Review

Ab dem 08. Mai 2015 darf man gespannt sein auf Audioliths allererstes Hörbuch. Getroffen hat es „Das Homestory Magazin“, das bereits den Rocco Klein Preis für Musikjournalismus gewonnen hat. Und die Wahl hätte nicht besser ausfallen können.

Vorgetragen von Roland van Oystern und Ferdinand Führer. Die beiden nehmen den Hörer mit auf ihre Reise durch Deutschland, indem sie von ihren Treffen mit Bands bzw. Menschen, die in jenen Bands Mitglieder sind, berichten. Unterhaltsame Storys rund um ihre Erlebnisse.

"Das Homestory Magazin" - Grafik: “Nagel” von Muff Potter (Copyright: Das Homestory Magazin)

„Das Homestory Magazin“ – Grafik: “Nagel” von Muff Potter (Copyright: Das Homestory Magazin)

„Ich hätte, könnte, würde – aber stumpf ist Trumpf.“

Nein, das ist nicht aus dem Hörbuch, sondern aus Dendemanns Song „Stumpf ist Trumpf“, der mir beim Anhören von „Das Homestory Magazin“ immer wieder fetzenweise in den Sinn kommt. Denn der alltägliche Humor, den das Hörbuch an den Tag legt, ist genau das: stumpf. Er ist nicht wirklich geplant, sondern kommt im Laufe der Geschichten immer wieder hervor. Und zwar so stark, dass man sich danach fragen muss: „Warum habe ich über SOWAS jetzt gelacht?“
Einfach fantastisch für Leute, die es, nun ja, sehr platt mögen.

Allerdings ist dieses Hörbuch nichts für Zartbesaitete oder Hörer, die sich dafür zu erwachsen halten. Hauptsächlich liegt das an der doch sehr derben Sprache. „Das Homestory Magazin“ fängt zunächst sehr „harmlos“ an, steigert sich aber immer weiter – besonders wenn es um Tobias Scheiße von Hammerhead geht – ins Asoziale.

Auch wenn das jetzt sehr hart klingt, so ist die Umsetzung des Hörbuchs keinesfalls niveaulos. Ferdinand Führer und Roland van Oystern haben selbst sehr gefasste Erzählerstimmen. Nur die Dialoge ihrer Gesprächspartner sprechen sie mit verstellten Stimmen. Und zwar so stark, dass es schon in eine sarkastische Parodie übergeht.
Ich glaube, für mich wurde das komplette Weltbild von Frontmann Jan der Band Turbostaat zerstört, so übertrieben war die Interpretation seiner Stimme und seines Verhaltens, während Dirk von Lowtzows (Tocotronic) Stimme mit dem hallenden Effekt etwas Heiliges hat. Aber durch dieses Verstellen der Stimmen bilden die beiden Autoren einen starken Kontrast zu sich und ihren realen Charakteren, besonders da sie selbst nur als unbeteiligte Zeugen wirken.

"Das Homestory Magazin" - Grafik: Turbostaat (Copyright: Das Homestory Magazin)

„Das Homestory Magazin“ – Grafik: Turbostaat (Copyright: Das Homestory Magazin)

Die Storys beinhalten alles, von nettem Geplauder bis hin zur reinen Eskalation sowie die nachgeahmte Lache von Andy Kulosa von Impact Records, die wohl ein Highlight auf „Das Homestory Magazin“ ist.
Auch unterhaltsam ist Thorsten „Nagel“ Nagelschmidts (Sänger von Muff Potter) völlig überzogener Egotrip, einhergehend mit einem der schlechtesten Witze, der mir je untergekommen ist.
Ganz anders geht es beim Interview mit Bert & Frank der Band Supernichts zu, welches irgendwie etwas Tragisches an sich hat.

Als Hörer wird man in „Das Homestory Magazin“ buchstäblich hineingesogen. Das Einzige, was eine Grenze zwischen den verschiedenen Geschichten zieht, sind die kurzen, trötenden Klänge. Aber das ist es auch, was dieses Hörbuch ausmacht. Es wirkt alles sehr spontan und wirft einen von einer Situation in die nächste. Einen roten Faden sollte man dabei nicht suchen, sondern einfach die Storys auf sich wirken lassen. Selbst wenn das bedeutet, ab und zu das Hirn auszuschalten.

