnells deutscher Version oftmals nicht und wird eher nur allzu wörtlich genommen. Das hat zur Folge, dass einige Textabschnitte eventuell für Verwirrungen sorgen könnten. Fans der Autorin, bei denen „Outlander. Feuer und Stein“ bereits zum Kult-Buch avanciert ist und die nicht selten ganze Passagen zitieren können, wissen allerdings, wann wie was gemeint ist.

Verwunderung ruft zudem bei genauem Lesen die Tatsache hervor, dass der Dialog, beginnend auf Seite 845 unten bis Seite 846, im starken Widerspruch zum ersten Satz auf Seite 536 steht. Aus Spoilergründen wird an dieser Stelle inhaltlich nicht näher darauf eingegangen, erwähnt sei dies jedoch insofern, dass der aufmerksame Leser über diese Absätze und Entwicklungen stolpern wird, denn nicht nur hier, auch an anderer Stelle scheint die Anpassung der weiblichen Hauptfigur an ihre ungewohnte und neue Situation doch sehr rasant vonstattenzugehen, sodass ihr Verhalten nicht immer glaubwürdig und nachvollziehbar wirkt.
Abgelenkt wird man von dieser schnellen Charakterentwicklung jedoch u.a. durch einige witzige Dialoge und sympathische Nebenfiguren.

Diana Gabaldon (Copyright: Christian Kaufmann)

Diana Gabaldon (Copyright: Christian Kaufmann)

Optisch sorgt „Outlander. Feuer und Stein“ sowohl durch den Einband als auch durch die illustrierte Karte vom „Weg nach Culloden“ im Inneren des Buches für kleine Eyecatcher. Trotzdem hätte es ruhig noch ein wenig mehr sein dürfen; vor allem der umfangreiche Anhang (von einem abgedruckten Interview mit der Autorin, über Erklärungen zur „inneren Geometrie“ der einzelnen „Highland-Saga“-Bände bis hin zur schriftlichen Diskussionsrunde Gabaldons zum Thema „Politisch korrekt = historisch korrekt?“, dem Kurztext „Der Garten von Leoch“, das Zuwortmelden der Übersetzerin Barbara Schnell sowie einer „Zeitleiste der historischen Ereignisse“) ist zwar interessant, optisch hingegen wenig spektakulär dargeboten.

Dafür liegt das gewichtige Stück Buch gut in der Hand, ohne nach wenigen Seiten bereits ob seiner Masse an sehr dünnen Seiten auseinanderzufallen. Die flexible Bindung zeigt sich unerwartet stabil und macht auch bei wiederholtem Lesen nicht schlapp.

Für jene, die mit ihrer bisherigen Übersetzung zufrieden sind, sicherlich kein dringendes Muss, wer jedoch Gabaldons „Highland-Saga“ bisher verpasst, aber dennoch Interesse daran hat, für den bietet sich mit vorliegender Ausgabe von „Outlander. Feuer und Stein“ ein schön aufgemachtes Werk, das dazu verleitet, sich auch weiterhin mit der schottischen Welt um Claire Randall zu befassen.

Inhalt

Der Welterfolg erstmals in ungekürzter Neuübersetzung

Schottland 1946: Die englische Krankenschwester Claire Randall verbringt mit ihrem Ehemann einen Urlaub in den Highlands. Eines Tages betritt sie neugierig einen alten Steinkreis und wird darin ohnmächtig.
Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein „Outlander“.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Diana Gabaldon, geboren 1952 in Arizona, war Professorin der Meeresbiologie, bevor sie zu schreiben begann. Mit „Feuer und Stein“ begründete sie die international gefeierte und millionenfach verkaufte „Highland-Saga“.
Diana Gabaldon ist verheiratet und hat drei Kinder.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Quality Paperback
Vö-Datum: 04.05.2015
Seitenzahl: 1136
ISBN: 978-3-426-51802-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde