Review

Von Schottland nach Frankreich – Protagonistin Claire Randall reist nicht nur in der Zeit, sondern im zweiten Band der in ungekürzter Neuübersetzung veröffentlichten Highland-Saga von Diana Gabaldon auch durch die Weltgeschichte. Und dieser Begriff ist in „Outlander“ sowohl geografisch als auch durchaus wörtlich zu verstehen, denn die Autorin verbindet in jedem neuen Roman markante Geschehnisse aus der Geschichte mit ihrer Handlung und knüpft sie an historiennahe Schauplatzwechsel.

In „Outlander – Die geliehene Zeit“ ist es vor allem die Schlacht um Culloden, die den historischen Schwerpunkt des Plots bildet. So verheißt es zumindest der Klappentext des Buches. Inhaltlich wird jedoch überraschenderweise nur wenig bzw. sehr detailarm auf dieses Geschichtsereignis eingegangen. Als Ursache für den Schauplatzwechsel nach Frankreich zwar angeführt, bleiben die eigentlichen Geschehnisse der Romanhelden auf dem Schlachtfeld über weite Strecken im Dunkeln. Stattdessen konzentriert sich Diana Gabaldon auf langatmige ausschmückende, aber letztlich irrelevante Schilderungen, die dazu verleiten, einige Passagen querzulesen, sowie verstärkt auf die Einführung der neuen Figur Brianna, Tochter von Jamie Fraser und Claire Randall, die auch im weiteren Verlauf der Reihe eine zunehmend gewichtigere Rolle einnehmen wird.

Beginnt Diana Gabaldon ihren zweiten Band zunächst im Jahr 1968, führt sie die Leser bereits nach wenigen Kapiteln in die Vergangenheit und zurück zu dem sympathischen Protagonisten Jamie Fraser. Geschickt verpackt als eine Art ausführliche Rückblende, landet man dadurch im Jahr 1744. Entgegen den Erwartungen – und es hätte durchaus sehr viel Potenzial gehabt und Sinn ergeben, näher darauf einzugehen – bleibt die Schlacht um Culloden lange Zeit nur eine vage „Idee“. Wenig greifbar wird dieses Geschichtsereignis in „Outlander“ integriert.

Dass Gabaldon des Öfteren eher oberflächlich bleibt, ist jedoch keine Neuigkeit, die überraschen sollte. Bereits mit dem ersten Band hat sie mehr als deutlich gemacht, dass ihre Saga im Bereich der historisch-romantischen Trivialliteratur anzusiedeln ist. Diese Tatsache und auch ihre erdachten Figuren mögen polarisieren, umso unterhaltsamer die folgende Passage, welche die Autorin auf Seite 1212 des Romans (man möchte fast sagen selbstironisch) zum Besten gibt:

Und darunter das Notizbuch, das in feiner, kursiver Handschrift vollgeschrieben war und von Ordnungssinn und Irrsinn zeugte, Mythos und Wissenschaft vermischte, sich bei Gelehrten genau wie bei Legenden bediente und ganz auf die Macht der Träume baute. Für jeden zufälligen Beobachter war es entweder halbgarer Unsinn oder bestenfalls der Entwurf für einen intelligent gemachten, aber albernen Roman. Nur für mich hatte es das Aussehen eines sorgfältig durchdachten Plans.

(„Outlander. Die geliehene Zeit“, S. 1212)

Diana Gabaldon (Copyright: Christian Kaufmann)

Diana Gabaldon (Copyright: Christian Kaufmann)

Auch „Outlander“ wird nicht jeden Lesergeschmack treffen, denn tatsächlich ist die Reihe für die einen „halbgarer Unsinn“ oder ein „alberner Roman“, für die anderen ein durchdachtes, an Komplexität gewinnendes Epos, das auch blumige Romantik und explizitere Erotik anführt. Wie die Meinung hier auch individuell ausfallen mag, Fakt ist, dass Diana Gabaldon immer wieder Diskussionen auslöst. Ob ihr dargebotenes Frauenbild, unzureichend dargebotener Histo-Content oder einzig der Umstand, mit Nichtigkeiten schriftstellerische Erfolge verbuchen zu können, dies alles ruft diverse Kritiker auf den Plan. Und das teilweise nicht ganz unbegründet. So muss sich jeder selbst ein Bild von ihrer „Outlander“-Saga machen. Wer jedoch den ersten Band (auch in seiner Neuübersetzung) bereits ansprechend fand, wird auch von seinem Nachfolger nicht enttäuscht werden.

Inhalt

Band 2 der großen Highland-Saga in ungekürzter Neuübersetzung

Schottland 1968: Zwanzig Jahre, nachdem Claire Randall aus der Vergangenheit zurückgekehrt ist, bringt sie ihre Tochter Brianna in die Highlands. Brianna soll endlich das Land ihres Vaters kennenlernen. Außerdem sucht Claire die Antwort auf eine Frage, die sie seit über zwanzig Jahren quält: Hat ihre große Liebe Jamie Fraser die schreckliche Schlacht bei Culloden überlebt?

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Diana Gabaldon, geboren 1952 in Arizona, war Professorin der Meeresbiologie, bevor sie zu schreiben begann. Mit „Feuer und Stein“ begründete sie die international gefeierte und millionenfach verkaufte „Highland-Saga“.
Diana Gabaldon ist verheiratet und hat drei Kinder.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 02.11.2015
Seitenzahl: 1232
ISBN: 978-3-426-51810-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde