Review

Ruft man sich den Klappentext und das Genre (erotische Fantasy/Romantasy) in Erinnerung, so ist den meisten Lesern schon vorab klar, wie die Handlung des Romans „Ungezähmte Nacht“ von Christine Feehan enden wird. Und doch schafft es die amerikanische Autorin, ihre Leser an die Geschichte zu binden und sie an und durch den Verlauf der Geschehnisse zu fesseln.

Verschuldet ist dies bereits dem atmosphärischen Beginn.
Dieser versetzt die Leser unmittelbar und vermutlich ungewollt in die Szenerie von Bram Stokers „Dracula“, genauer gesagt in die Passage über Jonathan Harkers Reise und Ankunft in Siebenbürgen.
Kälte, Schnee, unwegsame, gefährlich anmutende Landschaften, geheimnisvolle Geräusche und das Alleingelassenwerden auf den letzten Metern zum Zielort sind Parallelen, die umgehend durch Feehans Ausführungen assoziiert werden.
Und was bei Stoker schon geklappt hat, funktioniert auch in „Ungezähmte Nacht“ ganz wunderbar.

Diese Ideen sind damit zwar nicht neu, erfüllen aber ihren Zweck, sodass sich schnell eine Schauerroman-typische Stimmung aufbaut. Elemente dieses Genres werden auch im Folgenden beibehalten, inhaltlich entfernt man sich glücklicherweise aber schnell vom unumstrittenen Stokerschen Klassiker, sodass Feehan einen eigenständigen Roman erschafft, dessen Plotschwerpunkt ein deutlich anderer als in „Dracula“ ist.

Das Wandlermotiv zieht sich dabei durch die zunächst noch mysteriös wirkende Geschichte, die immer wieder durch geheimnisvolle Begebenheiten, interessante, lange undurchsichtig bleibende Figuren, detailreiche Beschreibungen und rätselhafte Schilderungen belebt wird. Zudem steht viel zwischen den Zeilen.
Insgesamt baut sich somit kontinuierlich Spannung auf.

Diesen Spannungsbogen hält Christine Feehan von Anfang an sehr lange aufrecht, bis schließlich die Romantik und die erotische Komponente Einzug in das Buch halten. Doch auch darüber hinaus sorgen überraschende Wendungen für viel Unterhaltung, bis es schließlich zum wie zu erwartenden Schluss kommt.

Christine Feehan (Copyright: Cassandra Young)

Christine Feehan (Copyright: Cassandra Young)

Bis hierhin hört sich der Roman also nach einem Volltreffer an, wären da nicht die vielen Wiederholungen von immer denselben Formulierungen. Es ist nicht auszumachen, ob dies an der Übersetzung liegt oder die Ursache schon im Schreibstil der Autorin zu suchen ist, jedenfalls häufen sich auf diese Weise nicht nur, aber vor allem erotische Phrasen wie das stete „schmerzhafte Ziehen durch die Lenden“ des männlichen Protagonisten oder die Beschreibung des Schoßes der weiblichen Hauptfigur als „heiß und feucht“. Letzte Formulierung scheint sogar so populär zu sein, dass sie auch erwähnt wird, nachdem die Protagonistin einem Bad entstieg. Logisch, dass in dieser Situation nicht nur der Schoß der Figur feucht, ja regelrecht nass ist und die Aussage darüber an dieser Stelle ad absurdum geführt wird. Zumindest an dieser Stelle hätte man also darauf verzichten können.
Diesbezüglich gibt es zudem reichlich Synonyme und verwandte Formulierungen, die man hätte wählen können, um nicht derart viel Gleichheit im Roman zu haben, die selbst nur Quer- oder Schnelllesenden aufgrund der Häufigkeit einfach auffallen muss.

Abgesehen davon kann „Ungezähmte Nacht“ aber durchaus überzeugen und anders als die Mehrheit der zahlreichen weiteren Veröffentlichungen der Autorin gehört dieser Roman keiner Reihe an, sodass für in sich geschlossene schaurig-romantische Unterhaltung für zwischendurch gesorgt ist.

Inhalt

DIE SCHÖNE
Die verarmte Adlige Isabella Vernaducci würde alles tun, um ihren Bruder zu retten – selbst, wenn sie sich in die Fänge des berüchtigten Fürsten Nicolai DeMarco begeben muss.

DAS BIEST
Gerüchte und Geheimnisse umgeben den mächtigen Fürsten. Es heißt, der Mann mit der wilden Löwenmähne und den brennenden Bernsteinaugen sei kein Mensch.

DAS VERSPRECHEN
Im Tausch für das Leben ihres Bruders verspricht Isabella, den geheimnisvollen Mann zu heiraten. Doch was als Geschäft beginnt, wird bald sehr viel mehr …

(Quelle: Bastei Lübbe)

Autor

Christine Feehan lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihren elf Kindern in Kalifornien. Sie schreibt seit ihrer frühesten Kindheit. Ihre Romane stürmen regelmäßig die amerikanischen Bestsellerlisten, und sie wurde in den USA bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Auch in Deutschland erfreut sich die Autorin einer stetig wachsenden Fangemeinde.

(Quelle: Bastei Lübbe)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 14.02.2014
Seitenzahl: 478
ISBN: 978-3-404-16875-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Bastei Lübbe

Copyright Cover: Bastei Lübbe



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde