Review

Über 2 Millionen Mal wurde der erotische Roman „Beautiful Bastard“ von dem Autorinnenduo Christina Lauren in den USA heruntergeladen. Dank des MIRA Taschenbuch Verlags kam der Online-Hit im Sommer nun auch in haptischer deutscher Erstausgabe in unsere Gefilde und heizt den Leseratten besagten Genres ordentlich ein.

Denn Christina Hobbs und Lauren Billings nehmen in ihrem Werk kein Blatt vor den Mund und reihen fröhlich und ganz direkt eine erotische Szene an die andere.
Sowohl der Schreibstil als auch das Übermaß an sexuellen Handlungen könnte dabei jedoch die Leserschaft in ihrer Meinung spalten.

Die Geschichte hinter „Beautiful Bastard“ (durch die Kurzbeschreibung des Klappentextes „Eine ehrgeizige Praktikantin. Ein anspruchsvoller Boss. Eine knisternde Atmosphäre“ schon passend und prägnant angedeutet) ist im Grunde durch die Vielzahl an derzeit ähnlich gearteten Erotikromanen bereits bekannt und entsprechend voraussehbar. Dazu muss man sich im Prinzip nicht einmal besonders gut im Genre auskennen.

Gelungen ist hingegen die beschriebene Ähnlichkeit der beiden Hauptfiguren, die das Buch aus der Masse an Veröffentlichungen ein wenig hervorhebt.
Diesbezüglich verfolgt Christina Lauren nämlich einen anderen Ansatz als viele ihrer Kolleginnen, die dem gut aussehenden, dominanten, selbstbewussten und erfolgreichen Geschäftsmann eine schöne, aber schüchterne oder unerfahrene Frau entgegenstellen. In „Beautiful Bastard“ spielt das Schriftstellerduo zu keinem Zeitpunkt mit derartigen rollenspezifischen bzw. klischierten Stereotypen. Vielmehr treffen hier zwei ebenbürtige und starke Figuren aufeinander, die beide wissen, was sie (privat und beruflich) wollen, und ihre Ziele ehrgeizig verfolgen.

Unpassend allerdings wirkt – bedenkt man Bildung und Umfeld der Charaktere – der inflationäre Gebrauch von Ausdrücken wie z.B. „Scheiße“.
Das sprachliche Niveau ist daher nicht überragend hoch. Eher ist das Buch locker und leicht zu lesen, wenn man sich am saloppen Sprachgebrauch nicht stört.
Vermutlich wollte Christina Lauren damit die Gefühlsausbrüche veranschaulichen, welche die Figuren hin und wieder nicht nur während ihrer sexuellen Aufeinandertreffen überkommen. Zur Authentizität trägt dies, vor allem aufgrund des hier erdachten Kontextes, jedoch nicht bei, sondern stellt vielmehr den größten Störfaktor des Buches dar.

Unglaubwürdig ist auch die zu sehr vernachlässigte Charakterentwicklung. Lernt man die Protagonisten Bennett Ryan und Chloe Mills insbesondere zu Beginn der 304 Seiten des Romans ausreichend kennen, so bleibt gegen Ende vor allem das veränderte Verhalten der männlichen Hauptfigur nicht unbedingt nachvollziehbar.

Zusätzlich zur separat gewöhnungsbedürftigen Wortwahl (das muss auch in einem noch so locker und modern wirken wollenden Buch nicht sein) liest sich „Beautiful Bastard“ stellenweise etwas holprig. Zusammenhänge (auch in den Dialogen) muten vereinzelt seltsam an. Dies könnte zum einen an der Übersetzung oder zum anderen an der Verknüpfung der Texte zweier unterschiedlicher Autorinnen liegen.
Vorteilhaft ist allerdings die wechselnde Sichtweise, aus der die Geschichte erzählt wird. Dadurch gewinnt der Leser intensivere Einblicke in beide Figuren, die damit zwar nicht an Tiefe, aber an Sympathien gewinnen.

Christina Lauren (Copyright: Christina Hobbs & Lauren Billings)

Christina Lauren (Copyright: Christina Hobbs & Lauren Billings)

Wie es sich für einen erotischen Roman gehört, kommt die sexuelle Komponente in „Beautiful Bastard“ wie schon erwähnt nicht zu kurz. Im Gegenteil, nimmt die Sexualität doch einen großen Stellenwert im Buch ein.
Jene ist zudem bunt gemischt; von anfänglichen Dominanz-Spielchen bis zum romantischen Stelldichein wird sich an allen Facetten der schönsten Nebensache der Welt bedient. Unschwer ist zu erkennen, dass Christina Lauren dabei die Ideenwerkstatt von Autorinnen wie beispielsweise E.L. James oder Sylvia Day besucht und geplündert hat, darüber hinaus bleibt sie – gerade durch die Häufigkeit derartiger Szenen – aber recht eigenständig.

Mit „Beautiful Bastard“ präsentiert das Zweiergespann Christina Lauren somit eine schnelle Nummer zwischendurch, von der man zwar nicht viel Neues, dafür aber explizite und häufige Sexszenen erwarten darf.
Für jene, die aus diesem Genre alles lesen und besitzen wollen, ist das Buch empfehlenswert und auch als literarischer Quickie eignet sich der Roman hervorragend. Die teils grobe Wortwahl ist sicherlich Geschmackssache, in diesem Fall verhindert besonders jene (neben den anderen genannten Kritikpunkten über die man mehr oder weniger hinwegsehen könnte) allerdings eine noch bessere Bewertung.

Inhalt

Eine ehrgeizige Praktikantin. Ein anspruchsvoller Boss. Eine knisternde Atmosphäre …

Chloe Mills weiß, was sie will. Doch auf dem Weg zum Traumjob stellt sich ihr ein Problem in den Weg: ihr Boss Bennett Ryan. Perfektionistisch, arrogant – und absolut unwiderstehlich. Ein verführerischer Mistkerl!

Bennett Ryan weiß, was er will. Und dazu gehört garantiert keine Affäre mit seiner sexy Praktikantin, die ihn mit ihrem unschuldigen Lächeln in den Wahnsinn treibt. Trotzdem kann er Chloe einfach nicht widerstehen. Er muss sie haben. Überall im Büro.

Gemeinsam verfangen sie sich in einem Netz aus Lust, Gier und Obsession …

(Quelle: MIRA Taschenbuch)

Autorin

Hinter Christina Lauren steht das Autorinnenduo Christina Hobbs und Lauren Billings.
Beide sind bekennende Liebesroman-Fans und schreiben seit 2009 gemeinsam. Getrennt durch den US-Staat Nevada, telefonieren sie mehrmals täglich miteinander und sind sich einig, dass die allerschönste Nagellackfarbe Rubinrot ist. Wenn sie die Wahl hätten, würden sie nur eins tun: den ganzen Tag vom San Clemente Pier in Kalifornien aus aufs Meer blicken.

(Quelle: MIRA Taschenbuch)

Christina Lauren – Homepage
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Christina Hobbs – Twitter
Lauren Billings – Twitter

Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 11.08.2014
Seitenzahl: 304
ISBN: 978-3-95649-054-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: MIRA Taschenbuch

Copyright Cover: MIRA Taschenbuch



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde