Review

Komm‘ schnapp‘ sie dir, Mad Max!

„Cinema Purgatorio – Modded“ von Autor Kieron Gillen („Once & Future 2“, „Wolverine – Origin II“) sowie den Zeichnern Ignacio Calero und Nahuel Lopez katapultiert den Leser unmittelbar in das Brachland einer postapokalyptischen Welt. Hier werden im großen Stil verschiedenste Monster und Dämonen gehalten, aufgerüstet bzw. modifiziert und in Kämpfen gegen andere eingesetzt.

In dieser finsteren Welt lebt auch die junge Fringe, gemeinsam mit ihrer Kreatur Fluffbumble, einem harmlos-zutraulichen Tiger-Hund-Fabelwesen mit Spitzöhrchen und zarten Flügeln. An brutalen Auseinandersetzungen haben weder Fringe noch Fluffbumble gesteigertes Interesse. Dennoch wird sie von dem Rüpel und Dämonensammler Tommy Zero zu einem Duell herausgefordert, in welchem sie ihr geliebtes – Blumen erzeugendes – Wesen an den schroffen Flegel verliert.

Anschließend trifft die traurige Fringe allerdings auf die hartgesottene Bloody Susan und deren Dämon Mister Boom (siehe das Cover). Mit dieser besteht Fringe eine Reihe von Abenteuern, wobei das Ziel darin besteht, Fluffbumble von Tommy Zero zurückzugewinnen. Die „Modded“-Welt ist indessen eine solche, in der du keinem trauen kannst.

Fantasiewesen, Gauner und Ganoven

Willkommen im Fegefeuer, willkommen im Kino.

Und es geht weiter mit den Dantes-Bänden zur „Cinema Purgatorio“-Reihe von Vorführer Alan Moore.
Die hiesige abgeschlossene Geschichte charakterisiert der Klappentext im Wesentlichen wie folgt:

Modded ist ein irrer Genre-Coctail: Zwei Teile Pokémon, ein Teil Final Fantasy, fünfeinhalb Teile Mad Max, mit einem Schuss Alice in Wonderland und Lilo & Stitch.

Und das beschreibt es in der Tat schon sehr treffend. Allerdings ist dies hier ein düsteres Wunderland mit jeder Menge Überraschungen. Man entferne aus „Pokémon“ die Farbenfreude, die Unschuld, die Reinheit und die Knuffigkeit und ergänze vor allem „Mad Max“-artige Rockerbanden sowie das entsprechende postapokalyptische Ödland. Dann bekommt man eine ziemlich gute Vorstellung über diese Welt des Verfalls und ihre schrillen Charaktere. Schließlich sehen die hiesigen verrückten Dämonen so aus, als würden sie Pokémon vorzugsweise zum Frühstück fressen – abgesehen vom knuffigen Fluffbumble womöglich.

Allerdings ist Gillens Gedankenkonstrukt kein durchweg pessimistisches und albtraumhaftes Zukunftsszenario; im Fokus der Sache stehen ebenso Humor und Spaß.

Während der fantastische Stoff von „The Vast“ mit seinen Kaijūs am ehesten eine Hommage an den (klassischen und zeitgenössischen) Monsterfilm war, stellte „Code Pru“ den Horror- und Science-Fiction-Film bzw. das Genrekino ins Rampenlicht des Geschehens. Kieron Gillens Arbeit strotzt hingegen nur so vor Anspielungen und Verweisen auf die Welt und die Geschichte der Computer- und Videospiele. Neben „Pokémon“, finden z.B. „Super Mario“, „Sonic“ oder auch „Dark Souls“ (aber auch noch so viele mehr) mal schlichte und mal besonders clevere Erwähnung.

Auch diese Ausgabe ist von den Zeichnern, Ignacio Calero und Nahuel Lopez, wieder detailreich und ausdrucksstark in Schwarz-Weiß in Szene gesetzt – bereits jetzt ein starkes Markenzeichen der Reihe.

Fazit

Mit „Cinema Purgatorio“ kann man als Genre-Liebhaber meines Erachtens nichts falsch machen; unterdurchschnittliche oder gar schlechte Arbeiten gibt es hier (bislang) nicht.

Nach meinem Dafürhalten erreicht „Modded“ nicht ganz die Klasse von „Code Pru“ und/oder „The Vast“, da die dortigen Charaktere und Monster (noch etwas) einprägsamer und sympathischer sind. Freilich hat das jedoch auch mit persönlichen (Genre-)Vorlieben und Präferenzen zu tun.

Mit „Modded“ erhält der Leser/die Leserin jedenfalls abermals einen bunten Strauß mit zig Referenzen und unzähligen Easter Eggs. Spürbar war es für den Autor Kieron Gillen eine wahre Freude, dieses abgeschlossene Buch zu entwickeln.


Cinema Purgatorio präsentiert: Modded

Inhalt

Willkommen im Fegefeuer, willkommen im Kino.

Die heutige Hauptvorführung, „Modded“ (auf Deutsch: „modifiziert“), wendet sich an die Freundinnen und Freunde früher Adventure-Games und gepflegten Kino-Humors.

Kieron Gillen, Ignacio Calero und Nahuel Lopez erzählen uns von der kleinen Fringe („Franse“) im „Schnapp‘ sie dir alle“-Land, dem nach irgendeiner Apokalypse inzwischen trockengefallenen Atlantik. Moment mal: „Schnapp‘ sie dir alle“? Eigentlich will Fringe nur ihren Fluffbumble („Fusselwusel“ … oder auch: „alles vermasselnder Wichtigtuer“) wiederhaben, den ihr der Dämonensammler Tommy Zero („Thomas Null“) abgenommen hat. Böse, das! Zum Glück trifft Fringe auf Bloody Susan („die blutige Susanne“) und deren Dämon Mister Boom („Herr Explosionsgeräusch“), die sich anbieten, ihr bei Suche und Wiederbeschaffung behilflich zu sein.

„Modded“ ist ein Roadmovie ohne Road, voller abgedrehter Einfälle und mit grandiosem Creature- und Charakterdesign.
Das in einem Band abgeschlossene „Modded“ ist ein irrer Genre-Coctail: Zwei Teile „Pokémon“, ein Teil „Final Fantasy“, fünfeinhalb Teile „Mad Max“, mit einem Schuss „Alice in Wonderland“ und „Lilo & Stitch“. Wohl bekommt’s. Popcorn und Cheat-Liste in Reichweite halten und dann … Film ab!

(Quelle: Dantes Verlag)

Autor

Kieron Gillen
ist ein britischer Comicautor und ehemaliger Computerspiele-Journalist. Mit seinem 2004 veröffentlichten Manifest über eine neue Form der Spieleberichterstattung ist er einer der Hauptvertreter des New Games Journalism.

(Quelle: Wikipedia)

Kieron Gillen – Blog | Kieron Gillen – Twitter

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 15.12.2020
Seitenzahl: 192 (in s/w)
ISBN: 978-3-946952-57-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Dantes Verlag

Copyright Cover: Dantes Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)