Review

Vor nicht allzu langer Zeit haben wir euch hier erstmals ein Comic-Buch aus dem Dantes Verlag vorgestellt: „Eine Studie in Smaragdgrün“. Und diese großartige Mixtur aus Lovecrafts Cthulhu-Mythos und Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes schaffte es auch prompt in unsere Hitlist des Jahres 2020 (Platz 4 unserer Comic-Highlights des Jahres 2020). Es folgte unsere Besprechung zur finsteren Zukunftsvision „2020 Visions 1: Lebensgier & La Tormenta“.

Nun wollen wir euch wiederum erstmalig eine Veröffentlichung aus der Reihe „Cinema Purgatorio präsentiert…“ unter der Schirmherrschaft von Comic-Legende Alan Moore präsentieren, die hierzulande ebenfalls bei Dantes erscheint.
Den Auftakt machen wir mit „Cinema Purgatorio – The Vast“, erzählt von Autor Christos Gage („Spider-Man: Spider-Verse“, „Spider-Verse: Spider-Zero“) und in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Zeichnungen in Szene gesetzt von Zeichner Gabriel Andrade.

Dieses Endzeit-Szenario verbindet wunderbar fremdartige Kaijū-Kreaturen in bester Godzilla– oder auch Pacific Rim-Manier mit der Niedlichkeit von Pokémon. Warum uns das so gut gefällt, wollen wir im Nachfolgenden erläutern.

Hölle auf Erden

Die Welt ist übersät mit riesigen, gewaltigen Kreaturen, die die Menschheit in ihrer Existenz bedrohen.

Besonders verheerende Auswirkungen auf den Planeten haben dabei die sogenannten Apex bzw. Terraformer, da diese nicht nur aggressiv und blutrünstig, sondern – durch Berührung mit anderen Lebewesen – auch in der Lage sind, neue Kaijū-Monster zu erschaffen.

In dieser postapokalyptischen Welt begleiten wir die Protagonistin und Kampfpilotin Janna. Diese ist auf einer ländlichen Farm aufgewachsen, hat Tierzucht studiert und ist von daher prädestiniert für eine Aufklärungsmission ins Ungewisse. Auf dieser Mission lernt sie Stan Pons kennen, einen sogenannten Wrangler. Die Kaijū können tatsächlich zu Verbündeten der Menschen erzogen werden, wenn sie im Baby-Stadium aufgefunden werden. An dieser Stelle kommen die Wrangler ins Spiel, die die Monster(chen) unter kontrollierten Bedingungen aufziehen und abrichten. Und Janna wird ebenfalls zu einer solchen Monster-Trainerin auserkoren, da sich eines dieser kleinen Wesen sie als Mutter ausgewählt hat. Wenig kreativ tauft sie ihr Baby dann Baby, und wie sich zeigt, hat sie ein ganz besonderes Exemplar erwischt, das das Blatt in der Schlacht gegen die Ungeheuer wenden könnte.

Knackige, abwechslungsreiche Geschichte

Ein echtes Lesevergnügen. Nicht weniger ist „The Vast“ von Autor Christos Gage. Das erste Buch dieser Reihe funktioniert – ähnlich wie „Pacific Rim“ oder auch „Godzilla II: King of the Monsters“ – sowohl als liebevolle und gekonnte Hommage an das berühmte japanische Monster-Kino rund um Godzilla, Mothra oder auch Gamera, aber auch als eigenständiger Beitrag zum boomenden Genre der Dystopie oder Postapokalypse.

Wie in den großen Vorbildern sind zwar auch hier die Figuren und ihre Charaktere weniger maßgeblich; indessen überzeugt der Comic umso mehr, wenn die Monster die Seiten ausfüllen. Dessen ungeachtet setzt uns Gage aber auch keine farblosen, charakterlosen Figuren vor. Dass die Monster so ein großes Spektakel bieten, ist Verdienst von „Über“-Zeichner Gabriel Andrade, der zu Höchstform aufläuft, und fantastische Bilder vorlegt. Er erweist sich mit diesem Buch als umwerfender und in jeder Hinsicht detailverliebter Creature Designer, der als Bonus auch noch eine gehörige Portion Body Horror in die Geschichte einfließen lässt.

Und wo bleibt jetzt der „Pokémon“-Aspekt der Story? Naja, einerseits sind da die kleinen Monster, die im Dienste der Menschheit aufgezogen und trainiert werden. Und andererseits (und vor allem) ist da Baby, eine Kreatur, in die man sich ähnlich zügig schockverliebt wie in Pikachu oder Baby Yoda.

Fazit

„Cinema Purgatorio – The Vast“ ist zweifellos herrlicher Pulp und kein Trash; es ist eine gekonnte und reife Verbeugung vor Genre-Klassikern und keine schlichte Nachahmung. Gerne mehr von dieser Sorte Comic-Bücher.


Cinema Purgatorio präsentiert: The Vast

Inhalt

The Vast (auf Deutsch „das Riesige“, „das Gewaltige“, „das ungeheuer Große“) erzählt die Geschichte einer unwahrscheinlichen Freundschaft in Zeiten, in denen sich riesige, gewaltige, ungeheuer große Kreaturen, wie sie erfahrenen Kinogängerinnen und Kinogängern aus den kaijū-Monsterfilmen seit den 1950er Jahren des vorigen Jahrhunderts vertraut sind, daran machen, die Menschheit vom Angesicht der Erde zu tilgen.

In dieser postapokalyptischen Welt begleiten wir die Kampfpilotin Janna, die sich mit Baby anfreundet, einem noch nicht ganz so riesigen, ganz so gewaltigen und ganz so ungeheuer großen Monster.

Atemberaubende Kreaturen, epische Schlachten, wahnwitzige Zerstörungsorgien – und mittendrin: Menschen, die versuchen, menschlich zu bleiben.

(Quelle: Dantes Verlag)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 29.09.2020
Seitenzahl: 116
ISBN: 978-3-946952-59-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Dantes Verlag

Copyright Cover: Dantes Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)