Review

Mit „Zhoh – Der Wolfsclan“ von Autor Bob Hayes verspricht der Langen Müller Verlag ein All-Age-Fantasy-Abenteuer auf den Markt zu bringen, das in den hohen Norden Kanadas vor 14.000 Jahren führt und neben einer packenden Geschichte rund um die Protagonisten Kasan, Naali und Barik einen Einblick in die eiszeitliche Natur- und Tierwelt gewähren soll.

Was es werden sollte: All-Age-Fantasy-Abenteuer

Bob Hayes, seines Zeichens Wolfsforscher und Autor von Fachliteratur, versucht sich nun also erstmals an einem Roman und schildert im Nachwort sein literarisches Werken wie folgt:

„Beim Schreiben dieses Buches habe ich versucht, eine authentische Kältesteppenlandschaft von vor vierzehntausend Jahren zu schaffen, sie mit interessanten Menschen und Wölfen zu bevölkern und eine Geschichte zu erzählen, die die Leserinnen und Leser – zumindest eine Zeit lang – in ein zweites Leben führt.“

Und so geht es auf knapp 312 Seiten ins alte Beringia, „einem riesigen, nicht vereisten Land, das sich über Teile Sibiriens, Alaska und den Yukon erstreckte.“

Was es geworden ist: Ein ausformuliertes Sachbuch mit Schlachtfest-Charme 

Doch statt eines All-Age-Fantasy Abenteuers wartet über weite Strecken – und wiederholt – ein wahres Schlachtfest auf die Leser. Detailliert wird auf der Mehrheit der Seiten beschrieben, wie die Jagd und das Zerlegen von erlegter Beute (sowohl von den Menschen als auch von den Tieren) vonstatten geht. Das zeigt nicht nur eine, wenn zwar möglicherweise realistische, dennoch sehr grausame und eindimensionale Seite der damaligen Zeit auf. Dadurch gerät auch die erzählte Geschichte weit ins Hintertreffen. Sie ist – wie auch die Spannung – zunächst wenig bis gar nicht vorhanden.

Stattdessen kommt es einem so vor, als lese man ein ausformuliertes Sachbuch, denn Hayes Schreibe wirkt schlicht zu sachlich. Der Spagat, Fachwissen, als Wolfsforscher gemachte Erfahrungen und Erlebnisse und Fiktion miteinander zu verbinden, missglückt. So bleiben die Figuren zu lange sehr oberflächlich. Und auch die Wolf-Thematik bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Resümee

„Zhoh – Der Wolfsclan“ gewährt somit zwar Einblicke in die Lebensweise und die harten Lebensumstände in der Zeit vor 14.000 Jahren, ist insgesamt aber wenig unterhaltsam geschrieben.

Bob Hayes (Copyright: Archbold Photography)

Leidenschaftslos reihen sich seitenweise naturgegebene Grausamkeiten (Schlachten, Sterben, Fressen und Gefressen werden) aneinander. Das mag einerseits die Realität widerspiegeln, andererseits bekommen die Leser aber einen sehr einseitigen Blick auf die damalige Natur- und Tierwelt präsentiert.

Das ermüdet beim Lesen und könnte für jüngere Leser eine gar abschreckende Wirkung haben. Eine mögliche Geschichte des Romans entwickelt sich erst sehr spät und kann sich dann nicht entscheiden, welches Genre sie bedienen möchte.

Von einem All-Age-Fantasy-Abenteuer ist das Buch nicht nur dadurch meilenweit entfernt; insgesamt bleibt die Frage nach einer geeigneten Zielgruppe hier offen.


Zhoh: Der Wolfsclan

Handlung

Vor 14.000 Jahren im hohen Norden Kanadas 

Durch dramatische Ereignisse haben Kasan, Naali und Barik ihre Clans – Zhoh, den Wolfsclan, und Shii, den Bärenclan – verloren. Der erbarmungslosen Natur, dem Hunger und der unerbittlichen Kälte ausgesetzt, kämpfen die drei ums Überleben, aber auch gegen die wachsende Eifersucht und das Misstrauen untereinander. Ohne Naali, die Seherin. die mit den Tieren sprechen kann, wären sie längst verloren …

(Quelle: Langen Müller Verlag)

Autor

Der kanadische Wolfsforscher Bob Hayes, Mitglied der Wolf Specialist Group IUCN, war über zwei Jahrzehnte als Biologe im Yukon unterwegs, lebte dort 42 Jahre lang und publizierte hauptsächlich in Wissenschaftmagazinen. Insidern v.a. bekannt durch sein Buch „Wölfe im Yukon“, hat er sich literarisch nun auf neues Terrain begeben.

(Quelle: Langen Müller Verlag)

Details

Format: Taschenbuch, Softcover
Vö-Datum: 21.01.2021
Seitenzahl: 300
ISBN: 978-3-7844-3576-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Langen Müller Verlag

Copyright Cover: Langen Müller Verlag



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde