Review

Alan Moore – als Held der aktuellen Comicgeneration gehandelt, kann jeder etwas mit seinem Namen anfangen. Optisch ähnelt er sehr dem Slayer-Fronter Tom, aber bekannt ist er als Schriftsteller und Autor. Aus seiner Hand stammen „V wie Vendetta“, „Watchmen“ oder natürlich die grandiose Graphic Novel „The Killing Joke“.

„Crossed + Einhundert“ fährt nun einen sehr extremen Pfad ohne Kompromisse und mit viel Text.
So viel vorweg: Wer die Reihe nicht kennt, wird seine Probleme haben oder aber gefordert werden, sich dem Ganzen zu stellen.

„Crossed + Einhundert“ spielt namensgebend einhundert Jahre nach einer Epidemie, zu der ich aus Spoilergründen gar nicht so viel verraten möchte. In klassischer „The Walking Dead“- oder „The Last of Us“-Manier pflügt man sich durch eine Endzeit im dystopischen Gewand. Viel Natur und Stille finden sich. Unsere muntere Truppe kämpft einen Überlebenskampf. Lager werden aufgesucht und nach Essbarem durchforstet. Das Ganze spielt im 21. Jahrhundert rund um die Protagonistin Future Taylor.

Das Setting erinnert stark an „The Last of Us“, denn der Großteil der Welt besteht aus Vegetation. Man könnte sagen, dass sich die Natur ihren Weg bahnt. Das kreuzt sich mit dem unumgänglichen Tod. Ob als Skelette am Boden oder völlig zerhackte Infizierte in einer Bibliothek, der Tod ist überall und das müssen ein paar Mitglieder am eigenen Leib spüren. Taylor ist eine sehr wissbegierige Frau, die viel über Literatur aufsaugt und lernt. Das sollte man unserer heutigen Jugend mal zeigen.

Hier und da kommt man sich wie in „The Walking Dead“ vor. Die Gruppe aus verschiedenen Spezialisten merkt oft gar nicht, dass sie von irgendwoher angegriffen wird. Das gleiche Phänomen finden wir in der „The Walking Dead“-Reihe wieder, nur hier eben in Farbe.

Zeichnerisch kann man bei „Crossed + Einhundert“ nicht meckern. Die Farben sind kraftvoll und nicht nur düster. Der Mut zur farbenfrohen Darstellung wird selten durch trübe Blicke verschleiert.

Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind zwar immer mal Thema, doch mehr als Sex scheint irgendwie nicht drin zu sein. Das ist traurig, denn die Charaktere sind allesamt sehr interessant.

Wäre das nicht schon schade genug, muss man entweder die Bände zu Crossed gelesen haben oder sich fast übergeben, wenn es um die Dialoge geht. Es erschließt sich einfach nicht, weshalb bekannte Worte durch denglische Begriffe ausgetauscht wurden. Ein Beispiel: eine Figur möchte sagen, dass sich die Truppe hinlegen sollte und man am nächsten Tag über ein bestimmtes Thema spricht. Das klingt dann so: „Lässt uns das Morgen beim Ruf hirnen. Ihr Peoples braucht fuck Ruhe“. Das hemmt den Lesefluss so dermaßen, dass man gar nicht so viel am Stück lesen kann, wie man möchte. Diesbezüglich wäre interessant zu wissen, wie Alan Moore sich die Dialoge im Original gedacht hat. Ansonsten ist die Storyline sehr gut und auch interessant erzählt, da dieser Band aber zum Einstieg geeignet sein soll, fällt dies recht negativ ins Gewicht.

Alan Moore (Copyright: Alan Moore)

Alan Moore (Copyright: Alan Moore)

Kommen wir aber noch zum wichtigsten Punkt: der Gewaltdarstellung – und die ist derbe. Die Infizierten gehen auf alles los, was sie finden können; seien es eigene Mitglieder, ihre Kinder oder Menschen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob sie sie töten, schänden oder aber beides gleichzeitig wollen. Dies übt einen gewissen Reiz aus, doch kann es nicht bis zum Ende faszinieren, da es doch recht plump daherkommt und die Story kein Stück weiterbringt, sondern eher ein kurzzeitiges visuelles Erlebnis bietet.

Fazit: „Crossed + Einhundert“ ist ein unterhaltsamer Comicband. Die Story ist gut geschrieben und fasziniert. Für Einsteiger ist es jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da man direkt ins kalte Wasser geworfen wird. Das Universum scheint zu groß, um es in diesem ersten Band ausreichend zu beleuchten. Der Lesefluss wird hinzukommend durch die komische Sprache getrübt.
Fans von Alan Moore sollten vielleicht eher andere Werke unter die Lupe nehmen, darunter „V wie Vendetta“, „Batman: The Killing Joke“ oder „Lost Girls“.

Inhalt

Comic-Gott Alan Moore (Watchmen, From Hell) erzählt eine postapokalyptische Saga, die 100 Jahre nach dem Ende der Welt spielt.
Die junge Future Taylor und ihre Gefährten sprechen und leben anders als die Menschen vor ihnen, suchen Artefakte aus der Vergangenheit und treffen in den Ruinen des 21. Jahrhunderts auf die Gefirmten und andere Gefahren.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Alan Moore (geboren am 18. November 1953 in Northampton, Northamptonshire, England) ist ein britischer Schriftsteller und Autor von Comics.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: A4, Softcover
Vö-Datum: 13.10.2015
Originalausgaben: Crossed + One Hundred 1-6
Seitenzahl: 148
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Marcus