Review

Komplette Serie um Carnage Cletus Kasady

Insbesondere in jüngerer Vergangenheit versucht sich Panini Comics – auch auf Wunsch der Leserschaft – mehr und mehr an besonderen (Hardcover-)Formaten, die den typischen US-Omnibus-Ausgaben angenähert oder gleichgestellt sind, wie z.B. den sogenannten Deluxe Editionen. Diese beinhalten üblicherweise komplette, gefeierte und bisweilen ausgezeichnete Geschichten, ganze Serien oder Events von den größten Comic-Autoren und -Zeichnern. Neben den Deluxe Editionen mehren sich hierzulande auch weitere Hardcover-Sammelbände wie etwa die „Spider-Man Noir Collection“.

Genau in diesem Fahrwasser kommt nun auch – pünktlich zum Kinostart von „Venom: Let There Be Carnage“ – der Sammelband „Carnage: Jäger des Bösen“ auf den deutschen Markt. Dabei handelt es sich um die gesammelte Carnage-Soloserie aus der Feder von Spidey-Altmeister Gerry Conway, virtuos in Szene gesetzt von Zeichner Mike Perkins.

Die Reihe, in deren Mittelpunkt der Serienmörder Cletus Kasady alias Symbionten-Superkiller Carnage steht, erschien zuvor bereits in den Paperbacks „Carnage 1: Blutrausch“, „Carnage 2: Das Buch der Verdammten“ sowie „Carnage 3: Alles Böse kommt von unten“.

Eine Studie in Scharlachrot

FBI-Agentin Claire Dixon und ihre Einsatztruppe versuchen mit der Hilfe von Man-Wolf John Jameson und Eddie Brock den scharlachroten Superserienkiller Carnage in einer alten Mine in eine Falle zu locken, um seiner endlich habhaft zu werden.

Eddie ist zu dieser Zeit nicht mit seinem typischen Venom-Symbionten, sondern mit Toxin verbunden und versucht, Buße für seine früheren Verbrechen zu tun. Im Gefecht gegen seinen Sprössling Carnage soll er lediglich als Ultima Ratio zum Einsatz kommen.

Doch es kommt, wie es kommen muss: Bei dem schweren Angriff auf den scharlachroten Wahnsinnigen stürzt der Boden unter ihren Füßen ein und das gesamte Team fällt in Tiefe und Finsternis der einsamen alten Mine. Insbesondere die „einfachen“ FBI-Agenten sind dem Monster nun schutzlos ausgeliefert.

Doch es kommt noch härter. In den finsteren Abgründen dieses verlassenen Ortes trifft Carnage auf einen tödlichen Kult und ein mysteriöses Zauberbuch. Das sogenannte Darkhold, ein verfluchtes okkultes Buch, beinhaltet mächtige Zaubersprüche sowie uraltes, geheimes Wissen eines dunklen Reiches. Darin ist auch die Rede von einem Roten Schlächter, der den schlafenden Gott Chthon erwecken soll. Cletus Kasady glaubt, seine Bestimmung endgültig gefunden zu haben.

Es beginnt eine Jagd um die halbe Welt, da Carnage mithilfe des uralten magischen Buches Darkhold und eines okkulten Blutrituals den finsteren Gott erwecken will.

Pulpige Action und Wegbereiter 

Wer auf herrlich pulpige Kracher steht, ist mit dieser Horror-Action-Serie – mit einer ordentlichen Portion Lovecraft – von Comic-Legende Gerry Conway genau an der richtigen Adresse.

Dabei beginnt der wortwörtliche Blutrausch gleich mit einer großartigen Eingangssequenz, wenn das FBI, Eddie Brock und John Jameson Jagd auf den scharlachroten Killer machen. Hier wird gekonnt auf Kernelemente und Versatzstücke etlicher Genre-Größen wie „Jurassic Park“, „Predator“ oder auch „Aliens – Die Rückkehr“ zurückgegriffen, wenn die Einsatztruppe versucht, auf engstem Raum den brandgefährlichen und übermächtigen Feind zu stellen. Die Geschichte bringt dabei intensive Action sowie atmosphärische und furchterregende Szenen mit sich.