Roland van Oystern (2.v.l.) und Ferdinand Führer (rechts) vom "Homestory Magazin" (Copyright: Mona Hermann)

Roland van Oystern (2.v.l.) und Ferdinand Führer (rechts) vom „Homestory Magazin“ beim Rocco Klein Preis (Copyright: Mona Hermann)

Man wird sich nach Ende dieses akustischen Abenteuers eingestehen, dass man wohl nicht an allen Geschichten Gefallen gefunden hat. Dennoch hatte jede seine Momente, durch die sie einen bleibenden Eindruck im Kopf hinterlassen werden.

„Das Homestory Magazin“ ist nicht wirklich tiefsinnig oder emotional ansprechend, aber dafür verdammt unterhaltsam.
Die größte Stärke liegt wohl in der Irrationalität, die dieses Hörbuch auffährt, welche es zu keinem Zeitpunkt langweilig werden lässt.

Auch für Ohren geeignet, die sich nicht unbedingt mit der Indie-, Punk- oder Hardcoreszene auskennen. Aber umso lustiger für die, die es tun. Unterhaltungsfaktor auf „epischem“ Niveau.

Inhalt

Das erste Hörbuch EVER auf Audiolith! Aber da das Homestory Magazin 2014 den Rocco Klein Preis für Musikjournalismus gewonnen hat – und das vollkommen zurecht – haben wir uns dazu hinreißen lassen, diese wundervollen und skurillen Geschichten auch im Audioformat verfügbar zu machen. Eingesprochen von den kreativen Köpfen hinter dem Projekt selbst, Roland und Ferdinand. Ebendiese lassen wir an dieser Stelle zu Wort kommen, was das Homestory Magazin eigentlich ist:

„Seit nunmehr zwei Jahren reisen wir durch die Bundesrepublik, um uns mit verschiedenen Männern mittleren Alters zu treffen. Alle diese Männer sind mehr oder weniger prominent (manche mehr, manche weniger) und die meisten davon spielen in Bands, deren Musik uns seit Jahren begleitet.
Gerade deswegen waren diese Besuche wunderbare Erlebnisse. Oftmals waren wir aufgeregt und in Sorge, man könne uns schlecht behandeln oder gar schlagen. Aber jede Sorge war unbegründet. Alle waren so nett, wie wir es uns gewünscht haben. Und überhaupt niemand war ein Arschloch. Mittlerweile verbindet uns zu fast allen eine mehr als nur herzliche Beziehung, die weit über bloße Szenekooperation oder Sex hinausgeht.
Viele Stunden und Kilometer verbrachten wir in Autos und Zügen, an Bahnhöfen und Tankstellen. Auf Konzerten und in fremden Wohnungen, in Proberäumen und Gastronomiebetrieben. Lange Nächte saßen wir vorm Computer, dachten uns Fragen aus oder hackten die Homestories rein. Zusammenfassend lässt sich nur sagen: Es hat sich gelohnt.
Wir wünschen Euch viel Vergnügen, Euer Reporterteam“

(Quelle: Audiolith)

Trackliste

01 Intro
02 Turbostaat
03 Claus Lüer (Chefdenker)
04 Andy Kulosa (Impact Records)
05 Nebula Fünf Enterprise Int.
06 Stefano Stiletti (Panzerknacker)
07 Nagel (Muff Potter)
08 Bert & Frank (Supernichts)
09 Pascow
10 Carsten Friedrichs (Superpunk)
11 Tobias Scheiße (Hammerhead)
12 Dirk von Lowtzow (Tocotronic)
13 Outro

Details

Das Homestory Magazin – Homepage
Das Homestory Magazin – Facebook

Format: Hörbuch
Veröffentlichung: 08.05.2015
Spielzeit: 1:24:03
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Audiolith

Copyright Cover: Audiolith



Über den Autor

Christopher