Review

Wiedersehen macht Freude

Daredevil-Comics sind hierzulande in der heutigen Zeit leider ein seltenes Gut geworden. Die letzten Abenteuer rund um den Mann ohne Furcht, die wir hier vorgestellt haben, waren das Crossover „Daredevil/Punisher: Der siebte Kreis“ sowie die düstere Story „Daredevil: So finster die Nacht“ aus der „Daredevil: Back in Black“-Reihe von Autor Charles Soule, zeichnerisch brillant umgesetzt von Goran Sudzuka („A Walk through Hell 2: Die Kathedrale“).

Ein erfreuliches Wiedersehen mit dem Schutzteufel von Hell’s Kitchen gibt es nun mit „Daredevil: Der Tod von Daredevil“ (US-DAREDEVIL (2017) #606-612), wiederum aus der Feder von Charles Soule.

Wie der Titel jedoch schon verrät, soll die Wiedersehensfreude offenbar nicht allzu lange anhalten.

Sturz des Bürgermeisters

Wilson Fisk hat es endgültig geschafft. Der Kingpin der Unterwelt ist der Bürgermeister von New York. Dass es dabei nicht ganz legal zuging, dürfte auf der Hand liegen.

Der frühere Rechtsanwalt, Bezirksstaatsanwalt und stellvertretende Bürgermeister Matt Murdock alias Daredevil ist entschlossen wie nie, Fisk als Verbrecherkönig und Wahlbetrüger zu entlarven. Dafür stellt der Beschützer seines Viertels Hell’s Kitchen eine ungewöhnliche Truppe zusammen: Der Mann ohne Furcht will gemeinsam mit dem Mutanten Cypher, Inhuman und Profi-Ermittler Frank McGee sowie dem mysteriösen und ebenfalls blinden Reader den Kingpin vom Thron zu stoßen.

Die Sache wird allerdings abstrus, als auf einmal Matt Murdocks fiktiver Zwillingsbruder, sein Alter Ego Mike Murdock, auf der Bildfläche auftaucht. Diesen Teufelskerl dürfte es eigentlich gar nicht geben, und doch ist er ganz real und hat auf einmal eigene Wünsche und Ziele.

The Death of Daredevil

„Der Tod von Captain America“, „Der Tod von Superman“, „Der Tod von Wolverine“ oder auch „Batman: Ein Todesfall in der Familie“ – die Liste ist lang. Daredevil ist weder der erste noch wird er der letzte Superheld sein, den die Comic-Industrie (zumindest vorläufig) zu Grabe trägt.

Autor Charles Soule hat derweil als Totengräber bereits Erfahrung gesammelt und vor einigen Jahren schon Logan zur vorübergehenden Ruhe gebettet. Das Ende des Weges ist für Matt Murdock und seine Karriere als kostümierter Held und Schutzteufel von Hell’s Kitchen erreicht.

Daredevil hat wie üblich seine Probleme in den Straßen von New York. (Copyright: Panini Comics)

Dabei hat der Leser bis zu den letzten Seiten nicht wirklich das Gefühl, dass hier das letzte Kapitel in der Biografie von Matt Murdock geschrieben werden soll.
Im Fokus stehen überwiegend die Ermittlungen gegen New Yorks Bürgermeister Wilson Fisk und nebenbei auch die Enthüllung der Identität des eigentlich fiktiven Mike Murdock.

Die Teamchemie zwischen Daredevil und seinen neuen Verbündeten gelingt Soule dabei sehr gut, wobei die Figuren – abgesehen von Inhuman Frank McGee – eher eine Randnotiz bleiben.

Die Ära um Matt Murdocks Kampf gegen das Verbrechen geht dann zu Ende mit einem gelungen inszenierten Twist, den man zwar theoretisch schon lange vorher erahnen kann, in seiner konkreten Ausgestaltung dann aber doch nicht kommen sieht.
Der Mann ohne Furcht endet ruhmlos und unspektakulär. Kein großer Kampf, keine große Enthüllung, kein glorreicher Abgesang. Es musste so kommen.

Fazit

Die Wiedersehensfreude währt für die deutschen Leser nur kurz, wenn Autor Charles Soule den Schutzteufel von Hell’s Kitchen zum Abschluss seiner „Daredevil: Back in Black“-Serie mit seiner Sterblichkeit konfrontiert. Die Spannungsmomente in der Geschichte halten sich überwiegend in Grenzen, aber der Autor hat einen netten Story-Twist erarbeitet, den man so nicht unbedingt erwartet hätte. Zeichner Phil Noto steuert darüber hinaus – wie gewohnt – ein sehenswertes Artwork bei.

Bis bald, Mann ohne Furcht.

Inhalt

Das Ende einer Ära! 

Daredevil ist entschlossen, New Yorks Bürgermeister Wilson Fisk zu stürzen. Doch als er für seinen Kampf skurrile Verbündete gewinnt, wird Matt mit einem Horror konfrontiert, der seine wildesten Träume übertrifft. Sein früheres Alter Ego Mike Murdock, ein fiktiver Zwilling, den er frei erfunden hat, ist zu Fleisch und Blut geworden. Und Mike hat gefährliche Pläne.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Charles Soule
ist ein New Yorker Schriftsteller, Musiker und Rechtsanwalt. Bekannte Werke sind Daredevil, She-Hulk, der Tod von Wolverine und verschiedene Star Wars sowie Marvel Comics.

(Quelle: Wikipedia)

Charles Soule – Homepage | Charles Soule – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 20.01.2020
Originalausgaben: Daredevil 606-612
Seitenzahl: 172
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)