Review

Unter dem Banner „Deadpool vs. …“ gibt es inzwischen eine beachtliche Anzahl an Titeln aus dem Hause Marvel, die Panini auch den deutschen Lesern präsentiert hat. So stand der Söldner mit der großen Klappe hier schon namhaften Kontrahenten wie etwa Carnage, Hawkeye, Thanos oder auch der X-Force gegenüber. Wenn man so will, hat sich Wade unter dem Motto „Einer gegen alle“ auch schon mit jedermann angelegt, blickt man nur auf die sogenannte Killogy zurück, in der sich Titel finden wie „Deadpool killt das Marvel-Universum“, „Deadpool: Killustrierte Klassiker“ sowie auch noch „Deadpool killt Deadpool“ (alle drei für Deadpool-Fans unbedingt empfehlenswert!).

Markenzeichen dieser Serien sind in der Regel eine weitgehend sinnentleerte Handlung gepaart mit Klamauk und reichlich Action.

Nun folgt also der neueste Streich und die nächste Konfrontation steht an, wenn die Kinder der 90er Deadpool und Remy LeBeau alias Gambit in „Deadpool v Gambit“ aufeinandertreffen. Zumindest in Sachen Bekanntheit und Beliebtheit dürfte der nicht totzukriegende Söldner dem Mutanten mit den roten Augen inzwischen, spätestens wohl seit seinem Leinwandabenteuer, deutlich den Rang abgelaufen haben.

Für das erste (kleinere) Schmunzeln des Lesers zeigt sich hier der Titel verantwortlich, der ein ganz unverhohlener Seitenhieb auf den – kontroversen – Blockbuster „Batman v Superman: Dawn of Justice“ der Konkurrenz von DC ist. Im Gegensatz zur Vorlage folgt hier jedoch die einfache Erklärung auf dem Fuße, denn „Das ‚v‘ steht für ‚vs.'“; diesen einen fehlenden Buchstaben hätten sich viele wohl auch schon für den Kampf der DC-Titanen gewünscht.

Damit widmen wir uns dem Inhalt der vorliegenden Miniserie und es fällt recht zügig auf, dass selbst diese Richtigstellung hier eher nicht zutrifft, handelt es sich doch mehr um ein Team-Up der beiden Ikonen der 90er denn um ein waschechtes Versus. Wade und Remy übernehmen hier Aufträge für einen mysteriösen Mann namens Chalmers, wobei sie gleich zu Beginn der Story erst einmal gehörig Schindluder mit dem Ruf von Spider-Man und Daredevil treiben. Kurz danach finden sie jedoch heraus:

Betrogen vom Betrüger, der mit uns einen Betrug durchgeführt hat und den wir mit der Beute allein gelassen haben.

Derart setzt sich die Handlung auch fort und der unverwüstliche Söldner bringt es an einer Stelle treffend auf den Punkt, wenn er zu Gambit sagt:

Komm schon, wir machen das… Egal was es ist! Irgendwie müssen wir die Miniserie ja auch vollkriegen.

Oder auch:

Habt ihr in diesem Comic Gewalt erwartet? Sorry, in einer Betrüger-Story ist kein Platz für wilde Kämpfe.

Freilich ist das alles mit einem Zwinkern gemeint, aber es steckt zumindest ein Funken (oder mehr) Wahrheit dahinter.

Leseprobe aus „Deadpool v Gambit“ (Copyright: Panini Verlag)

Es gibt hier zwar die typischen Zutaten, wie etwa Gastauftritte diverser Asen, darunter auch Loki, sowie flapsige Sprüche, aber alles in allem will die erste gemeinsame Miniserie der beiden Fanlieblinge nicht so richtig funktionieren. Ob nun Anspielungen auf New York als das Hipster-Wonderland, eine Nebenstory über den koreanischen Mutanten Kim Il Sung alias Scrambler; das wirkt alles nicht zu Ende gedacht.

Normalerweise ist das Rezept so einfach wie effektiv: Man nehme Deadpool, kombiniere ihn mit einem Kollegen jedweder Art und lasse ihn in seiner Kerndisziplin dümmliche Blödeleien, eingebettet in actiongeladene Abenteuer, treiben. Viele Gags wollen hier leider nicht so recht zünden und so gelingt es den beiden Autoren Ben Acker und Ben Blacker (die Namen habe ich mir nicht ausgedacht!) nicht, dieses eigentlich harmonische, dynamische Duo angemessen zu inszenieren.

Deadpool-Fans haben inzwischen vermutlich schon zugegriffen. Alle Unentschlossenen warten besser auf das nächste Abenteuer oder greifen auf bekanntes und bewährtes Material zurück.

Inhalt

Deadpool und Gambit sind zwei wahre Ikonen der 90er, deren Beliebtheit ungebrochen ist. In diesem Band zeigen die beiden Antihelden, dass sie wirklich keine Moral kennen und jede Gelegenheit ausnutzen. Dabei zerstören sie den Ruf von Spider-Man und Daredevil, geraten mit diversen Asen einander und machen einen auf Iron Fist. Außerdem kehrt Scrambler zurück.

(Quelle: Panini Verlag)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 14.03.2017
Seitenzahl: 116
Storys: Deadpool v Gambit 1-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)