Review

Fantastik, die über die gewohnte Darbietungsform „Buch“ hinausgeht, die lebendig und erlebbar wird und mit mehr als dem Auge vom Konsumenten aufgesogen werden kann, ist das Ergebnis des Crossmedia-Projekts von Autor Christoph Hardebusch und der Band Van Canto.

Der Schriftsteller und die Musizierenden haben sich zusammengeschlossen und mit dem Roman „Feuerstimmen“ sowie mit der CD „Voices of Fire“ eine Fantasygeschichte erfahrbar werden lassen, die in beiden medialen Formen zu überzeugen weiß. Ob separat oder in Kombination genossen – das Experiment ist auf ganzer Linie geglückt und bringt – ähnlich wie seinerzeit schon das „Zwergen“-Epos von Markus Heitz, welches als „neue Dimension der Lesung“ angesehen wurde – frischen Wind in die literarische Genre-Landschaft.

Bereits der „Prolog“ macht (vor allem sprachstilistisch) gekonnt deutlich, in welchem Genre man sich mit „Feuerstimmen“ befindet und stimmt sprachgewandt auf die eigentliche Geschichte um die Protagonisten Aidan und Elena ein. Die Neugier ist geweckt, eine passende Atmosphäre hergestellt.

Im Folgenden sorgen sowohl die wechselnde Erzählperspektive zwischen den beiden Hauptfiguren als auch die lebendigen und häufig spritzig-humorvollen Dialoge, die zudem die Charaktere der sprechenden Figuren stets gut widerspiegeln, für eine zusätzliche Dynamik der Handlung.

Während Christoph Hardebusch seinen Lesern die Protagonisten zunächst separiert vorstellt, führt er ihre Handlungsstränge binnen kurzer Zeit harmonisch zusammen. Und dies so richtig, denn auch an einer Romanze mangelt es „Feuerstimmen“ nicht. Zwar ein wenig klischiert und oftmals auch sehr emotionsarm fügt sich diese Handlungsebene dennoch unaufdringlich in den Kontext ein, sodass sich eine insgesamt schlüssige Geschichte ergibt, in der vor allem die weiblichen Charaktere eine starke Figur machen.

Christoph Hardebusch (Copyright Stefan Heilemann Christoph Hardebusch)

Christoph Hardebusch (Copyright: Stefan Heilemann / Christoph Hardebusch)

Die Geschichte selbst wirkt sehr fokussiert und komprimiert. Die Handlung schreitet schnell voran, ohne Umwege über weitläufige Nebenhandlungen und -schauplätze zu nehmen. Epische Schlachten und Schauplatzwechel erscheinen dadurch sehr zügig angehandelt und zeitweise zu unspektakulär. Es steckt kein komplexes bzw. ein eher überschaubares System hinter dem erdachten Universum. Diesbezüglich bleibt vorhandenes Potenzial auf der Strecke – könnte allerdings in einer Fortsetzung genutzt werden.
Konzentriert auf eine gewisse Linearität hat dies zur Folge, dass „Feuerstimmen“ nicht unbedingt wie ein Epos innerhalb des Genres wirkt, sondern vielmehr wie ein unterhaltsamer, kurzweiliger Roman, der dafür aber durch den Crossmedia Ansatz hervorragend bereichert wird. Van Cantos Beitrag, „Voices of Fire“, findet zudem Eingang in den Roman, denn jedes Kapitel wird durch Songzitate eingeleitet. Diese imaginäre Playlist lässt sich – sofern das Album zur Hand ist – auch ganz real vor, während und nach dem Lesen hören, was dazu führt, dass man noch intensiver in die Geschichte Hardebuschs eintauchen und Stimmungen nachempfinden kann.

Somit überzeugt „Feuerstimmen“ trotz komprimiert wirkender Handlung – allen voran durch interessante und vielfältige Figuren sowie als Gesamtkunstwerk crossmedialen Ursprungs. Dieses Konzept sollten sowohl die Beteiligten als auch andere Autoren und Künstler dringend weiterverfolgen und des Öfteren anbieten.

Video

Handlung

Seit einer Ewigkeit lag der Schrecken in den Tiefen der Meere verborgen und war von den Menschen fast vergessen. Doch nun ist der fünfte Drache, ein allmächtiges Geschöpf der Finsternis, erwacht. Und er will etwas zu Ende bringen, das ihm vor Jahrhunderten nicht gelungen war: die Welt zu unterjochen.
Während die junge Königin Elena alles versucht, um ihr Volk zu schützen, erfährt der Barde Aidan, dass er eine ganz besondere Gabe besitzt, die im Kampf gegen den Drachen die entscheidende Rolle spielen könnte – den Gesang der Magie …

Mit „Feuerstimmen“ hat Christoph Hardebusch – gemeinsam mit Dennis Schunke, dem Leadsänger der Band Van Canto – eine einzigartige Welt aus Magie und Musik erschaffen.

(Quelle: Piper)

Autor

Christoph Hardebusch, geboren 1974 in Lüdenscheid, studierte Anglistik und Medienwissenschaft in Marburg und arbeitete anschließend als Texter bei einer Werbeagentur.
Sein Interesse an Fantasy und Geschichte führte ihn schließlich zum Schreiben. Seit dem großen Erfolg seines Debüt-Romans „Die Trolle“ ist er als freischaffender Autor tätig.
Christoph Hardebusch lebt mit seiner Frau in München.

(Quelle: Christoph Hardebusch, Facebook)

Christoph Hardebusch – Homepage
Christoph Hardebusch – Facebook
Christoph Hardebusch – Twitter

Details

Format: Taschenbuch, Klappenbroschur
Veröffentlichung: 17.03.2016
Seitenzahl: 496
ISBN: 978-3-492-70373-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Piper Verlag

Copyright Cover: Piper Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde