Review

Enttäuschende Realverfilmungen haben Daredevil und der Punisher bereits hinter sich. Trotz eines prestigeträchtigen Casts (mit Ben Affleck, Jennifer Garner, Michael Clarke Duncan und Colin Farrell) konnte der Film „Daredevil“ aus dem Jahr 2003 bei den Fans nicht landen. Ebenso sind die neuerlichen Anläufe, dem Punisher ein filmisches Denkmal zu setzen, gescheitert. „The Punisher“ von 2004, in dem Thomas Jane den Kriegsveteranen verkörperte, konnte die meisten nicht überzeugen und so richtig floppte dann „Punisher: War Zone“ aus dem Jahr 2008, in dem Ray Stevenson in die Rolle des Punishers geschlüpft ist.

Umso erfreulicher ist es doch, dass diese beiden Marvel-Ikonen in der Netflix-Serie „Daredevil“ eine ihnen gebührende Darstellung erfahren haben. Nachdem die erste Staffel insbesondere im Zeichen des Konflikts zwischen Matt Murdock alias Daredevil (Charlie Cox) und dem Kingpin Wilson Fisk (Vincent D’Onofrio) stand, erhielt in der zweiten Staffel auch der Punisher eine besonders gewalttätige und gelungene Inkarnation durch Jon Bernthal.
Von dem besonderen Reiz, der sich aus den Gegensätzen dieser beiden Figuren ergibt, möchte nun auch der vorliegende Band mit dem Titel „Daredevil/Punisher: Der siebte Kreis“ profitieren.

Daredevil gegen den Punisher, d.h. wir haben auf der einen Seite den wortkargen und grimmigen Kriegsveteranen Frank Castle, den über Leichen gehenden Verbrecherjäger Punisher; Marvels knallharter und gnadenloser Antiheld, der, nachdem er seine Familie im Kreuzfeuer einer Mafia-Hinrichtung in einem Park verloren hat, nur noch seinem eigenen moralischen Kodex verpflichtet ist. Auf der anderen Seite Matt Murdock, der blinde Anwalt der Unschuldigen, der als maskierter Held Daredevil die rauen Straßen von Hell’s Kitchen bewacht.

Der Kontrast zwischen den beiden Protagonisten ergibt sich auch aus einem Dialog in dieser Ausgabe:

„Moment… Der Punisher? Ist das nicht einer von den Guten? Einer, der die Bösen schnappt, genau wie du?“

„Wir haben nichts gemeinsam. Castle ist gestört (…) Er schnappt die Bösen nicht. Er tötet sie.“

Die Handlung von „Daredevil/Punisher: Der siebte Kreis“ ist recht schnell erzählt: Staatsanwalt Matt Murdock hat dafür gesorgt, dass der brutale New Yorker Gangsterboss Sergey Antonov für seine Verhandlung nach Texas überführt wird. Der Gefangenentransport gestaltet sich jedoch mehr als schwierig, denn der Punisher hat etwas dagegen, dass Antonov lebend dort ankommt. Daredevil und sein neuer Partner Blindspot sind jedoch fest entschlossen, die Verlegung über die Bühne zu bringen. Wie das Ganze ausgeht, müsst ihr selber nachlesen.

Hier ist so einiges neu beim Mann ohne Furcht: Statt klassisch in rot, trägt Daredevil nun ein schnittiges schwarzes Kostüm, lediglich noch mit roten Buchstaben auf der Brust; außerdem verfügt er mit Samuel Chang alias Blindspot über einen neuen Sidekick; nicht zuletzt ist Matt Murdock auch nicht mehr Rechtsanwalt, sondern inzwischen stellvertretender Bezirksstaatsanwalt von New York.

Was die dünne Story angeht, so dürften einige Leser hier enttäuscht werden, da es wirklich nicht viel mehr dazu zu sagen gibt, als die obige Zusammenfassung. Zwar macht der Band durchaus Laune, dennoch wäre hier ein wenig mehr Tiefgang wünschenswert gewesen; gerade ob der oben genannten Vorteile, die sich aus einer Geschichte mit derart konträren Figuren ergeben können.

Woran es nicht fehlt, sind natürlich knallharte Actionsequenzen und eine brutal-düstere Atmosphäre. Die Ausgabe glänzt außerdem mit einem durchgehend ansehnlichen Artwork, was nicht selbstverständlich ist, da hier mit Reilly Brown, Szymon Kudranski sowie Mast, gleich drei Zeichner am Werk waren. Allein das Coverartwork macht schon Lust aufs Schmökern.

Als Fazit muss man aber sagen: „Daredevil/Punisher: Der siebte Kreis“ hätte durchaus mehr Potenzial gehabt und erreicht vermutlich nicht die hohen Erwartungen, die einige Leser gerade nach der tollen zweiten Staffel der Netflix-Serie haben dürften. Das ist umso bedauerlicher, als dass die neue Daredevil-Serie von Autor Charles Soule bei Panini schon keine Heimat mehr gefunden hat und somit dem deutschen Leser entgehen wird. Zumindest für alle Fans des Punishers gibt es jedoch Nachschub, denn erst kürzlich erschien „Punisher: Bd. 1: Operation Condor“. Für eine kurzweilige Lektüre sollte diese mit zahlreichen Kampfszenen ausgestattete Ausgabe dennoch ausreichen.

Inhalt

Ein brutaler New Yorker Gangster soll für seine Verhandlung nach Texas überführt werden. Und der Punisher setzt alles daran, dass er niemals lebend dort ankommt. Doch der Angeklagte steht unter dem persönlichen Schutz von Daredevil und seinem Partner Blindspot. Werden sie ihn bis zum Äußersten vor Frank Castle verteidigen, obwohl dem Häftling die Todesstrafe winkt?

(Quelle: Panini Verlag)

Autor

Charles Soule
ist ein New Yorker Schriftsteller, Musiker und Rechtsanwalt. Bekannte Werke sind Daredevil, She-Hulk, der Tod von Wolverine und verschiedene Star Wars sowie Marvel Comics.

(Quelle: Wikipedia)

Charles Soule – Homepage
Charles Soule – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 21.03.2017
Seitenzahl: 132
Storys: Daredevil/Punisher 1-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)