Review

Hier steht Clown auf der Speisekarte

Alle, die dachten Band 2 hätte merkwürdige und abstruse Wege eingeschlagen und wäre inhaltlich-thematisch ein Stück weit abgedriftet, die haben ganz gewiss „Der Joker 3: Menschenfresser“ noch nicht gelesen.

Nach einem kurzen Intermezzo in Paris wird der Joker von einer ebenso wohlhabenden wie völlig wahnsinnigen Familie entführt. Der Clownprinz des Verbrechens wird nach Texas verschleppt, wo die Familie Sampson residiert. Wie sich zeigt, ist der deutsche Titel der Ausgabe hier durchaus wörtlich zu verstehen. Denn die kannibalistischen Sampsons beabsichtigen, den Clown aus Gotham gut durchgegrillt zum Dinner zu verspeisen.

Als der Grill bereits glüht, überschlagen sich hier indessen abermals die Ereignisse. Vengeance, die Nachfolgerin des (vermeintlich) toten Muskelprotzes Bane, taucht auf dem texanischen Landsitz auf. Sie hat es ebenfalls auf den Joker abgesehen. Der kürzlich schwerverletzte James Gordon begibt sich auch dorthin, um seinen Auftrag zu erfüllen.

Auf überaus durchschnittlichem Niveau angelangt 

Hatten wir hinter dem Auftakt der Reihe – „Der Joker 1: Töte den Joker!“ – noch eine Offenbarung und einen Fingerzeig in Richtung großartiger Zukunft vermutet, so kehrt vorliegend doch eine große Ernüchterung ein.

Von der zu Beginn beklemmenden Reise in und durch das Seelenleben von James Gordon, der tiefenpsychologischen Betrachtung des tragischen Helden sowie den überaus gekonnten Verweisen auf „Batman: Killing Joke“ ist nichts verblieben.

Das Finale ist noch am besten umschrieben mit „Texas Chainsaw Massacre“-Madness. Von der vermeintlichen Titelfigur der Serie wird der Joker mehr und mehr zum Spielball des Geschehens und zur Randfigur degradiert. Zwischenzeitlich stellt sich lediglich noch die Frage, ob er den menschenfressenden Verrückten, der muskelbepackten Vengeance oder doch einem möglicherweise entfesselten Jim Gordon zum Opfer fällt. Dies ist nicht gerade die Art und Weise der Darstellung, wie ich sie mir für den gefährlichen, wahnsinnigen Mörder von Gotham City vorstelle – im Allgemeinen immerhin Batmans schlimmster Feind.

Leseprobe aus „Der Joker 3: Menschenfresser“. (Copyright: Panini Comics)

Dass es hier zwischendurch freilich abgedreht, actiongeladen, blutrünstig und dadurch unterhaltsam zugeht, soll nicht verschwiegen werden. Allerdings verbarg sich hier die Versprechung einer großen, bedeutungsvollen Geschichte. Die Enttäuschung ist daher groß.

Meines Erachtens ist insbesondere das eigentliche Finale als Eingeständnis einer ziemlich verworrenen und abgedrehten sowie unnötig komplizierten und zuletzt verfehlten Geschichte zu betrachten. Hier lassen James Tynion IV und Matthew Rosenberg ihre Hauptfigur Jim Gordon nochmals sämtliche verdrehte Ereignisse rekapitulieren, um seinem alten Freund Batman davon zu berichten. Es wirkt gerade so, als wollten sie der Leserschaft noch einmal mit einer gewissen Klarheit vermitteln, was zuvor nicht gelungen ist.

Der harte Bruch in der Qualität der Erzählung spiegelt sich in den Bildern wider. So stammt das hochqualitative Artwork zwar von den Könnern Giuseppe Camuncoli und Francesco Francavilla, die den Sammelband auf ihre Art mit starken Zeichnungen versehen. Nichtsdestotrotz vermissen wir Guillem March, der uns zum Auftakt so nachhaltig beeindruckt hat.

Fazit

Ein fulminanter Auftakt hat erheblich größere Erwartungen geweckt, als letztlich befriedigt werden konnten. Die verheißungsvolle Story begnügt sich zum Schluss damit, mit dem Status quo ante zu enden und im Prinzip keine erinnerungswürdigen Erkenntnisse für die Beziehung zwischen Jim Gordon und dem Joker zu liefern. Eine revolutionäre Joker-Saga benötigt indessen nicht nur eine ansprechende Idee oder Ausgangslage, sondern auch eine entsprechende Auflösung.


Der Joker 3

Inhalt

Der finale Band

Auf der Jagd nach dem Joker wurde James Gordon schwer verletzt. Doch er gibt nicht auf. Trotz seiner Verwundung begibt er sich nach Texas, wo die steinreiche Familie Sampson in einem riesigen, aber abgelegenen Haus residiert. Sie haben den Joker gefangen, denn er ist verantwortlich für den Tod eines ihrer Familienmitglieder. Und dafür wollen sie ihn nicht nur töten – sie wollen ihn verspeisen! Denn die Sampsons sind irre Kannibalen!

James Gordon aber will den Joker der Gerechtigkeit zuführen – und ebenso die menschenfressende Familie Sampson. Doch auch der Rat der Eulen und die Bane-Nachfolgerin Vengeance kommen nach Texas!

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover / Paperback
Vö-Datum: 08.11.2022
Originalausgaben: The Joker 10–15
Seitenzahl: 172
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)