Review

Die Vergangenheit bietet viel Stoff, den man literarisch verarbeiten kann, insbesondere dann, wenn man sich als Autorin im Bereich der historischen Romane und zudem mit zeitreisenden Figuren austobt. Und so findet Diana Gabaldon auch für „Das flammende Kreuz“, den fünften Band ihrer „Outlander“-Saga, genügend Material, um die Geschichte von Jamie Fraser und Claire Randall fortzusetzen.

Bereits nach den ersten Kapiteln wird jedoch deutlich, dass die Luft bei Autorin und Epos ein wenig raus zu sein scheint, denn obschon sich das Setting und der geschichtliche Kontext ändern und auch die einzelnen Figuren an biografischen Details über die vorherigen vier Bände gewonnen haben, wiederholt sich das Gesamtgeschehen doch zu sehr.

Stehen verstärkt einstige Nebenfiguren nun im Fokus, verliert sich Gabaldon die Protagonisten betreffend seitenweise in ermüdenden, handlungsirrelevanten Passagen. Mit Beschreibungen des Kräutersammelns und Ausschweifungen über die damalige Heilkunst wird eine nahezu nicht vorhandene Handlung künstlich aufgebläht, sodass letztlich die Beschreibung einer Wildschweinjagd nicht nur für vegane Leser das Nervenaufreibendste des 1360-seitigen Wälzers bildet. Diese reichlich vorhandenen Passagen verleiten selbst eingefleischte „Outlander“-Fans zum Querlesen oder Überspringen einzelner Abschnitte.

So ganz will die „Highland“-Saga der Autorin auch ihrem Namen nicht mehr gerecht werden, denn wer sich mit „Das flammende Kreuz“ ein weiteres Mal in den schottischen Gefilden wähnt, wird feststellen, dass vom einstigen „Highland“-Charme nur noch wenig übrig ist.

Die historisch bedingte Schauplatzverlegung nach North Carolina (in das Jahr 1770) birgt zwar eine Menge Potenzial, geschichtsträchtige Ereignisse dieser Zeit aufzugreifen, doch abermals streift Gabaldon jene – wenn überhaupt – nur sehr oberflächlich. Fokussiert auf den Regulatorenkrieg, der letztlich nur wenige Seiten im Roman einnimmt, werden weitere Möglichkeiten zur historisch-literarischen Unterhaltung verpasst.

Diana Gabaldon (Copyright: Christian Kaufmann)

Diana Gabaldon (Copyright: Christian Kaufmann)

Bräche man den Inhalt auf seine Kernaussage herunter und würde man die sich in unnötigen Details verfangenen Abschnitte komplett streichen, so bliebe neben einem schnell ausgelesenen Taschenbuch genau genommen nur eine Trivial-Romanze, die laut Klappentext ein weiteres Mal auf eine harte Probe gestellt wird. Immerhin, von der „härtesten Probe seit langem“ ist dabei die Rede. Ernüchternd dann, dass von der angedeuteten Bedrohung der Liebe der Hauptfiguren oder von sonstiger Emotionalität nur wenig zu spüren ist. Die Wirkung des Textes auf den Leser geht immer wieder verloren, indem Diana Gabaldon es versäumt, zumindest einige Passagen auf den Punkt zu bringen oder spannend und interessant zu inszenieren.

Den Erwartungen wird „Outlander – Das flammende Kreuz“ nicht gerecht, dafür aber dem Status eines Lückenfüllers. Ein hoffentlich vorübergehender Tiefpunkt der Saga, die bei ausbleibender Steigerung besser eher hätte beendet werden sollen.

Inhalt

Band 5 der Highland-Saga in exklusiver Neuausstattung

North Carolina 1770. Jamie und Claire Fraser haben in den britischen Kolonien Nordamerikas Fuß gefasst, doch die Ruhe und der Frieden auf ihrem Anwesen Fraser’s Ridge sind trügerisch. Denn unter den immer zahlreicher einwandernden Siedlern gärt es, zunehmend unwillig nehmen die Einwohner der Kolonien die Bevormundung durch die britische Zentralregierung hin. Als es zu ersten Aufständen kommt, muss auch Jamie sich entscheiden, auf wessen Seite er stehen will. Und für Claire ist die Situation noch schlimmer: Sie weiß, dass der Regulatorenkrieg ihre und Jamies Liebe auf die härteste Probe seit langem stellen wird.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Diana Gabaldon, geboren 1952 in Arizona, war Professorin der Meeresbiologie, bevor sie zu schreiben begann. Mit „Feuer und Stein“ begründete sie die international gefeierte und millionenfach verkaufte „Highland-Saga“.
Diana Gabaldon ist verheiratet und hat drei Kinder.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.03.2016
Seitenzahl: 1360
ISBN: 978-3-426-51822-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde