Review

Dystopien treffen nach wie vor den Zeitgeist. Das zeigt sich auch in der düsteren Zukunftsvision von Mirka Andolfo und David Goy, deren erster Band unter dem Titel „Deep Beyond 1“ nunmehr beim Splitter Verlag erschienen ist.

Der Y2K-Bug und eine todbringende Anomalie

In dieser Alternativwelt-Geschichte haben sich die unheilvollen Vorhersagen im Zusammenhang mit dem sogenannten Millennium-Bug oder auch Y2K-Bug tatsächlich bewahrheitet.

Mit dem Jahrtausendwechsel kam es zu einem vollständigen und irreparablen Kollaps sämtlicher Computersysteme auf Erden. Überdies zeigte sich erstmals eine giftpilzartige Kontaminierung, welche nur noch als die Anomalie bezeichnet wird. Die Menschheit wurde in sogenannte Kolonien zurückgedrängt.

Nunmehr, im Jahr 2085, versucht ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Abnormität auf den Grund zu gehen.

Allerhand im Argen

Die wunderbare Cover-Gestaltung von Comic-Künstler Dan Panosian und die interessante Science-Fiction-Prämisse haben mich dazu bewogen, einen Blick auf den Auftakt von „Deep Beyond“ zu werfen.

Allerdings gibt es in dieser Story derart viele Baustellen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.

Obwohl der Millennium-Bug hier voll zugeschlagen haben soll, lassen sich großartige technologische Einbußen für die Menschheit auf den ersten Blick nicht ausmachen. Es wird bislang auch nicht ausgeführt, welche Einschränkungen von dem Zusammensturz der Computersysteme konkret ausgegangen sein sollen. Völlig unklar ist, ob und bejahendenfalls, welcher Zusammenhang zwischen dem Bug und der Anomalie besteht. Auch im Übrigen verfügt die giftige Anomalie über keinerlei Konturen. Abgesehen davon womöglich, dass sie giftgrüne Pusteln hervorruft und offenkundig gesundheitsschädlich ist. Es bleibt abzuwarten, ob sich hinter dem Gesamten noch eine gut durchdachte und strukturierte Geschichte verbirgt. Derzeit ist diesbezüglich indessen einige Skepsis angezeigt.

Leseprobe aus „Deep Beyond 1“. (Copyright: Splitter Verlag)

Wenig hilfreich ist – unter Berücksichtigung all dessen –, dass sämtliche Figuren bislang absolut farblos, klischeehaft und uninteressant bleiben. Es ist nicht einmal gänzlich klar, ob der ängstliche Wissenschaftler Paul vorliegend die Hauptfigur mimen soll. Die Beziehungen der Figuren untereinander bleiben undurchsichtig und schwammig, alle Akteurinnen und Akteure wirken austauschbar und haben bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Charaktertiefe. Mirka Andolfo und David Goy werden alle Hände voll zu tun haben, das Ruder hier noch herumzureißen.

Unter all diesen (Roh-)Baustellen findet sich jedoch auch das Artwork von Andrea Broccardo, das dem Gesamtprojekt eine gewisse Fertigstellung und Vollendung verleiht.

Der Strich von Zeichner Andrea Broccardo präsentiert sich als eine Fusion von westlichen und östlichen (Manga-/Anime-)Stilelementen, wobei die kraftvollen bunten Farben von Barbara Nosenzo die Illustrationen mit der entsprechenden Blockbuster-Wucht einkleiden.

Fazit

Gesellschaftskritik, Zukunftsvisionen und Dystopien gibt es derzeit wie Sand am Meer. Insbesondere in diesem Rahmen vermag der Beginn der Serie von Mirka Andolfo und David Goy nicht aus der Masse herauszustechen. Einzig das Artwork von Andrea Broccardo und Barbara Nosenzo sträubt sich aktuell bereits energisch gegen die Einordnung ins (untere) Mittelmaß.


Deep Beyond 1

Inhalt

Allen Warnungen zum Trotz hat der Millenium Bug das Ende der Welt eingeläutet. Heute fristen die Wenigen, die überlebt haben, ihr Dasein im Untergrund, suchen fieberhaft nach einem Heilmittel und versuchen das Unheil zu verstehen, das aus den Tiefen kam und die Menschheit so gut wie vernichtete. Der ängstliche Wissenschaftler Paul ist einer von ihnen, doch sein Leben nimmt eine drastische Wendung, als Agenten von der Oberfläche in sein Labor einbrechen und ihn kidnappen, mit einem wahnwitzigen Ziel vor Augen. Nicht zuletzt, da die Anführerin der Truppe einer alten Freundin zum Verwechseln ähnelt …

(Quelle: Splitter Verlag)

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 15.12.2021
Seitenzahl: 112
Band: 1 von 3
ISBN: 978-3-96792-232-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)