Leseprobe aus „Carnage: Jäger des Bösen“. (Copyright: Panini Comics)

Der Plot wirkt dabei zwar nicht allzu frisch, überzeugt aber durchgehend durch seine Geradlinigkeit und die Ehrlichkeit der Herangehensweise. So ist das hier einerseits eine traditionsbewusste und blutige Hommage an die reichhaltige Genre-Vergangenheit, aber andererseits eben auch eine ungewohnte Horror-Saga im Gewand eines Superhelden- bzw. Superschurken-Comics.

Nicht zu verkennen ist der Aspekt, dass Conways Geschichten offenbar die Events und die Venom-Soloserie aus der Feder von Shootingstar Donny Cates nachhaltig geprägt haben. Hier wie dort spielt ein finsterer und tödlicher Kult auf der Erde eine maßgebliche Rolle, der mit der Hilfe von Carnage eine uralte Macht wiedererwecken will („Absolute Carnage“, „King in Black 1: Die Ankunft“). Vorliegend ist es lediglich der Gott Chthon, während es bei Cates und „KiB“ eben der – neu inszenierte – Symbionten-Gott Knull ist. Ich würde mich sehr wundern, wenn die hiesigen Ereignisse nicht eine der Hauptquellen der Inspiration für Cates‘ Arbeiten wären. Dies setzt sich im Hinblick auf Venom Eddie Brock noch fort. Während Eddie vorliegend überwiegend noch der nervige Unsympath ist, der mit schnörkelloser Entschlossenheit Sühne betreibt, entwickelt er sich bei Donny Cates endgültig vom „tödlichen Beschützer“ zum waschechten Helden. Der Kreis schließt sich für die Figur.

Fazit

Nicht nur im Kino, sondern auch in den Comics treiben Venom und Carnage ihr Unwesen. Zur Einstimmung auf „Venom: Let There Be Carnage“ haben wir euch bereits „Venom vs. Carnage“ sowie „Absolute Carnage“ vorgestellt; wobei sich Letzterer vor allem im Zusammenhang mit der Lektüre des Marvel-Crossovers „King in Black“ lohnt.

Der vorliegende Sammelband von Gerry Conway und Mike Perkins, der ein grandios-finsteres Artwork abliefert, bietet meines Erachtens eine ganz besonders atmosphärische Einstimmung und eignet sich problemlos für Neu- und Gelegenheitsleser:innen.


Carnage: Jäger des Bösen

Inhalt

Eine Studie in Scharlachrot!

Carnage ist einer der düstersten, gewalttätigsten und mörderischsten Gegner von Spider-Man. In diesem dicken Sammelband mit der kompletten Soloserie, die sich dem Bösewicht mit dem scharlachroten Symbionten widmet, wollen ihm das FBI, Venom und Man-Wolf das Handwerk legen. Die Jagd führt sie um die halbe Welt, da Carnage mit Hilfe eines alten magischen Buches und eines okkulten Rituals einen finsteren uralten Gott erwecken will. Diese atmosphärische übernatürliche Krimi-Geschichte über den Serienkiller unter den Marvel-Superschurken enthält also auch eine ordentliche Portion kosmischen Lovecraft-Horror …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Gerry Conway
ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, der vor allem durch seine Arbeiten an Comics bekannt wurde. Von ihm stammt die Actionfigur The Punisher. Er hat in den frühen 1970ern aber auch an Spiderman- und Superman-Abenteuern gearbeitet, und nach dem Zusammenschluss von Marvel Comics und DC Comics Mitte der 70er-Jahre mehrere Superhelden-Team-Ups geschaffen.

(Quelle: Wikipedia)

Gerry Conway – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 25.05.2021
Originalausgaben: ANAD Marvel Point One 1 (Carnage), Carnage 1-16
Seitenzahl: 372
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)