Review

Mit Frank Miller hat Marvel 1993 ein Daredevil-Urgestein die Feder schwingen lassen, als „Daredevil – The Man without Fear“ im Original erschien. Ab heute ist der Band auch in deutschen Landen zu finden und soll Neueinsteigern die Serie näherbringen. Gut getimed, denn mit der Netflix-Serie „Daredevil“ erlebt die Reihe um den Vigilanten aus Hell’s Kitchen gerade neuen Aufschwung.

In fünf Kapiteln erzählt Miller (RONIN, Sin City, 300) hier noch einmal die Geschichte, wie Matt Murdock zum Kämpfer für Gerechtigkeit wird.
Die künstlerische Gestaltung übernimmt John Romita Jr. (Uncanny X-Men, Kick-Ass, Captain America).

Die Geschichte kennen viele bereits: Matt Murdock verliert durch einen Chemie-Unfall sein Augenlicht. Stattdessen erhalten seine verbleibenden Sinne eine so immense Steigerung, dass er quasi mit Gehör, Geruch und Tastsinn „sieht“. In seinen Fähigkeiten wird er von dem mysteriösen Stick trainiert – zumindest bis Matt einen schweren Fehler begeht.

Dieser Sammelband ist eigentlich für Menschen wie mich gemacht – bis auf die Netflix-Serie und den eher mittelprächtigen Film mit Ben Affleck habe ich Daredevils Wege eher nicht gekreuzt. Aber Netflix machte Lust auf mehr und so entschied ich mich dazu, mir diesen Band einzuverleiben. Doch wenn Marvel/Panini Comics hier davon spricht, dass „Daredevil – Der Mann ohne Furcht“ für Neueinsteiger geeignet ist, dann meinen sie das ernst. Der Comic ist wirklich für jene gedacht, die bisher so gar keinen Kontakt mit Daredevil hatten. Wer die Netflix-Serie gesehen oder bereits einen Blick in vorherige Bände geworfen hat, dem wird hier nicht viel Neues über den Weg laufen. Dennoch haben Miller und Romita Jr. hiermit wahrscheinlich einen Grundstein für viele kommende Daredevil-Auflagen gelegt – immerhin erschienen die fünf Kapitel von „The Man without Fear“ bereits 1993 in den USA und wurden 2008 noch einmal in einem Sammelband veröffentlicht.

Zeitgemäß ist dieser „Daredevil“ nicht unbedingt. Der Zeichenstil und Matt Murdocks Frisur schreien 90er und auch einige Aspekte der Geschichte wirken in Anbetracht aktueller Stile altmodisch. Ich hatte Schwierigkeiten mich auf den Stil einzulassen – auch weil Romita Jr.s Schattierungen dem einen oder anderen Charakter unweigerlich einen Oberlippenbart verpassen. Und auch Millers Erzählstil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Er wirkt abgehackt, stellenweise so sehr, dass ich hinter jedem Satz ein „Stop“ erwartete wie bei einem Telegramm.

Matt Murdock unterwegs in den Straßen von Hell’s Kitchen. (Copyright: Panini Comics)

Matt Murdock unterwegs in den Straßen von Hell’s Kitchen. (Copyright: Panini Comics)

Auch die Charakterentwicklungen sind an einigen Stellen eher wenig gelungen: Während Gefühle für Matt an einer Stelle tabu sind, will er gefühlte fünf Seiten später die große Liebe gefunden haben und immer an seiner Seite wissen.

Hinzukommen eine miserable Repräsentation – im ganzen Comic tauchen Menschen schwarzer oder brauner Hautfarbe nur auf, wenn es Bedarf an widerlichen Kleinkriminellen und potenziellen Vergewaltigern gibt – und ein, wieder einmal, sexistischer Grundton. Weibliche Charaktere sind in diesem Comic lediglich Mittel zum Zweck – sie sind Todesopfer und Entführungsopfer, die Matt Murdocks Geschichte vorantreiben sollen. Und im ersten Fall bleiben sie namenlos und halbnackt in Matts Erinnerung.

Im Fazit kann ich sagen: Wer auf die guten alten Comiczeiten steht, für den ist „Daredevil – Der Mann ohne Furcht“ sicherlich lesenswert. Alle anderen sollten wahrscheinlich eher auf die aktuellere Daredevil-Reihe aus den Häusern Marvel und Panini zurückgreifen – vor allem jene, die dank Netflix Blut geleckt haben.

Inhalt

Ein einsamer Junge, gemieden, verhöhnt in den rauen Straßen von Hell’s Kitchen. Ein alleinerziehender, alternder Boxer, der für seinen Sohn nach einem letzten Strohhalm greift. Eigentlich hat Matt Murdock kaum eine Chance. Bis ihm das Schicksal Augenlicht und Vater raubt und seine restlichen Sinne schärft. Die vielleicht beste Marvel-Legende: Die Geschichte von einem Jungen ohne Furcht.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Frank Miller  ist ein US-amerikanischer Comicautor, Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Er ist vor allem durch seine stilbildenden Comicgeschichten bekannt.

(Quelle: Wikipedia)

Frank Miller – Homepage
Frank Miller – Twitter

John Romita junior ist ein US-amerikanischer Comiczeichner, der besonders für seine umfangreiche Arbeit für Marvel Comics von den 1970er bis in die 2000er Jahre bekannt geworden ist.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 20.10.2015
Seitenzahl: 180
Original-Storys: Daredevil: Man Without Fear 1-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics / Marvel

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Jen
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"Bro. Seriously. Seriously, Bro." "Bro. BroBroBroBro. Seeeeriously." - Hawkeye, Vol. 1