Review

Die 2018 von Al Ewing und Joe Bennett gestartete neue Reihe zum dissoziativen Bruce Banner und seinen anderen Ichs, den unterschiedlichen Hulks, ist bisher ein durchschlagender Erfolg für Fans und Kritiker. Der Autor Ewing hat Bruce Banner eine surreale Reise durch seine eigene Psyche vornehmen lassen, Identitätskrisen der Hulks erzählt und Fragen zur Rechtfertigung von Gewalt für ein größeres Ziel gekonnt gestellt. Der Zeichner Joe Bennett, der kürzlich vom Verlag Marvel wegen wiederholt antisemitischer Zeichnungen und Äußerungen gekündigt wurde, hat dieser Serie ihren unverkennbaren Look gegeben.

Kurz vor dieser Ausgabe hat die Reihe eine Zäsur erfahren. Im fünften Band nahmen uns die Künstler nach einer vier Bände langen Klimax im Kampf gegen seine inneren Dämonen und Feinde des Hulks auf einen interstellaren Trip ans Ende des Universums mit. In der Ausgabe vor diesem Band begann die Reihe „Bruce Banner: Hulk“, zeitkritisch gesellschaftlich aktuelle Themen wie Umwelt zu bearbeiten. Der Hulk nahm es mit dem Multimilliardenkonzern Roxxon, einem Ölkonzern aus dem Marvel Universum, welcher vom Minotaurus Dario Agger geleitet wird, auf. Als ein Angriff in Phoenix die USA erstarren lässt, rettete ein bekannter Feind des Hulks den Tag.

Die Handlung

Eine dem Yeti ähnliche Figur namens Xemnu erscheint aus dem Nirgendwo und hält mit seinen Fähigkeiten der Erinnerungs- und Gedankenmanipulation die Welt zum Narren. Selbst den dissoziativen Hulk schafft er gehörig zu manipulieren. Mit Hilfe der überall auf der Welt verbreiteten Bildschirme arbeitet sich Xemnu immer tiefer in die Gedanken der Menschen und ersetzt Erinnerungen oder erschafft Neue, die es so nie gab. So sind sich nun alle sicher, dass ihre Lieblingsserie der Kindheit der „Zauberplanet“, in der Xemnu der Held war, gewesen sein muss. Der Hulk hingegen wird in der Gesellschaft als Terrorist gelabelt. Selbst Bruce Banner hat ein schweres Problem mit seiner Identität, da er glaubt, er wäre sein Vater.

Nachdem dieser Comic die Macht der öffentlichen Wahrnehmung mit immer wieder auftretenden Seiten, auf denen Zivilisten ihre Meinungen äußern, stark kritisiert, gewinnt der Hulk seinen inneren Kampf. Xemnu wird beseitigt, aber schon wartet die wahrscheinlich größere Bedrohung. Ein Feind, der sich sehr nah am Hulk in seinem Freundeskreis aufhält, wird in den nächsten Ausgaben eine zentrale Rolle spielen.
So auch im vierten Kapitel dieses Paperbacks, in dem der neue (alte) Antagonist „Leader“ eingeführt wird und mit interessanten Gedanken zu Leben, Tod und Glaube spielt. Dieses Paperback endet brachial und lässt einen mit nur einer Hand an der sprichwörtlichen Klippe hängen. Es bleibt also richtig spannend, was demnächst noch mit Bruce Banner passieren soll.

Der Stil

Die ersten drei Kapitel sind alle von Joe Bennet illustriert. Sein Stil zeichnet sich durch viele Schraffuren und Schattierungen an den Figuren aus. Mit den Gesichtern, mit denen er Bruce Banner zeigt, lässt er den Wahn und die Brutalität hervorblicken. Kampfszenen oder horroreske Szenen wie in diesem Paperback, als der Hulk aus Bruce Banner herausplatzt, sind keine Seltenheit. Es scheint aber über die Zeit der laufenden Reihe mehr geworden zu sein.

Leseprobe aus „Bruce Banner: Hulk 7 – Falsche Erinnerungen“.
(Copyright: Panini Comics)

Ein kleines verspieltes Detail ist die innere Reise des Bruce Banners. Diese ist stilistisch gänzlich anders; heller, kindlicher, aber gleichzeitig wesentlich detaillierter in seinen Strukturen und Oberflächen. Es war eine sinnvolle Entscheidung, sich einen Gastzeichner dafür zu organisieren, denn Bennetts Stil wirkt recht starr.

Die letzten beiden Kapitel sind jeweils in ihren Stilen gänzlich unterschiedlich. Das von Butch Guice gezeichnete Kapitel erschafft mit seiner Mischung aus Detail und teilweise schiefer Linienführung eine düstere und dreckige Atmosphäre. Die Geschichte ist eine Wanderung zwischen der Gamma-Welt und den erzählten Erinnerungen, die der Haupthandlung in nichts nachstehen. Es wirkt sogar ganz angenehm, mal etwas anderes präsentiert zu bekommen.

Das letzte Kapitel wurde von Mike Hawthorne gezeichnet und es versucht, sich an Bennetts Stil anzulehnen. Leider schafft es das nicht ganz und kommt aus vielerlei Gründen nicht an „den Look“ vom aktuellen Hulk heran. Die Figur Hulk ist vom Design und seinen Farben auf einmal kindgerecht und weniger angsteinflößend. Die letzte Seite allerdings wirkt bombastisch gezeichnet und schafft es, den Spannungsbogen zu überreißen.

Fazit

Mit dem siebten Band des „Bruce Banner: Hulk“ schafft es Al Ewing, den Hulk wieder zu einer spannenden Geschichte über Identitätsfragen, Moral und Überzeugungen zurückzuführen. Die Befürchtung darüber, dass es nur ein weiteres Space-Invasion-Abenteuer und eine intergalaktische Kriegsführung wird, wie bei so vielen anderen Marvel-Titeln, hatte er dem Leser innerhalb eines Kapitels nehmen können.
Der neu aufgebaute Antagonist hat durch seine Hintergrundgeschichte im eigenen Kapitel eine interessante Motivation erhalten und es bleibt daher sehr spannend, wie diese Serie in Zukunft weitergehen wird.


Bruce Banner: Hulk: Bd. 7: Falsche Erinnerungen

Inhalt

Gamma-Schlachtfest, Hulk-Horror und Marvel-Meisterwerk!

In dieser Serie sind Bruce Banner und der unsterbliche Hulk so gefährlich, aber auch so wahnsinnig wie nie zuvor. Jetzt kommt es zum Clash der Hulks, da der Gamma-Goliath gegen das außerirdische Monster Xemnu antritt. Das Monster kann Erinnerungen manipulieren und wird selbst zum Hulk?!

(Quelle: Panini)

Autor

Al Ewing
ist ein britischer Comicautor.

Al Ewing – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 24.08.2021
Originalausgaben: Immortal Hulk 31-35
Seitenzahl: 140
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Lars Hünerfürst
Musiker, Texter und Mensch, lebend in Berlin.