Review

Der goldene Kompass

Die Fantasy-Trilogie „His Dark Materials“ von Autor Philip Pullman ist weltweit bekannt und zog im Jahr 2007 bereits die kostspielige Verfilmung des ersten Teils der Reihe, „Der goldene Kompass“, u.a. mit Nicole Kidman und Daniel Craig, nach sich. Der bildgewaltige und unterhaltsame Film konnte in Sachen Einspielergebnis jedoch nicht überzeugen, und so blieb es bei bloß einem Teil der geplanten Trilogie von New Line Cinema.

Unter dem Titel „His Dark Materials“ ist kürzlich eine Fernsehserie in Kooperation von BBC und HBO erschienen, in der u.a. Dafne Keen und James McAvoy zu sehen sind.

Eine weitere Adaption der Roman-Reihe von Philipp Pullman ist der vorliegende Auftakt-Comic „Der goldene Kompass“ von Stéphane Melchior-Durand und dem französischen Comiczeichner Clément Oubrerie, der hierzulande beim Carlsen Verlag erscheint.

Kurzinhalt

In einer fantastischen Parallelwelt erleben wir die Abenteuer der lebensfrohen und selbstbewussten Protagonistin Lyra Belacqua.

Die Waise lebt in einer Welt, die unserer zwar ähnlich, aber doch komplett anders ist. Die Menschen werden von sichtbaren Dämonen begleitet, die nicht nur einen Teil der menschlichen Persönlichkeit darstellen, sondern auch Freunde in Tiergestalt sind. Als Lyras bester Freund verschwindet, macht sich das junge Mädchen auf eine gefährliche Reise und kommt dabei einer finsteren Verschwörung auf die Spur.

Wie ihr Onkel Lord Asriel will auch sie herausfinden, was es mit dem wundersamen „Staub“ auf sich hat. Ihre Expedition wird u.a. gestört von der kühlen und manipulativen Mrs. Coulter, während sie unterstützt wird von der Gemeinschaft der Gypter sowie dem eindrucksvollen Iorek Byrnison, einem sog. Panserbjørn, einem Eisbären in mächtiger Rüstung.

Auf ihrer Reise profitiert Hauptfigur Lyra davon, dass sie als einer der wenigen Menschen das sog. Alethiometer deuten kann, das Antworten auf beliebige Fragen geben kann.

Bewertung

Bewertet werden soll hier der Eindruck von der Comic-Adaption und nicht Philipp Pullmans Bestseller an sich. Dass Pullman mit der Trilogie „His Dark Materials“ eine fantastisch-fantasievolle Parallelwelt erschaffen hat, dürfte unstrittig sein.

Einblick in die Comic-Adaption von „Der goldene Kompass“. (Copyright: Carlsen Verlag)

Die Comic-Version von Zeichner Clément Oubrerie kann meines Erachtens leider überhaupt nicht überzeugen. Oubrerie macht viel zu wenig aus dem Medium, dessen er sich bedient. Die gesamte Ausgabe ist mit Text völlig überladen und nur allzu selten vermögen die Bilder mal für sich zu sprechen und mit Emotionen oder stimmungsvollen Bilderwelten allein zu punkten.

Dessen ungeachtet rechtfertigt auch der eher plumpe und grobe Zeichenstil des französischen Künstlers keine Kaufempfehlung. Sicherlich ist ein Zeichenstil auch immer Geschmackssache, aber ich konnte mit den Bildern, insbesondere den schroffen und harten Linien sowie den denkbar einfachen Charakterdesigns schlicht und ergreifend nichts anfangen.

Fazit

Obwohl Pullmans Welt auch in dieser Variante zweifellos eine gewisse Faszination auszuüben vermag, kann ich über die Comic-Adaption nicht viel Positives berichten. Eine „wunderschöne fantastische Bilderwelt“ sieht für mich schlechterdings anders aus. Der einfache Stil von Clément Oubrerie ist freilich gut zu überblicken und bietet sich daher womöglich für jüngere Leser an. Für solche dürfte die komplexe Welt von Philipp Pullman indessen wieder zu schwere Kost bieten.

Trailer

Inhalt

Der erste Band der Fantasy-Serie »His Dark Materials«.

Lyra lebt in einem College in Oxford und bekommt eines Tages Besuch von ihrem Onkel Asriel, der dort für eine Expedition in den hohen Norden werben will. Er zeigt den Wissenschaftlern unglaubliche Bilder von dem, was er dort zu finden glaubt: eine ganz andere, fantastische Welt! Kurz nach seiner Abreise geschehen merkwürdige Dinge: Ein Kind nach dem anderen verschwindet. Ob das etwas mit der Expedition zu tun hat? Als es auch Lyras besten Freund betrifft, macht sie sich selbst auf in den Norden und findet tatsächlich die Brücke zwischen den Welten. Mutig wagt sie den ersten Schritt …

(Quelle: Carlsen Verlag)

Zeichner

Clément Oubrerie
geboren 1966 in Paris, studierte in Frankreich und den USA.

Er hat über 40 Kinderbücher illustriert, Comics gezeichnet und Bücher gestaltet, und dafür diverse Preise erhalten. Er hat zwei Animationsstudios aufgebaut, von denen eins auf 3D-Animationen spezialisiert ist.

(Quelle: Carlsen Verlag)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 26.11.2019
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-551-76406-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)