Review

Zurück zur Kings Dominion

Alles beginnt wie in einem Fiebertraum. Womöglich ist es sogar ein Fiebertraum. Marcus ist von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln geplagt. Wie konnte er an diesen Punkt geraten? Ein Großteil seiner Freunde ist tot – wegen Master Lin, der Kings Dominion und seiner unausstehlichen Mitschüler.

Doch die Erleuchtung trifft Marcus wie ein Blitz: Maria und er müssen an den Ort des Verderbens zurückkehren, zur Akademie für tödliche Künste, an die Kings Dominion. Schließlich haben sie, die Ratten, geschafft, was nicht zu schaffen war: Sie haben die mörderische Abschlussprüfung überlebt. Schuldirektor Lin begegnet der Rückkehr der zum Sterben auserkorenen Schüler mit Argwohn, erklärt sie aber ob ihrer Verdienste dennoch zur Elite der Kings Dominion. Freilich sehen das Viktor, Brandy, Shabnam und Grogda alles andere als gern, jetzt, wo sie es sich einsam an der Spitze so gemütlich gemacht hatten.

Marcus und Maria haben nur einen Plan: Auge um Auge.

Es ist die Ruhe vor dem Sturm

Während wir die letzte Ausgabe „Deadly Class 7: Blutige Liebe“ noch – völlig zu Recht – als ein „rasantes, blutiges und infernalisches Gewaltgewitter“ bezeichneten, so kehrt der großartige Rick Remender mit „Deadly Class 8: Kein Zurück“ (US-Titel: „Deadly Class Vol. 8: Never Go Back“) wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zurück. In dieser Hinsicht gibt es also doch ein Zurück.

Zwar gibt es auch hier wieder Action und Gewaltspitzen, etwa wenn Saya aus den Fängen ihres wahnsinnigen Bruders Kenji befreit werden kann. Wie eingangs bereits umschrieben, erweist sich indessen nahezu das gesamte erste Kapitel wie Bilderwelten in einem Fiebertraum.

Visuell und erzählerisch kraftvoll

Das herausragende Artwork von Zeichner Wes Craig und Kolorist Jordan Boyd kann von der Leserschaft nicht mit genug Applaus bedacht werden. Hier gibt es ein einmaliges und erstklassiges Paneldesign, immer wieder kreative Einfälle und überaus abwechslungsreiche Pastelltöne.

In der traumhaften Eingangssequenz verfolgt Marcus – gequält – seinen bisherigen Weg nach und findet scheinbar den Schlüssel, um grausame Rache für all seine Leiden und seine ermordeten Freunde zu nehmen. Hierdurch erhält der Comic noch einmal eine ganz neue Dynamik. Marcus und Maria bewegen sich plötzlich planvoller und besser im Haifischbecken als alle anderen Jäger. Man darf gespannt sein, ob sich zeitnah die geballte Kunst des Mordens gegen die bisherigen Mobber und Mobberinnen und Promkings und Promqueens wendet.

Die Typen: Reden darüber, wer das große Spiel gewonnen hat – warum, und wer das nächste Mal gewinnt. Die Mädels: Reden über einander, wollen verzweifelt ihre Meinung über andere Leute abladen. Alle sind beschäftigt damit, die abgefahrenen Geschichten der anderen zu übertrumpfen. Austauschbare Masken, gänzliches Desinteresse aneinander. Lächeln, machen einen auf Kumpel, aber verbergen nur ihre Zähne. Ihnen zuzuhören, nahm mir recht schnell jede Illusion. (…) Ich ziehe gebrochene Zyniker den wahnhaften Optimisten vor. Ich gehöre zu den Leuten, die nirgends hingehören.“

(Auszug aus Remenders Text, in „Deadly Class 8: Kein Zurück“, Cross Cult)

Leseprobe aus „Deadly Class 8: Kein Zurück“. (Copyright: Cross Cult)

Abermals ist Rick Remenders Text derart ausgezeichnet geschrieben, so lebensnah und greifbar, dass man meinen könnte, man läse Auszüge aus einem alten Tagebuch.

Da spricht der Außenseiter, der das Alleinsein und Anderssein gewöhnt ist und kennt; das Punkrock-Kid, das über die Bedeutung und die Kraft „echter“ Musik sinniert und an den Wert wahrer und wahrhaftiger Freundschaft glaubt; und auch der vermeintliche Zyniker, Nihilist und Besserwisser, der Liebe und Geborgenheit sucht.

Ich meine, man darf davon ausgehen, dass „Deadly Class“ nicht bloß von der brillanten Fantasie, sondern auch von dem autobiografischen Einfluss des Autors sowie der entsprechenden Wechselwirkung maßgeblich profitiert.

Fazit

„Deadly Class“ ist seit langer Zeit etabliert und meines Erachtens nach wie vor eine der besten Comic-Serien auf dem Markt.


Deadly Class 8: Kein Zurück

Inhalt

Die Abrechnung

Die altbekannte Crew kehrt an die Kings Dominion zurück, um festzustellen, dass sich die Dinge in ihrer Abwesenheit verändert haben. Das Programm hat sich geändert. Master Lins Pläne sind aufgeflogen. Verrat. Rätsel. Das Geheimnis der Katakomben unter der Schule. Der Tag des Jüngsten Gerichts für die Korrupten. Unsere Freunde versuchen, alles zusammenzuhalten, während die Abschlussprüfung der Erstsemester immer näher rückt …

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Rick Remender
ist ein amerikanischer Comicautor und Künstler, geboren am 06. Februar 1973. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Marvels Uncanny Avengers, die Uncanny X-Force und Venom.

(Quelle: Wikipedia)

Rick Remender – Homepage | Rick Remender – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 30.06.2021
Seitenzahl: 136
ISBN: 978-3-96658-481-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)