Review

Wer (Fantasy-)Liebesromane mag, der wird an der amerikanischen Schriftstellerin Christine Feehan nicht vorbeikommen, die diesbezüglich eine Fülle an Veröffentlichungen zu bieten hat.
Und so lässt es sich auch fast nicht mehr zählen, der wievielte Band ihrer „Karpatianer“-Serie, einer Paranormal Romance Reihe, mit dem aktuellen Werk „Das Flüstern des Blutes“ vorliegt.

Ohne jedoch alle vorausgegangenen Romane kennen zu müssen, lässt sich das neue Buch gut ohne Vorkenntnisse über Figuren und Rahmenbedingungen der „Karpatianer“-Reihe lesen, auch wenn das Ende offen bleibt und eine weitere Fortsetzung verheißt. Davon ist nicht jedermann ein Freund, es sei aber verraten, dass der Haupthandlungsstrang auserzählt ist, nur die Grundproblematik, die in diesem Band eine wichtige Rolle spielt, bleibt vorerst noch ungelöst.

Anders als ihr eigenständiger und keiner Serie angehörender Roman „Ungezähmte Nacht“, der ebenfalls unlängst über den Bastei Lübbe Verlag erschienen ist, weist „Das Flüstern des Blutes“ einige Schwächen auf.

Da wäre zum einen beispielsweise ein scheinbar endlos in die Länge gezogener Plot aus nahezu gleichen bzw. zumindest ähnlichen Aktivitäten, bestehend aus Kampfsequenzen, die durch das häufige Auftreten letztlich nur wenige Spannungsmomente aufweisen.
Was die Handlung eigentlich an- und vorantreiben soll, bringt sie immer wieder zum Erliegen. Dadurch will „Das Flüstern des Blutes“ nicht so richtig zünden und fesseln. Kürzungen dieser Handlungsabfolgen, welche grob wechseln zwischen Kampfszenen und Liebesbekenntnissen und nur selten durch weitere neue Ideen bereichert werden, hätten dem Buch somit sehr gut getan.

Zum anderen verliert sich Feehan allzu sehr in ihren romantischen Passagen und pathetischen Dialogen, die damit an Reiz verlieren.
Sicherlich wird sie dem Genre der Liebesromane damit mehr als gerecht, stellenweise meint die Autorin es aber einfach zu gut, sodass sie ihre Figuren in den dargebotenen Liebesbekundungen beinahe ins kitschige Schwafeln geraten lässt. Oftmals – sofern man nicht aus voller Überzeugung Romanzen-Fan ist – fühlt sich der anspruchsvollere Leser dadurch fast schon genervt.

Christine Feehan (Copyright: Cassandra Young)

Christine Feehan (Copyright: Cassandra Young)

Damit einher gehen zudem unzählige identische sowie zu sinngemäße Wort- und Formulierungswiederholungen, die auch in „Ungezähmte Nacht“ festgestellt werden können. Es scheint, als sei dies ein stets wiederkehrendes Manko in den Romanen Christine Feehans. Ob das nun an der Übersetzung oder an der Autorin selbst liegt, ist auch im Falle von „Das Flüstern des Blutes“ nicht erkennbar, Fakt ist aber, dass das Lektorat an diesen Stellen ruhig mutiger hätte agieren können und müssen. Zu offensichtlich fallen diese Repetitionen nämlich aus, sodass man zum Beispiel auf Seite 202 den Satz „Fen spürt das Pulsieren seines Blutes in seinen Adern, das zunächst nur ein Wispern war, dann jedoch immer lauter wurde, bis es sich wie ein Trommeln anhörte.“ findet, während bereits auf der folgenden Seite, nämlich S. 203, von „Sein Puls dröhnte Fen in den Ohren, und das Pochen seines Blutes fühlte sich wie Trommelschläge in seinen Adern an.“ die Rede ist und auch gegen Ende des Buches bedient sich Feehan erneut an der Metapher der Trommel.
An anderer Stelle stößt man dann wiederum innerhalb eines Dialogs auf Doppelungen, ebenfalls kurz hintereinander: „Ich würde dir doch wissentlich niemals Kummer bereiten.“ (S. 490) und „Ich würde dir nie wissentlich Kummer bereiten.“ (S. 493).
Es kann kleinlich sein, dies zur Kritik zu bringen, andererseits stört es immens den Lesefluss, wenn man ständig formulierungsbedingte Déjà-vu Erlebnisse hat.

Christine Feehan ist sicherlich eine Autorin, die zu Recht von Romance-Fans gelesen gehört und bereits zahlreiche Preise für ihre Arbeiten einheimsen konnte. „Das Flüstern des Blutes“ gehört allerdings aufgrund der genannten negativen Aspekte nicht zu ihren stärksten Veröffentlichungen. Durch die Kritikpunkte büßt der Roman einiges an Qualität ein, unnötige Längen und Wiederholungen sowie ein minder begeisterter Lesegenuss sind die Folge. Da sind wir bereits weit Besseres von der Amerikanerin gewohnt.

Inhalt

Nur eine unendliche Liebe kann die Schatten der Vergangenheit überwinden …

Nach Jahrhunderten der Gefangenschaft ist die Karpatianerin Tatijana endlich frei. Nie wieder will sie sich einschränken lassen. Doch als sie einem Mann mit eisblauen Augen begegnet, ändert sich alles. Kann sie den Fesseln der Leidenschaft entkommen? Will sie es überhaupt?

Fenris ist jahrhundertelang allein gewesen. Er ist ein Ausgestoßener, wird gehasst und gejagt. Erst als er eine Frau mit Haaren wie Feuer trifft, endet seine Einsamkeit. Doch darf er sie lieben, wenn seine bloße Anwesenheit ihr Leben in Gefahr bringt?

(Quelle: Bastei Lübbe)

Autorin

Christine Feehan lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihren elf Kindern in Kalifornien. Sie schreibt seit ihrer frühesten Kindheit. Ihre Romane stürmen regelmäßig die amerikanischen Bestsellerlisten, und sie wurde in den USA bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Auch in Deutschland erfreut sich die Autorin einer stetig wachsenden Fangemeinde.

(Quelle: Bastei Lübbe)

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Reihe

Die „Karpatianer“-Serie

Mein dunkler Prinz
Dunkle Macht des Herzens
Der Fürst der Nacht
Magie des Verlangens
Dunkle Sehnsucht des Verlangens
Gefährlicher Verführer
Träume der Dunkelheit (enthalten in „Schwarzes Feuer des Verlangens“)
Dunkles Begehren
Dunkler Rausch der Sinne
Dunkle Symphonie der Liebe
Die Sehnsucht der Nacht (enthalten in „Schwarzes Feuer des Verlangens“)
Dunkles Spiel der Leidenschaft
Dunkler Ruf des Schicksals
Hunger der Nacht (enthalten in „Heißes Blut“)
Verführer der Nacht
Schatten der Versuchung
Dunkles Fest der Leidenschaft
Gefangene deiner Dunkelheit
Fluch der Nacht
Jägerin der Dämmerung
Das dunkle Feuer der Nacht
Dunkle Gier
Gefangene der Flammen
Das Flüstern des Blutes

weitere Bände in Vorbereitung

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 15.08.2014
Seitenzahl: 495
ISBN: 978-3-404-17022-7
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Bastei Lübbe

Copyright Cover: Bastei Lübbe



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde